Corona-Krise: Was, wenn es ganz anders war?

Immer öfter lese und höre ich die Befürchtung, dass wir nicht mehr zu einer Zeit vor COVID-19 zurück kehren können.  Die gute alte Zeit sei leider leider vorbei.  Keine Konzerte mehr, keine Fußball-Matches, keine dicht gedrängten Dancefloors. Abstand und Mundschutz bleiben fortan überall verpflichtend. Zumindest bis es eine wirksame Impfung für alle gibt.

Corona-Krise: Was, wenn es ganz anders war?

Alle Menschen sind gefährlich und das Virus bringt uns um (Foto: Prachatai)

Es verbreitet sich eine Stimmung, die ich in dieser Intensität davor nur bei der Impfpflicht-Debatte bei Masern beobachtet habe: Viele Menschen fühlten sich oder ihre Kinder durch andere – ungeimpfte – Kinder, die eventuell Masernviren verbreiten könnten, persönlich bedroht. Und sie votierten deshalb in Umfragen zu rund 80% für die Einführung einer gesetzlichen Impfpflicht.
Ich zitiere das jetzt nicht, um die Sinnhaftigkeit der Masernimpfung zu diskutieren. Dazu habe ich anderswo meine Sichtweise beschrieben. Es geht darum, dass – erstmals seit der 1976 in (West-)Deutschland abgeschafften Impfpflicht gegen Pocken – wieder eine Zwangsimpfung eingeführt wurde. Und das, obwohl mehr als 95% der Kinder ohnedies freiwillig geimpft worden sind. Es ging bei der Zwangsimpfung also eher um das politische Ausnützen dieser Stimmung in der Wählerschaft und um die symbolische Umsetzung des Schutzbedürfnisses in Gesetzestext.
Dasselbe Muster bricht jetzt bei Corona durch.
Alte Menschen, Menschen mit überstandenem Herzinfarkt oder Krebs, Menschen mit chronischen Krankheiten: viele von ihnen fürchten sich nun vor einer potenziell tödlichen Infektion mit den Coronaviren. Sie schützen sich und sie ziehen sich zurück und sie wollen, dass sie - wenn sie schon mal raus gehen - auch von allen anderen verlässlich geschützt werden. Und das dauerhaft während des kommenden Sommers - und erst recht wieder danach.
Auch die Regierenden neigen zu dieser Sichtweise, wie etwa das am 15. 4. beschlossene "Corona-Paket" der deutschen Bundesregierung zeigt. Darin heißt es, dass wir "für längere Zeit lernen müssen, mit der Pandemie zu leben."
In Punkt 17 dieser Verlautbarung heißt es dann:
Eine zeitnahe Immunität in der Bevölkerung gegen SARS-CoV-2 ohne Impfstoff zu erreichen, ist ohne eine Überforderung des Gesundheitswesens und des Risikos vieler Todesfälle nicht möglich. Deshalb kommt der Impfstoffentwicklung eine zentrale Bedeutung zu. Die Bundesregierung unterstützt deutsche Unternehmen und internationale Organisationen dabei, die Impfstoffentwicklung so rasch wie möglich voranzutreiben. Ein Impfstoff ist der Schlüssel zu einer Rückkehr des normalen Alltags. Sobald ein Impfstoff vorhanden ist, müssen auch schnellstmöglich genügend Impfdosen für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stehen.
Und nachdem die Corona-Maßnahmen Milliarden gekostet und die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst haben, wird es auch mit Sicherheit keine freiwillige Impfung sein, die man sich nach persönlichem Ermessen geben lassen kann, oder nicht. Sondern es wird eine Pflichtimpfung sein. Denn ab dem Zeitpunkt, wo so eine Corona-Schutzimpfung zur Verfügung steht, wird die Impfverweigerung als gemeingefährliche Drohung gegen die Allgemeinheit verstanden - und auch entsprechend geahndet werden.
So sieht die Perspektive aus. Eine andere Reaktion ist bei den vorherrschenden Denkmustern nicht zu erwarten. Und diese gedankliche Abfolge lief so:
  • Ohne Maßnahmen wäre die Infektionskurve exponentiell weiter gewachsen
  • Und die Viren hätten Abermillionen Menschen getötet
  • Wir aber haben die Viren-Krise durch den Lockdown gemeistert
  • Jetzt sind wir stolz - aber auch vorsichtig - denn die Viren können jederzeit zurück kommen

Was aber, wenn es ganz anders war?
Was, wenn die Viren zwar frisch mutiert, aber trotzdem ganz normale Schnupfenviren waren? Coronaviren eben, die in der kalten Jahreszeit rund 15% der grippalen Infekte ausmachen. Und die immer schon bei alten oder kranken Menschen – und besonders bei alten und kranken Menschen – lebensgefährliche Lungenentzündungen auslösen.
In Österreich und Deutschland liegt das durchschnittliche Alter der an der Corona-Infektion verstorbenen Personen bei rund 80 Jahren. Wie es jetzt aussieht ist die aktuelle Sterbekurve nicht auffällig, die COVID-19 Opferkurve entspricht der normalen Mortalität.
Im Winter 2016/17 gab es z.B. eine wesentlich höhere Winter-Sterblichkeit. Wir haben statistisch gesehen also einen relativ unauffälligen Winter hinter uns.

