Bonobo: Die Gedanken sind frei

Bonobo: Die Gedanken sind freiBonobo
„Migration“

(Ninja Tune)
Jede/r geht ja mit einem Überfluß an Informationen anders um – die einen kapitulieren ob der Menge und fühlen sich schlicht überfordert, andere lassen sich inspirieren und empfinden solche Angebote eher als Herausforderung. Bei Simon Green aka. Bonobo, britischer Komponist, DJ und Musiker, konnte man sich bislang über einen Mangel an derlei Anregungen nicht beklagen, der Mann betrachtet sich nicht ohne Grund als Multi-Instrumentalist und Schöpfer audiovisueller Gesamtkunstwerke. Und auch sein aktuelles, mittlerweile sechstes Album ist da keine Ausnahme. Los geht’s mit dem Titel „Migration“: Laut Green geht es hier nicht um die politisch aufgeladenen Fluchtbewegungen (sicher sei er sich der Zweideutigkeit bewusst, hätte dann aber besser das Wort„Immigration“ bevorzugt), sondern eher um die Veränderungen unserer Umwelt unter dem Einfluss kultureller Vermischungen, Interaktionen und Verwerfungen.

Auch optisch gibt einem die Platte einige Assoziationsvorlagen – angefangen von der leicht esoterischen Inszenierung des Bild- und Videomaterials aus dem Death Valley („Break Apart“) bis hin zum brennenden Dornenbusch in der Mitte des Covers. So vielfältig und wandelbar Bonobos synthetisches Soundgespinst auf „Migration“ geraten ist, so bunt präsentiert sich die dazugehörige Gästeliste – vom Afrobeat eines Innov Gnawa („Bambo Koyo Ganda“) über die Downtempo-Kollaborationen mit Rhye und Nick Murphy (Chet Faker) bis hin zur zarten Stimmbegleitung von Nicole Miglis (Hundred Waters), zudem unterfüttern Samples von Brandy und Pete Seeger (!) die reichhaltige Collage. Klassischen Popsongs am nächsten sind sicher beiden Stücke „Break Apart“ und „No Reason“, das nervös klackernde „Kerala“ wiederum ist aufgrund des markant verschnittenen Videos mit Gemma Arterton ein echter Hingucker (in der Uncut-Version übrigens knapp zweieinhalb Minuten kürzer). Es ist kurzgesagt mit diesem Album wie so oft im Leben – nicht gemacht für jene, die sich keine Zeit nehmen wollen oder können, allen aber, die sich vorbehaltlos darauf einlassen, will diese Platte ein große Bereicherung sein. Und das gilt dann interessanterweise eben auch für des Titels unterschwellige Bedeutung … http://bonobomusic.com/
15.02.  Hamburg, Docks
16.02.  Berlin, Columbiahalle
17.02.  Köln, Live Music Hall
18.02.  Frankfurt, Batschkapp

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