Barbaren in Nadelstreifen

SPIEGEL Online widmet sich dem Thema "Sex und Macht" und nimmt dabei erstmal die scheinbar neutrale Position eines Fragenden an die Wissenschaft ein: "Sex und Autorität" Wer so fragt, der geht schon davon aus, dass der Mächtige, der eine Frau vergewaltigt, nur seiner Natur folgt. Der versucht, berechtigte Empörung in naive Neugier umzuwandeln. "Der kann ja gar nicht anders." Viele Menschen sind versucht, dem nachzugeben. Nicht nur, wenn sie selbst zu den Mächtigen gehören. Sondern auch, wenn ihnen die Zurechtweisung des Mächtigen zu unbequem wäre. "Der (oder die) ist halt so." hört man oft. Damit ist zweierlei gesagt: Der Täter ist von seiner Verantwortung entlastet, weil man sich an die Sonderrechte, die er sich herausnimmt, gewöhnt hat. Und der tatenlose Beobachter ist ebenfalls entlastet, weil sein Einschreiten ja nichts verändern würde.
In einem weiteren Artikel "Anreiz Puffbesuch" wird wiederum eine Logik konstruiert, die Frauen als Belohnungsware rechtfertigen soll: Wissen Sie, wenn Sie zu den Großen gehören, dann kann man sie mit Geld allein nicht mehr locken. Und würde es nicht zu Stillstand führen, wenn man die Großen mit nichts mehr locken könnte..?
Soll heißen: Das ist die Natur des Spiels in der Wirtschaft: Zurück zu den Wurzeln. Zurück zum ungezügelten, also barbarischen Ausleben von Trieben. "Barbar in Nadelstreifen" trifft es ganz gut. Wer den Eigennutz für die einzig verlässliche Fortschrittskraft in der Gesellschaft hält, wer also puristisch liberal denkt, der muss auf Triebe setzen. Für solche Leute ist die kriminelle Triebauslebung vermutlich auch nur ein weiterer Beleg ihrer "Leistungsbereitschaft".
Strauss-Kahn und die Versicherungsvertreter der Hamburg-Mannheimer passen gut ins Bild des triebhaft in die Kassen greifenden Managers. Es geht um Machtausübung. Beim Geld, bei der Unterwerfung von Frauen. Und bei Massenentlassungen (Skalp). Marktwirtschaft ist eigentlich nur eine Regelverabredung unter denen, die noch nicht ganz oben sind. Nach ganz oben kommen aber häufig nur solche, die auf einem besonderen Trip sind. Die etwas kompensieren müssen, was vermutlich in ihrer Kindheit angelegt wurde: Körpermerkmale, über die andere Kinder gelästert haben, Verlust von Anerkennung, Akzeptanz und Liebe. Die bei der Wiederherstellung ihrer verletzten Würde große Energien entwickeln. Den Unterschied zwischen dem jugendlichen Schläger in der U-Bahn und einem mafiösen Regierungschef halte ich für minimal.
Wirtschaft als Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln, das stimmt. Es passt sowohl auf ganze Nationen (bzw. deren Eliten), die um die Weltherrschaft ringen. Als auch auf den Bürgerkrieg zwischen den herrschenden und beherrschten Schichten einer Gesellschaft. Als auch auf das Ausleben individueller krimineller Energie. Es geht nicht um Leistung. Es geht um Unterwerfung.

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