Bundeswehr übt Bürgerkrieg

Die Mehrheit der Weltbevölkerung lebt mittlerweile in Städten und in so ziemlich allen Ländern der Welt nehmen die sozialen Spannungen zu. Was liegt da näher, als die Armeen der Welt auf den Kampf in den Städten vorzubereiten?

Vom 20. bis 22. Oktober fand in Berlin die zweite International Urban Operations Conference statt, eine internationale Kriegskonferenz genau zu diesem Thema also – allerdings von den Medien weitestgehend unbeachtet. Was gewiss kein Zufall ist. Denn man muss die Leute ja nicht mit der Nase darauf stoßen, dass sich die Mächtigen der Welt wissen, das ihre Verarmungsprogramme für die Massen irgendwann Konsequenzen haben werden und sich entsprechend auf den Kampf gegen das gemeine Volk vorbereiten. Immerhin hat die World Sozialist Website jetzt einen Artikel veröffentlicht: Bundeswehr bereitet sich auf Bürgerkrieg vor.

2nd International Urban Operations Conference

2nd International Urban Operations Conference

Wobei das Volk ja alles in allem herrlich blöd ist – die Leute bekämpfen ja lieber sich gegenseitig, ob das nun Hooligans gegen Salafisten oder Nazis gegen Autonome sind – noch machen die Verlierer der Gesellschaft die Sache unter sich aus. Aber das wird vielleicht nicht immer funktionieren – es wurde ja gerade am vergangenen Wochenende aus allen Rohren der Massen-Bewegung frustrierter Bürger gedacht, die den “Unrechtsstaat” DDR völlig friedlich in die Knie gezwungen haben. Die Realsozialisten hatten offensichtlich nicht mitgekriegt, wie gut die westliche und wie schlecht ihre eigene Propaganda funktioniert hat – aber sie haben immerhin nicht auf ihre eigenen Leute geschossen, als sie in tragischer Verblendung zum real existierenden Kapitalismus übergelaufen sind. Das wird bei der nächsten “Revolution” garantiert nicht mehr so sein, denn die könnte sich möglicherweise GEGEN das Kapital richten – und das ist etwas, das es zu verhindern gilt. Denn Kapitalismus = Freiheit = Demokratie, das ist bekanntlich das GUTE. Und dafür lohnt es sich, Leute zusammen zu schießen. Geschieht gerade in ziemlich vielen Ländern der Welt, ich sag nur Syrien oder Ostukraine. Aber aufmerksame Leser dieses Blogs wissen, dass es noch viel mehr Beispiele gibt.

Zurück zur International Urban Operations Conference. Dort haben sich Vertreter von Rüstungskonzernen, der Bundeswehr und diverser Forschungsinstitute getroffen und unter anderem ihre neuesten Mordinstrumente präsentiert – die Sponsoren der Kriegskonferenz waren die Rüstungsunternehmen Heckler & Koch, Dynamit Nobel Defence, der Anbieter von Infrastrukturleistungen und Feldlagersystemen Kärcher Futuretech, das israelische Rüstungsunternehmen Rafael Advanced Defense Systems und der Hersteller von Kommunikationstechnik Telefunken Racoms. Aber auch Hersteller von Lenkflugkörpern wie Diehl Defence und der europäischen Rüstungskonzern MBDA sind mit dabei gewesen.

Es gab ein umfangreiches Programm mit Vorträgen zu Methoden der Kriegsführung in urbanen Gebieten, neuen Waffensystemen und Militärtechnologien. Heckler & Koch lieferte einen Beitrag zu Handfeuerwaffen in urbanen Operationen. Ein Vertreter von Securiton sprach über „Mobile Überwachung – urbane Aufklärung und Kontrolle“ – auch ein wichtiger Aspekt wie wir wissen, die Komplettüberwachung der Bürger beispielsweise bei Anti-Nazi-Demos wurde bereits erfolgreich demonstriert. Den Vorsitz der Konferenz führte der Chef des Amts für Heeresentwicklung der Bundeswehr, Generalmajor Erhard Drews. Organisiert wurde die ganze Veranstaltung von der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT) – einem gemeinnützigen Verein, der 1957 auf Initiative des Verteidigungsministeriums gegründet wurde. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Ein gemeinnütziger Lobbyverein für die deutsche Rüstungsindustrie. Als ob die nicht genug Kohle hätte, ihre Lobbyisten selbst auszurüsten und ins Feld zu schicken. Aber den Gag mit gemein und nützlich gabs ja erst neulich in der Anstalt.


Wie dem auch sei, in Deutschland gibt es mit dem Gefechtsübungszentrum (GÜZ) in der Altmark, eines modernsten militärischen Übungszentren der Welt, betrieben vom Rüstungskonzern Rheinmetall. In Sachsen-Anhalt wird seit 2012 die Übungsstadt Schnöggersburg gebaut, die den Nato-Armeen Trainingsmöglichkeiten in urbanem Gebiet bietet.

Auch interessant, denn dieser Ort in der Colbitz-Letzlinger Heide verfügt über eine gewisse Tradition: Bereits in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde dort die Heeresversuchsanstalt Hillerleben eingerichtet – mit einer 29 Kilometer langen Schießbahn. In Schnöggersburg wird ein urbaner Ballungsraum mit zahlreichen Infrastrukturelementen einer typischen Großstadt simuliert, es gibt nicht nur ein Industriegebiet, Hochauskomplexe, ein Stadion, Elendsviertel, eine U-Bahn mit mehreren Stationen, sondern auch einen Flugplatz, auf dem Transall-Maschinen landen können. Ab 2016 sollen dort entsprechende Militär-Übungen beginnen, bei denen Einsätze in urbanen Zentren realitätsnah trainiert werden können.

Die werden schon wissen, warum.



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