Bloß nicht mütterlich!

mathias the dread/photocase.demathias the dread/photocase.de

Seit ein paar Tagen geistert das Foto eines Models durch die (virtuelle) Presse, das im neunten Monat schwanger ist und sich trotzdem das bäuchliche Sixpack bewahrt hat. Und ich frage mich, ob's noch geht?

Ich habe kurz überlegt, warum mich das blöde Bild eigentlich wütend macht. Okay, Themen, die sich rund um Babies und Kinder drehen, werden immer sehr emotional diskutiert - einfach weil wir alle zwar auf verschiedene Weisen, dennoch mit Herzblut bis zu den Ohren mit Brut und Aufzucht beschäftigt sind. Weil wir kaum Kompromisse machen wollen und nur das Optimum zählt.

Ja klar, ich hätte gern auch unschwanger so eine Figur, aber Fotos von dünnen Frauen sieht man ja überall und es geht mir mittlerweile am untrainierten Hintern vorbei. Model- oder sonstige Promi-/Nichtpromiselfies finde ich per se doof, aber auch das trölfhundertste Bild einer dämlich-schnuteziehenden Unterplintentragenden ist seeehr uninteressant (also für mich...pubertäre Jünglinge flippen da vielleicht aus?).

Was mich so aufregt, ist das ostentative Zurschaustellen von: mir ist meine Figur wichtiger als meine Schwangerschaft. Aussehen geht über alles. Bloß nicht in irgendeiner Form an Mütterlichkeit erinnern. Bloß nicht aus dem Raster jung-sexy-topgestylt-durchtrainiert fallen. Auf alle (zukünftigen) Mamas wird die Messlatte angelegt - sehr anschaulich hat das Elfenkind beschrieben. Sie sieht wahnsinnig schön aus und hat einen wunderbar runden Schwangerbauch, so dass ich sofort nostalgisch werde. Sie hingegen wird auf ihre Figur angesprochen, wie dick sie sei und wieviel Kilo sie schon zugenommen hätte. Frisch entbundene Mütter werden in der bunten Presse mit erhobenem Zeigefinger ermahnt, dass da wohl noch Babyspeck auf den Hüften liegt. Eine sehr figurbewusste, kinderlose Bekannte sagte mir mal, sie würde sich vor ihrem Bach ekeln, wenn sie schwanger wäre, so fett...

Auch da frag ich mich: gehts noch? Hat das eigentlich auch was mit diesem verquasten Feminismus zu tun, der uns die Mutterschaft ausreden will? Wir dürfen vielleicht Mütter sein, aber um Himmelswillen darf man uns das nicht ansehen!! Wir sollen vier Wochen nach der Geburt bei Victorias Secret Unterhosen bemodeln und so aussehen, als sei nie was passiert, also keine neun Monate Rundlichkeit und Geburt, ohne viel Schlaf, ohne Zeit zum Haareschönmachen, Pilates, Wochenbettdepression und Babymilchkotze. Wir sollen sofort wieder arbeitsmarkttauglich sein und vorzeigbar. Wer "nur" Mutter als Beruf angibt, ist ja blöd, die wäscht und putzt nur, besucht Tupperdosenparties und helikoptert über ihren Kindern. "Mutter" ist immer mit praktischen Frisuren und bequemen Schuhen ausgestattet. Eine weibliche Person ohne Eigenleben und deshalb wollen wir uns auch dünn in Spitzenunterhose schnell davonmachen, um ja nicht in die mollige, unsexy Ecke gestellt werden. Muttersein reicht nicht.

Was macht das denn mit uns? Und was sagt das den Kindern? 

Wann hört dieser Mist endlich auf? 


wallpaper-1019588
Markus Söder, Bayern, Gottesmutter und Schweinepest
wallpaper-1019588
A Quiet Place (2018)
wallpaper-1019588
Hausmannkost: Huhn, Gerste und Pfifferlinge
wallpaper-1019588
Ray Novacane verbildlichen im Video zu „IDWBLT“ die Missverständnisse der virtuellen Unterhaltungen
wallpaper-1019588
Sneak Preview: Hausmeistereien aus Folge Nr. 32 | Quickie
wallpaper-1019588
Das MS Dockville stellt erste Acts aus dem kommenden Line-Up vor
wallpaper-1019588
Pro Asyl fordert mehr Asyleinwanderer aufzunehmen, noch ein paar Millionen sind locker zu verkraften
wallpaper-1019588
Goblin Slayer bald bei ProSieben MAXX