#BloggerFuerFluechtlinge

Ich sitze im Wohnzimmer und stieze per Handy Blog. Und weil ich sonst nix zu tun habe es eine tolle Beschäftigung ist, lese ich mein eigenes Blog.
Wie bitte? Narzistisch?
Nee, andersrum wird ein Schuh draus: Wenn nichtmal ich mein Blog lesen würde, wie könnte ich es dann von Euch erwarten? ;-)

Ich lese also vor mich hin, als ich an einem Beitrag von mir hängenbleibe: “Kofferpacken“.
Hm.
Hmm.
Hmmm.

Wir spenden. Wo und wie viel geht keinen etwas an. Und aus den Rippen leiern lasse ich mir schon gar nichts!
Flüchtlinge.
Mein Beitrag.
Gut, wir spenden. Aber: Ist das jetzt eine Ausnahmesituation?
Ich habe einen Beitrag geschrieben – OK.
Und damit vielleicht den ein oder anderen (hoffentlich!) inspiriert oder zum Nachdenken gebracht – OK.Das ist gut und so – OK.
Aber sonst?

Ich stehe auf und mache den Computer an. Klicke ein bisschen rum und finde sehr schnell, wonach ich gesucht habe: Die Adresse der nächstgelegenen Flüchtlingsunterkunft sowie eine Liste, was die Menschen dort noch benötigen; darunter auch Alltagsgegenstände.
Ich überlege.
Ich rufe den Freundlichen zuständigen Menschen an und frage, wie/wann/wo ich Sachen abgeben könnte.
Freundlicher Mensch: “Einfach hinfahren und abgeben! Dankeschön, wir freuen uns sehr!”
Wärme und Strahlen in der Stimme, die mich schon verlegen machen.

Auf geht`s! Neben unserem alten, aber natürlich heilem Kinderwagen könnten wir noch … Ja was eigentlich? Was könnten wir noch abgeben?
Mir kommen tausend Ideen: Rätselhefte bzw. Sudokus für die Erwachsenen, vielleicht auch DVDs mit schön vielen Landessprachen? Oder … HALT! Nicht durchdrehen, Frau Logan, es sollten schon Dinge sein, die man a) entbehren und b) nicht erst kaufen muss, richtig?
Richtig!
Also nochmal.

Tatort 1: Der Küchenschrank
Endlich werde ich die ganzen überschüssigen SOS-Geschenke-Tassen los. Tassen und Gläser haben wir in rauen Mengen, dazu noch ein Glasschüssel-Set. Wie gut, dass ich es nicht eingesehen habe, das Zeug beim letzten Polterabend zu zerdeppern: Jahrelang gehortet kann es jetzt einen richtig guten Zweck erfüllen!

Tatort 2: Spielzeug
Es ist überall. In rauen Mengen und Massen. Denn obschon ich immer alle bitte, etwas anders zu schenken: Kleidung, Bettwäsche, Bücher und eben KEIN Spielzeug, wird es immer mehr. Weil natürlich keiner auf mich hört, *seuz*.
Ich schnappe mir Mittleres (das das Ganze noch nicht so ganz kapiert) und Mittleres.
“Wisst Ihr, es gibt Kinder, die haben gar kein Spielzeug mehr”, versuche ich zu erklären, “weil sie es auf der Flucht zurücklassen mussten!”
Größtes: “Aber warum haben dann nicht die Eltern Spielzeug für die mitgenommen? Das ist aber gemein!”
Ich: “Nun, mein Schatz, dafür hatten die Eltern keinen Platz mehr! Die konnten nur die aller-allerwichtigsten Sachen mitnehmen!”
Größtes: “Aber Spielzeug ist wichtig! Und wenn wir mal wegflüchten müssen, dann will ich auch mein Spielzeug mitnehmen!”
Ich: “Ach Größtes …”
Wir hangeln uns noch ein bisschen durch. Ich merke: Größtes versteht das alles noch nicht so ganz, aber eines versteht es jetzt: Dass es Kinder gibt, die gar kein Spielzeug haben und dass es, Mittleres und Kleinstes sehr sehr viel Spielzeug haben.
Größtes: “Also geben wir den Kindern was ab, weil das ist wie wenn ich meine Taschentücher in der Schule mit der Lara teile, weil die hatte gar keine!”
Ach, mein Schatz …