Corona-Krise: Was, wenn es ganz anders war?

In den meisten Ländern hatte Corona keine Auswirkungen auf die Sterbekurve
(Quelle: Euromomo.eu, Zeitraum Januar 2016 - April 2020)


Doch was ist mit Italien, New York und den anderen Hotspots der Krise? Da gab es doch ganz eindeutig eine Übersterblichkeit?
Lassen wir mal den Gedanken zu, dass es sich um eine normale Infektionswelle handelte - allerdings mit leicht veränderten, mutierten Coronaviren. Es kam in unterschiedlichen Regionen zu unterschiedlich starken Ausbreitungen der Viren. Eine wesentliche Rolle spielte dabei sicherlich die Bevölkerungsdichte, aber auch andere unbekannte Faktoren. In der Anfangsphase kommt es - wie bei allen Epidemien - zu einem starken Anstieg der Kurve. Und das wurde - verstärkt auch durch die Fokussierung der Behörden, die neuartigen Massen-Testungen, die mediale Aufmerksamkeit - live ins Wohnzimmer übertragen. Die Welt war geschockt und das verstärkte die Krise zusätzlich. Bestattungs-Unternehmen weigerten sich beispielsweise die infizierten Toten abzuholen - zumal Begräbnisse sowieso nicht erlaubt waren. Die Leichen stapelten sich. Das Militär musste anrücken. Die psychologische Wirkung dieser Bilder auf eine unvorbereitete Öffentlichkeit war enorm.
Ab diesem Zeitpunkt ging es für die meisten Politiker darum, unbedingt öffentlichkeitswirksam zu handeln. Andernfalls drohte dieselbe Krise im eigenen Land. Mit unabsehbaren Folgen für das heimische Gesundheitssystem - aber auch für die eigene Wiederwahl. Und so wurde ein Schritt nach dem anderen getan - der scheinbar ausweglos in die aktuelle Situation mündete.
Es gab also einen regional besonders starken Verlauf dieser neuartigen Infektion. Diese lief zunächst unbemerkt und mündete dann in einer großen Anzahl an kritisch erkrankten Personen, die gleichzeitig in die Krankenhäuser eingeliefert wurden. Das Sterberisiko nahm kurzfristig stark zu. Gleichzeitig verbreiteten sich jedoch die Viren wie ein Flächenbrand - die weitaus meisten Menschen in den Hotspots hatten nur die typischen Symptome eines grippalen Infekts oder gar keine Symptome. Doch sie waren fortan immun - und damit bildeten sie eine unsichtbare Wand, welche die Epidemiekurve zum Absturz brachte.
Anderswo verlief der Anstieg der Kurve nicht so steil - das Gesundheitssystem wurde nicht überlastet - die Sterbekurve war nicht auffällig. Über ein ganzes Jahr gesehen unterscheidet sich die Mortalität zwischen Ländern mit starkem Ausschlag der Epidemie-Kurve und Ländern mit flachem Verlauf dann aber möglicherweise gar nicht mehr so stark. Wie sehr der radikale Lockdown des Sozial- und Wirtschaftslebens gerechtfertigt war, wird sich auch im Vergleich mit Ländern zeigen, die deutlich mildere Maßnahmen verhängt haben. Da steht uns noch eine spannende Analyse bevor. Doch einige wissenschaftliche Fakten zeigen schon jetzt, dass alles möglicherweise ganz anders gelaufen ist. 
Der Lockdown kam erst im Nachhinein
Das Berliner Robert Koch Institut (RKI) hat kürzlich ausgerechnet, wie sich die berühmte Reproduktionszahl R im Lauf der letzten Wochen verändert hat.R=1 würde bedeuten, dass ein Corona-Infizierter eine weitere Person ansteckt. R=2 bedeutet, dass sich die Zahl der Infizierten verdoppelt. Wenn R kleiner als 1 ist, so heißt das, dass die Epidemie zu Ende geht.Ende Februar bis Anfang März war die Corona-Welle in Deutschland voll unterwegs. Da war R sogar kurz größer als 3.
Corona-Krise: Was, wenn es ganz anders war?
Interessant ist der Einfluss der Maßnahmen, die gesetzt wurden:Am 9.3. wurden alle Veranstaltungen von mehr als 1000 Teilnehmern abgesagt. Das war exakt die Zeit, als die Corona-Verbreitung ihren Höhepunkt erreichte.Kurz danach fiel die Kurve steil ab.Die Absage der Großveranstaltungen konnte darauf jedoch keinen Einfluss haben, weil der Zeitraum viel zu kurz war.
Nun fiel also die Kurve runter auf R=1.Und dann erst - viel später am 23. März - wurde der Lockdown mit all den scharfen Maßnahmen verkündet.Seither fällt die Kurve nicht mehr, sondern bleibt ziemlich stabil auf R=1 und leicht darunter.Das RKI erklärt das u.a. mit der ständig zunehmenden Menge an Tests, die seither durchgeführt wurden und der Schwierigkeit, das mathematisch korrekt einzuordnen.
Doch eines geht klar aus der Studie des RKI hervor: Die Epidemie hat in Deutschland ihren Höhepunkt von Anfang bis Mitte März erreicht.Der Lockdown - am 23. März - kam viel zu spät, um etwas zu bewirken. Das war eine Maßnahme, die im Nachhinein gesetzt wurde. Sie war eine gut gemeinte Reaktion auf die Krise, hatte aber kaum einen messbaren Effekt auf den Ablauf der Epidemie.
Denselben Trend haben unabhängig davon Experten der österreichischen AGES ermittelt. Auch wenn Österreich den Lockdown am 16. März – eine Woche früher als Deutschland – umgesetzt hat, fiel er mitten in den bereits bestehenden Abwärtstrend der Infektions-Kurve und hat diese nicht beeinflusst.
Corona-Krise: Was, wenn es ganz anders war?Experten rätseln über die Ursachen für den Abfall der Kurve. Lag es doch an der Absage der Großveranstaltungen, an der reduzierten Mobilität, am vielen Händewaschen? 
Oder hat der Frühling mit den höheren Temperaturen und dem geringeren Erkältungsrisiko den Abfall bewirkt?Sehen wir uns mal an, wie die verschiedenen Viren normalerweise über den Jahreslauf verteilt sind. Hier eine Übersicht aus einem Standardwerk zum Auftreten der Erkältungsviren in der nördlichen Hälfte der Erdkugel:

