Claire

Claire

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Nur einmal noch redeten wir über Geld. Dreju machte mir klar, dass sein Vater ein großes Vermögen hinterlassen hatte und er als der älteste Sohn das Vermögen verwaltete. Es war nicht allein sein Geld, es gehörte auch seinen Geschwistern, doch er entschied, für welche Zwecke es ausgegeben wurde. Seine Geschwister mussten ihn erst fragen, wenn sie an das Geld heran wollten.
Der "See" schien groß zu sein, Dreju sprach von Edelsteinen und Diamanten, in die sein Vater sein Geld investiert hatte, da das Zahlungsmittel Geld in Zaire sehr instabil war. Ich beschloss, ihm zu glauben und fragte fortan nicht mehr nach.
Anders war es bei seiner Tochter. Ich wollte sie unbedingt kennen lernen und ließ in diesem Punkt auch nicht locker. Claire war 3 Jahre alt und wusste nichts von den Schwierigkeiten ihrer Eltern. Dabei sollte es auch bleiben. Dreju stimmte einem Treffen zwischen mir und Claire daher nur zu, wenn ich damit einverstanden wäre, dass er mich als eine Bekannte vorstellte, keinesfalls als seine neue Partnerin.
Ich war sofort damit einverstanden. Das Wohl der Kleinen ging mir über alles. Ich wollte sie keinesfalls brüskieren, in dem ich z.B. ihren Vater küsste, das war einfach noch zu früh, das leuchtete mir ein.
Mit keinem Gedanken dachte ich daran, dass Dreju ein doppeltes Spiel spielte und dies eine vorbeugende Maßnahme war, der Gefahr zu entgehen, dass seine kleine Tochter sich eventuell bei ihrer Mutter verplappern könnte, in dem sie etwas über unsere Zärtlichkeiten, die wir sonst immer austauschten, erzählte. Ich war einfach nur glücklich, endlich seine Tochter, die ihm so viel bedeutete, kennen zu lernen.
Er holte mich eines Nachmittags mit Claire von der Arbeit ab. Ich hatte mich auf das geplante Treffen gut vorbereitet und Claire einen kleinen Teddybären gekauft. Sie war ein sehr hübsches Mädchen mit großen, schwarzen Augen, einer kleinen Nase und vollen Lippen. Ihr Teint war von einem schönen braun mit einem Schuss oliv. Ihre widerspenstigen, klein gelockten Haare hatte sie zu einem bauschigen Pferdeschwanz zusammen gebunden.Vom ersten Moment an hatte ich mich in dieses kleine, etwas schüchterne Mädchen verliebt, das da auf den Schultern ihres Vaters saß, der mich stolz anlächelte.
"Hallo Claire, ich bin Elke," sagte ich freundlich lächelnd und streckte ihr meine Hand entgegen, die sie schüchtern annahm.
Auch Dreju begrüßte ich nur per Handschlag. Er schlug vor, in das nahe gelegene Cafe zu gehen, was wir auch taten. Dort gab ich Claire den Teddy. Sie freute sich sehr und sagte glücklich lachend zu ihrem Vater:"Papa schau mal, die Madame hat mir den Teddy geschenkt!" Von diesem Moment an war ich für sie die Madame, sie sprach mich immer so an, meinen Namen benutzte sie nie.
Dreju und ich spielten mit Claire, sie war ein sonniges und braves kleines Mädchen und es machte uns allen viel Spaß, wir hatten einen wunderschönen Nachmittag. Lediglich das Versteckspielen nervte mich. Wie gerne hätte ich Dreju auch geküsst, so wie immer. Doch ich traute mich nicht. Dreju hatte deutlich die Regeln des Treffens vorher abgesteckt und ich hatte mich einverstanden erklärt, also musste ich mich auch dran halten.
Dieses Treffen intensivierte meinen Wunsch, eine Familie mit ihm, meinen Kindern und Claire zu werden. Ich sah sie in Gedanken bereits als meine süße Stieftochter an.
Als wir uns wieder verabschiedeten, wusste ich nicht, dass dies das einzige Zusammentreffen mit Dreju's Tochter während unserer ganzen Beziehung bleiben würde. Dreju war nie wieder bereit, einem Treffen zwischen Claire und mir zuzustimmen. Zu groß war seine Sorge, dass die Kleine ihrer Mutter etwas erzählen würde.
Eigentlich hätten bei mir deswegen alle Alarmglocken läuten sollen, schließlich lebte er seinen Worten nach "in Trennung", was war dann so Verwerfliches dran, wenn ich, seine neue Partnerin, auf seine Tochter traf?
Ich äußerte auch einmal diesen Gedanken, doch Dreju verstand es meisterhaft, mich zu beruhigen. "Mach Dir keine Sorgen Cherie, lass mich nur machen. Jeden Tag komme ich meinem Ziel einen Schritt näher, mich scheiden zu lassen. Ich muss nur ganz vorsichtig sein, damit ich meine Tochter nicht verliere. Eines Tages wirst Du für Deine Geduld belohnt werden und wir werden eine Familie sein. Bis dahin jedoch musst Du einfach still halten!"
Wieder ließ ich mich einlullen von seinen Worten, von der Aussicht, bald auch offiziell die Frau an seiner Seite zu sein.
Ich bemerkte nicht, wie ich immer tiefer in die Rolle der ewigen Geliebten rutschte.