Wir fangen also an, auszusortieren, Größtes und ich. Größtes soll selbst entscheiden, was weg kann und was es unbedingt behalten möchte. Auch die allerliebesten Sachen von Mittleres und Kleinstes bleiben auf dem “Behalten-Stapel”.
Sooo viel Spielzeug haben wir garnicht, wenn man mal alles weglässt, was kaputt ist oder diverse Bissspuren hat.
“Wie wäre es damit?”, fragt Größtes und hält mir einen Feuerwehrwagen von LÄGO hin.
Ich (leicht entsetzt): “Den willst Du weggeben????”
Größtes: “Ja!”
In meinem Gehirn rattert es. LÄGO, ausgerechnet! Ehrlich: Das Zeug mag ja sauteuer sein – aber es hält auch, meist sogar über Gennerationen! Das ist mal richtig gutes Markenspielzeug (Notiz: Warum mache ich eigentlich immer kostenlos Werbung????) und ausgerechnet das sollen wir weggeben?
Ich überlege: Das könnte man – wenn ich es nicht für Kleinstes (Mittleres hat so gar kein LÄGO-Interesse) aufheben – schön saubermachen und bei Ibay reinsetzen und-
“MAMA!”, unterbricht mich Größtes. “Mama, dürfen das jetzt die Kinder haben, die gar kein Spielzeug mehr haben?”
Ich schüttele den Kopf. Es erstaunt mich immer wieder, wie dieser kleine Mensch so viel klüger sein kann, als seine manchmal echt dumme Mami.
Ich nehme das Feuerwehrauto und lege es in die “Verschenken-Box”.

Zwei große Kartons Spielzeuge und eilig gewaschene Stofftiere.
Ein Kinderwagen inklusive Winterstoffsack.
Tassen, Gläser und Schüsseln.
Schokolade (Ja, wir haben immernoch Tonnen, *seufz*)
Klamotten übrigens nicht: Dank der wunderbaren Hilfsbereitschaft der Menschen hier stehen erst einmal genügend Anziehsachen zur Verfügung! – Klasse, oder?
Nur Babyanziehsachen werden noch gesucht. Die hatten wir aber schon an Bekannte weggegeben, das ist hier ein Kreislauf, :-D
Aber da fällt mir ein, dass ich noch ein paar Gläser Babyobstbrei und -Mittagessenzeugs habe. Selbstverständlich noch haltbar. Rührt das Kleinste nicht mehr an, die 1er und 2er-Windeln passen auch schon lange nicht mehr, alles ab in eine Tüte.
Los geht`s.

Herr L. lädt alles ins Auto, dann machen sich Mittleres, Größtes und ich auf den Weg.

Ankunft Flüchtlingsunterkunft.
Ich parke, entnehme den Kinderwagen. Klappe ihn auseinander, parke schonmal einen Karton darauf. Hole die Kinder aus dem Auto und los geht`s.
Ein bisschen nervös bin ich ja schon. Bin eher der Typ für anonyme Spenden, das hier … liegt mir so gar nicht!
Augen zu und durch.

Vor der Unterkunft lungern ein paar Jugendliche herum. Würde ich die in der Stadt treffen, ich würde nicht wissen, dass es Flüchtlinge sind: Die selben Klamotten, die selben schlecht gelaunten Mienen, die gleiche Körperhaltung: Möglichst cool, möglichst desinteressiert. Ich liebe Teenies! *Strahl*

Doch dann sehen sie mich und lächeln.
Gut, das ist neu, das passiert mir jetzt nicht so oft.
Sie kommen auf mich zu, grüßen mit Worten, die ich nicht verstehe, ich ebenso.
Ich frage, wo die Sachen hinkommen. Sie antworten. Keiner versteht den andren, aber doch verstehen wir uns, denn die jungen Herren führen uns in eine Art Büro. Ist das nicht wundervoll? Sind Menschen nicht großartig? Sich verständigen und anlächeln zu können, ohne die Sprache des anderen zu verstehen!
Ich liebe Menschen! *Strahl*

Ich stehe mit den Kindern etwas unschlüssig herum, als ein Jugendlicher loszieht und einen netten Menschen eines Hilfsdienstes holt, der hier offenbar alles mitkoordiniert. Er strahlt mich an, dankt mir. Wirft einen Blick in den Karton.
Ich gehe schnell mit den Kindern zu m Auto, das restliche Zeug holen. Wie oft ich wohl werde laufen müssen?
Nur einmal, denn die jungen Herren und auch eine junge Dame sind mitgekommen, helfen tragen. Um uns herum toben Kinder. Ich staune, wie fröhlich sie lachen. Dass sie keine Furcht, sondern nur Neugier zeigen. Kinderaugen voller Aufregung und Glück, versuchen mit neugiereig gereckten Näschen in die Kartons zu stiezen. Ich liebe Kinder! *Strahl*
Und hoffe, dass sie ihre Unschuld noch nicht ganz verloren haben. Dass sie sich erholen werden in unserem wunderschönen Land.
Dass sie die Angst und der Terror hier nicht finden können und dass sie zu jung sind, um mitzubekommen, wie hasserfüllte Menschen Flüchtlingsheime anzünden …