Corona-Krise: Was, wenn es ganz anders war?

Mit Ende April geht die Coronaviren-Saison normalerweise zu Ende. 
Geht sie heuer nur deshalb zu Ende, weil Maßnahmen gesetzt wurden? (Quelle)


Was wenn tatsächlich alles ganz anders war? Und nun – abgesehen von der medial verstärkten Krise in den Hot Spots – ein stinknormaler Winter mit einer ganz durchschnittlichen Winter-Übersterblichkeit zu Ende geht.
Und was, wenn die Sonne mit den höheren Temperaturen den Coronaviren den Garaus macht, so wie jedes Jahr - und besser als das alle Lockdown-Maßnahmen können.
Was nun in den kommenden Wochen folgt, wird entscheidend sein für die Aufarbeitung dieser globalen Krise. Kritische, möglichst objektive, unabhängige Wissenschaft wird – im Zusammenspiel mit einer seriösen medialen Aufarbeitung – den Ausschlag geben, ob es gelingt, die richtigen Lehren zu ziehen. Was uns jetzt nämlich droht ist der Rechtfertigungs-Schwall der Regierungen und ihrer behördlichen und wissenschaftlichen Berater. Sie haben wenig Interesse daran, dass sich heraus stellt, dass viele der Maßnahmen übertrieben waren. Sie möchten sich feiern lassen, als Retter vor den Viren, die jede einzelne Milliarde wohl überlegt in den Schutz der Bevölkerung investiert haben.
Doch ich will hier gar keine Schuldfrage anzetteln.
Wir haben als weltweite Community eine bisher noch nie da gewesene Erfahrung gemacht. Das müssen wir seriös aufarbeiten, um daraus zu lernen. Und das bedeutet sicherlich nicht, dass wir jetzt alle angstvoll auf die Einführung einer Corona-Schutzimpfung warten. Denn das durchbricht die Angstlogik nicht. Und schon bald wird der nächste Lockdown folgen, weil das Viren-Tracking natürlich nicht aufhört. Und wer suchet, der findet sofort wieder etwas, vor dem man sich fürchten kann.
Und das wäre doch sehr sehr schade, wenn wir vor lauter Virenangst nicht mehr zu unserem "alten Leben" zurück kehren können: zu den Konzerten, den Fußball-Matches, den ausgelassenen Tänzen.

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