Berlin – ich komme zurück • Ein Gedicht von Kurt Tucholsky

Kreuzung Friedrichstraße Ecke Leipziger Straße (Blick nach Norden)

Die Residenz!
Gu'n Tag, du Metropole!
Da ist auch schon der Alexanderplatz…
Verstatte, dass ich mich das Schneuztuch hole,
das Herz schlägt stürmisch unterm Busenlatz.
Du gute Spree mit dem geduldigen Rücken,
der Ruderklubs und der Mamsells Entzücken -
ich seh dich still und mächtig dreckig ziehn …

Berlin!

Die Weiche knackt. Der Zug zischt an den Hallen
der Stadtbahn lang. Da liegt der dicke Dom.
Die pfui! die Friedrichstraße will mir recht gefallen,
am Charitehaus grünt ein Appelboom.
Die Völker auf den Straßen sind nicht ohne:
dem Gang nach lauter Irafens und Barone.
Es riecht nach Geld. Prozente, Mensch, verdien!
Berlin!

Charlottenburg. Da steht die lange Claire,
den Bastard meiner Liebe an der Hand.
Ob auch die Rationierung an uns zehre -
der Knochenbau hält allen Feinden stand.
Das wird die rechte Wiedersehensfeier!
Ich hab (im Rucksack) fünfundsiebzig Eier -
Da hält der Zug! Die Kümmernisse fliehn …
Berlin! Berlin!


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