Wir bringen die restlichen Sachen hinein. Gemeinsam. Meine Helfer lächeln und strahlen mich an, erzählen mir irgendwas. Ich lächele zurück und antworte auf Fragen, die ich nicht kenne, aber das spielt keine Rolle.
Mittleres ist noch nicht vertrauenswürdig und bleibt an meiner Hand, aber Größtes ist losgeprescht und spielt irgendein Spiel mit zwei süßen Mädchen von etwa 8 und 9 Jahren. Die verstehen einander auch nicht, aber dann wieder doch und mein Herz geht auf: Ich liebe Kinder, *strahl*

Schießlich ist drinnen alles abgeladen. Der fleißige Hilfsdienstmensch hat schon mit dem sortieren angefangen. In einer Ecke stehen etwa 10 Kinder und recken die Hälse. Als der Mann das erste Stofftier hochhebt geht ein Juchzen durch die Menge. Kinderaugen leuchten und ich bin heilfroh, dass ich noch daran gedacht habe, die Kuscheltiere zu waschen: So können die Kinder sie direkt in die Arme schließen!

Ich wende mich ab, habe Tränen in den Augen. Zu viel Freude für mich. Und das wegen ein paar blöden, alten Stofftieren, die hier nur in einer Ecke rumlagen!
Verstohlen wische ich mir die Augen. Gefühlsbekundungen in der Öffentlichkeit sind ja so gar nichts für mich …

Ich konzentriere mich wieder auf das GEschehen vor mir. Erkläre dem netten Hilfsdienstmenschen, wie man den Kinderwagen zum Sitzbuggy umbaut. Da legt sich mir von Hinten eine Hand auf die Schulter. Ich drehe mich um. Vor mir steht eine Frau in den Vierzigern. Graue Strähnen, Sorgenfalten. Ein wunderschönes Lächeln. Sie sagt irgendwas und nimmt mich in den Arm. Drückt mich. Auch andere sagen was, drücken mir kurz die Schulter, schenken mir Lächeln.
Zu viel!
Raus raus raus hier!
Ich lächele, stammele irgendwas, verabschiede mich und mache die Fliege. Sorry, so was kann ich gar nicht!

Ich packe die Kinder ins Auto, winke nochmal und fahre los. Halte ein paar Kilometer weiter am Waldrand an. Fange an zu heulen. Diese Dankkbarkeit! Und das wegen ein paar Sachen, die wir ausortiert haben, nicht mehr gebrauchen konnte, zu viel hatten! Die uns … eigentlich gar nichts bedeuten: Ein Teil mehr oder weniger, was macht das schon?
Das Bild dieses kleinen Jungen, der das Stoffnilpferd in die Arme geschlossen hat, als hätte er einen Schatz gefunden.
Was sagt das über das unglaubliche erlebte Elend dieser Menschen aus, und was über ihren Mut und ihre Hoffnung?

Größtes schnallt sich ab und akrobatisiert auf den Beifahrersitz.
“Mami, warum weinst Du denn?”, fragt es. “Bist Du traurig, weil das Spielzeug jetzt weg ist?”
“Aber nein, mein Schatz!”, lache ich und nehme diesen so wunderbaren und unglaublich schlauen kleinen Menschen in den Arm. “Ich freue mich und ich danke Dir, dass Du mich dazu gebracht hast, auch das Feuerwehrauto einzupacken!”

Ich schniefe noch ein bisschen, dann fahren wir nach Hause.
Und ich denke mir: Eines Tages werden diese Menschen vielleicht wieder nach Hause gehen können. Sie werden hier bleiben, sich über die ganze Welt verteilen oder ihre Heimat wieder aufbauen können. Und zwar als unsere Freunde.

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Links:
– Hier geht es zur Aktion “Blogger für Flüchtlinge”: *KLICK*
– Hier geht es zur Spendenseite von “Blogger für Flüchtlinge”: *KLICK*

Und hier noch zwei ganz wunderbare Beiträge zum Thema Flüchtlinge:
– Warum sollten wir Flüchtlingen helfen? Was geht mich das an? Und überhaupt? Antworten hat die lieben Andrea Harmonika in Form eines spannenden Stückes Familiengeschichte: *KLICK*
– Flüchtlinge in Deutschland. Wie ist hier der Alltag, vor allem mit Kindern? Wie versuchen Behörden, Sozialdienste und Krankenhäuser zu helfen? Wie sieht die Realität aus? Manchmal einfach nur hart, wenn die liebe Patty einen Einblick in ihre Arbeit gibt: *KLICK*


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