Blogger und der Konsum

Ist schon alles gesagt, was es zu sagen gibt?
In der Hülle und Fülle der Bloggerei setzt sich seit circa zwei Jahren ein Trend durch. Der Trend seinen Konsum zu verewigen. Prinzipiell ist das Konsumieren von Dingen ja nichts weiter schlimmes und auch sicherlich interessant und dank der Existenz von Blogs bin ich schon auf die eine oder andere Perle gestoßen. Die ich dann konsumierte.

Das Problem was ich dadran sehe und mir manchmal nur „WTF?“ denke ist dass dadraus resultierende Verhalten.

Die Bloggerinnen dokumentieren auf liebevolle Art und Weise, was sie wieder für ein paar Cent im DM kauften. Das ist der Clou der ganzen Sache: DM, Rossmann und Co. verdienen sich ein goldenes Näschen dadran, dass sie scheinbar niedrige Preise haben und scheinbar gute Produkte. Die gemeine Frau denkt sich beim rumstöbern: „Hach ja, kostet ja nur 1,50!“
Wenn dann noch die Filiale an einer strategisch guten Stelle ist, wie zum Beispiel direkt an einer großen Bushaltestelle oder Bahnhof, dann bringt das nochmal etwas Geld mit sich. Denn um die Wartezeit zu verkürzen schlendert man durch die Regalreihen und was ist das da nur für ein hübscher roter Nagellack!

Ich hab jetzt also bei einem „trendigen“ Laden einen roten Nagellack gekauft. Deswegen mache ich jetzt erstmal einen „Haul“-Post. Also ein Posting über meine Ausbeute von heute. Mittlerweile macht man das sogar schon mit Lebensmitteleinkäufen. Der Sinn eines Haul-Posting ist nicht irgendwelche relevanten Informationen an den Leser abzugeben, sondern eher nur um ein Posting zu haben.

Was aber durchaus sinnfreier als ein Haul-Posting ist, sind die Reviews der Ladies über die Produkte. Um 12 Uhr wurde der Nagellack gekauft und um 12:30 Uhr kommt das Posting online: „Review zum roten Nagellack aus dem DM“. Innerhalb einer halben Stunde (wenn überhaupt) haben sie ein umfassendes Review darüber wie sich der Nagellack aufträgt, wie er aussieht und vor allem wie belastbar er ist oder wie lange er hält ohne abzubröckeln.

Die meisten Reviews über Produkte der Bloggerinnen kommen folgenden gleich: Ich bin im Buchladen, sehe ein Buch, lese mir den Klapptext durch, kaufe das Buch und eine halbe Stunde später habt ihr eine Rezension in guter alter Christiane-Manier.

Neben Haul-Postings und aussagelosen Reviews gibt es dann die sogenannten „Aufgebraucht“-Postings. So gesehen wären diese Postings die besseren Postings von den dreien, wenn man sich mal hinsetzen würde und sich mit den Produkt befassen würde. In diesen Beitrag könnte man alle relevanten Informationen zu den Produkt erfassen und man hätte dann wohl auch eine „Langzeitstudie“ über den Lack, wenn das Fläschchen leer ist. Aber hier wird nur abfotografiert und geschrieben: „Hab ich leer gemacht!“

Solche Postings geben mir also als Leserin keinerlei wichtige Informationen oder welche denen ich vertrauen könnte. Deswegen klicke ich solche Blogs weg und glauben schenke ich nur Bloggerinnen, denen ich sozusagen „vertraue“.

Witzig wird das Ganze dann, wenn solche Schreiber mal ihr Archiv durchwühlen und anscheinend merken, dass sie 10 Mal die Woche über Hauls, Aufgebraucht-Postings oder Reviews ohne Langzeitstudie schreiben. Auf diese Erkenntnis folgt nämlich der „Ach Gott, ich konsumiere so viel Zeugs!“-Beitrag. In diesen Posting wird dann gesagt, wie dämlich das doch ist und dass andere Blogger einen dazu verleitet haben, auch dieses Produkt zu kaufen. Und nun spart man etwas und gibt nicht so viel aus und braucht erstmal alles auf. Das geht ungefähr so lange gut, bis die Bloggerin wieder an der Bushaltestelle steht mit den DM im Rücken. Elton John würde jetzt singen „The Circle Of Life“.

Aus irgendeinen Grund findet dieses Bloggerverhalten aber trotzdem einen großen Anklang – was ich leider nicht gut heißen kann, weil so wahrscheinlich wahrlich gut durchdachte, gut erprobte und wirkliche Reviews von Bloggern unter gehen.

4. März 2014Christiane

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