Berlin wählt

Das Superwahlahr geht zu Ende, und ich beginne zu begreifen, wie schwer das Leben eines Fußballfans ist, der Wochenende für Wochenende raus muß, um mit seiner Mannschaft zu fiebern. Vor allem, wenn man weiß: Die Mannschaft ist bescheiden, die Strategie museumsreif, und der Schiedsrichter spielt mit. Also der Wähler. Und das heißt: Die Hälfte der Zeit ist der Mann in Schwarz nicht auf dem Feld, den Rest der Zeit sitzt er jammernd in der Ecke: Die machen ja doch, was sie wollen.

berlin_wappen

Was immer die 2,8 Millionen wahlberechtigten Berliner heute abend auch anstellen werden: Es wird bunt wie die Stadt selbst, und wir werden eine bemerkenswerte Ansammlung von Gewinnern haben. Die SPD hat gute Aussichten, zum dritten Mal in Folge mit Klaus Wowereit siegen zu können; mit etwas Glück wird sie dabei sogar über 30 Prozent kommen, aber selbst, wenn sie drunter landet: Ein Gewinner. Die CDU wird mit um die 22 Prozent unterirdisch abschneiden, aber sich darüber freuen, dass ja die Umfragen anfangs soviel schlechter waren: Ein Gewinner.

Die Grünen werden hinter den beiden ehemaligen Volksparteien einlaufen und damit weit hinter ihrem ursprünglichen Wahlziel, aber auch Renate Künast wird sich darüber freuen, dass man seinen Stimmenanteil fast verdoppelt, zumindest deutlich gesteigert hat: Noch mehr Gewinner. Die Piraten werden erstmals ins Abgeordnetenhaus einziehen - mit einem massiven Ergebnis, und sich zu recht freuen, zumindest, bis sie dann sehen, dass sie nicht mal schnell neues Geld im Online-Shop der Stadt kaufen können. Bis dahin aber: Ein Gewinner. Die Linke wird geringfügig schlechter abschneiden als beim letzten Mal, darüber klagen, dass sie in diesem Wahlkampf irgendwie nur die vierte Geige spielte und es dafür ja noch gut getroffen hat; sie werden zudem aus der Regierung fliegen. Das werden sie zwar so nicht sagen, aber genau deswegen vor allem sind sie heute abend: Ein Gewinner. Regieren bekommt der Linken nicht.

Die Rechten sind medienwirksam, aber in mehreren Versionen angetreten, die insgesamt zwar fünf Prozent schaffen werden, aber das hilft ja nix. Sie werden ein paar Bezirksräte entern: Gewinner, wobei die Tatsache, dass es zu höheren Weihen nicht reicht, dann uns zu Gewinnern macht.

Damit ist die FDP eigentlich schon abgearbeitet: So gesehen diesmal eine klassische rechte Partei, die mit "Die Freiheit" und der NPD um Stimmen buhlt. Thematisch setzten sie auf Ausländerfeindlichkeit, freie Fahrt für freie Bürger und Europahasser. Sie brachten sogar den passenden ordentlich gescheitelten Kandidaten, der mit zitternder Stimme die Massen einschläferte. Mit der Stadt hatte das nichts zu tun, nicht mit Landespolitik und mit Sicherheit nichts mit Liberalismus. So gesehen hat sich die Berliner FDP nicht nur bereits aus der Traumkoalition verabschiedet, sondern aus der Mitte und dem selbsternannten "bürgerlichen Lager" obendrein - bekommt sie dort sogar von der CDU bescheinigt.. Ob sie dafür belohnt wird: Schwer zu sagen bei der Konkurrenz. Wer braun wählen will, hat eine Menge Optionen in der Haupstadt. Die letzte Umfrage sagte ihnen 2 Prozent voraus, die werden sie wohl überbieten - aber alles jenseits von fünf Prozent würde ich Ihnen nie verzeihen.

Ansonsten: Gehen Sie zur Wahl. Ich will mir heute abend nicht schon wieder anhören, warum Sie angeblich nicht hingehen, denn in erster Linie sind Sie, mal so unter uns, vor allem zu faul. Und wenn Sie wirklich nicht wissen, was Sie wählen sollen, hier ist eine der größten Erfindungen der Neuzeit: Der Wahl-o-mat. Ich würde mich zwar in Grund und Boden schämen, aber heute drücke ich mal ein Auge zu. Zumal dieser spezielle Wahl-o-mat mir zum ersten Mal seit gut zehn Jahren bescheinigt hat, ich solle die SPD wählen, sonst sind das immer die Grünen, die Linken und die Frauenpartei.

Das Wetter.

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