Blackbox Balisto

Was ist in dieser Woche so passiert? Die Vorwürfe gegen den Bundespräsidenten sind noch immer nicht vom Tisch. Vor Italien kentert ein Kreuzfahrtschiff. Und in der Schuldenkrise verschlechtert sich die Bonitätseinschätzung von gleich neun Euroländern. Welchem Thema mochte sich da die am quotenträchtigsten programmierte Talkshow Deutschlands widmen?

Richtig, bei Günther Jauch ging es um Deutschland XXL – Brauchen wir Steuren auf Dickmacher? Nachdem sich in dieser Woche bereits die Gesprächskreise bei Beckmann, Maybrit Illner und Frank Plasberg an der Causa Bellevue abgearbeitet hatten, kündigte Jauch nun – halb entschuldigend – «eine Wulff-freie Sendung» an.

Zu Gast waren Ilse Aigner (CSU), Karl Lauterbach (SPD), Werner Wolf aus den Reihen der Lebensmittelindustrie, Maite Kelly und Ernährungswissenschaftlerin Dagmar von Cramm. Bevor es zur Sache ging, unterhielt sich Jauch mit einer Übergewichtspatientin und der Leiterin der Hamburger Adipositas-Ambulanz, Dorit Roeper.

Letztere legte im besten Expertendeutsch mit der Feststellung los, das Kernproblem im Kampf gegen Übergewicht seien «frühzeitig stabile, veränderungsresistente Verhaltensmuster». Die anderen Talkgäste mochten da nicht widersprechen.

Einkaufen mit Lexikon und Lupe

Die Frage nach der titelgebenden «Steuer auf Dickmacher» wollte Jauch offensichtlich schnell vom Tisch haben und hielt sich nur kurz mit ihr auf. Lauterbach wies auf die USA hin, wo die Lebensmittelindustrie jeden mit einer Zwangsabgabe belegten Inhaltsstoff flugs mit einem anderen – im Zweifel noch schädlicheren – ersetzt hätte. Als Wolf an der Reihe war, rief ihn Jauch eher pro forma mit den Worten auf: «Überflüssig, Sie zu fragen, ob Sie für eine Fettsteuer sind.»

Ansonsten überzeugte der Moderator mit allerlei umsichtigen Einwürfen, wie dem, ob denn die freie Wahl des Speiseplanes auch für Kinder gelten könne. Angesichts dieses Dilemmas zwischen Freiheit und Gesundheit wurden die Diskutanten ziemlich kleinlaut.

Maite Kelly sekundierte Jauch in Sachen gesundem Menschenverstand. Als Aigner ausführte, welche Inhaltsinformationen man in welcher Form auf Produkte drucken sollte, warf sie ein, zum bewussten Einkaufen benötige man mittlerweile «ein Lexikon und eine Lupe».

In die gleiche Kerbe hieb auch Lauterbach, als er einen Balisto-Riegel aus dem Sakko hervorzauberte und demonstrierte, wie schlecht etwaige Inhaltsangaben zu lesen sind. Wolf focht das nicht an, schließlich wüsste doch jeder, dass ein Schokoriegel aus Schokolade bestünde. Falsch, entgegnete da der SPD-Gesundheitsexperte mit diebischem Vergnügen: «Der besteht nicht aus Schokolade, sondern fast nur aus Zucker und Fett.»

«Das ist das Ende dieses Riegels»

Auch sonst hatte Wolf, Präsident des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, in der Runde keinen besseren Stand als Lobbyisten der Zigaretten- oder Ölindustrie vor ihm. Mit Parolen wie «Für Kinder sind die Eltern verantwortlich», «Es gibt keine gesunden und ungesunden Produkte, nur gesunde und ungesunde Ernährung» oder dem Highlight «Die Nahrungsmittelindustrie freut sich über gesunde Menschen» gewann er nicht unbedingt die Herzen und Köpfe des Publikums.

Festnageln konnte ihn Lauterbach aber ebenso wenig, auch weil Ernährungswissenschaftlerin von Cramm viel zu still blieb. Aber was ist nun zu tun gegen Roepers «veränderungsresistente Verhaltensmuster»? Lauterbach forderte mehr Aufklärung. Kelly rief alle Betroffenen zum Gang zum Hausarzt auf. Wolf riet zu mehr Bewegung. Aigner sinnierte über einen «Ernährungsführerschein» und warb für eine europäische Lösung.

Europa. Natürlich. Denn zuständig für die Lösung – und nicht bloß Verwaltung – der Adopositas-Problematik ist leider wieder einmal niemand. Nicht die Industrie. Nicht die Betroffenen. Nicht die Schulen, die Familien oder die Politik. Oder alle. Und dann war plötzlich die Sendezeit um und Günther Jauch musste schnell zu Tom Burow schalten, obwohl er an diesem Punkt der Diskussion sichtlich gerne weitergemacht hätte. Nur eine Gewissheit verkündete der Moderator, als seine Gäste das mittlerweile entzwei gebrochene Balisto auf dessen Inhalt untersuchten: «Das ist das Ende dieses Riegels.»

Bestes Zitat: «Die Ampel ist sehr simpel, deswegen ist die Industrie auch dagegen.» (Karl Lauterbach über die Ampel-Kennzeichnung auf Lebensmitteln.)

Quelle:
Nachrichten -
Medien Nachrichten -
«Günther Jauch» – Blackbox Balisto


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