Balthasar

“Gib mir mal das Telefon.” sagte ich zu Maurice, während ich mir die Schläfe rieb. Es war 22.30 Uhr.
“Hast doch selber eines.” gab dieser patzig zurück. Weiß auch nicht, was zur Zeit mit ihm los ist, der ist irgendwie grad nicht gut drauf, der Junge. Bei der Sache mit dem Telefon hatte er allerdings recht. Umständlich kramte ich mein eigenes Telefon aus der Hosentasche und suchte in meinen Kontakten herum.
“Wen willst du denn anrufen?” fragte Maurice. Doch schon. Wir sind heute von der schnellen Truppe. Allerdings hatten wir auch schon einiges mitgemacht im Laufe der letzten zwanzig Minuten. Wir standen in einer versifften Neubauwohnung. Also, irgendwann war das auch mal ein Neubau gewesen, jetzt war es vielmehr nur noch ein Bau. In dem einzigen Zimmer, das man mit Mühe betreten konnte, lag eine Matratze auf dem Boden und eine Menge Klamotten lagen wild im Raum verstreut. Die Einrichtung war mehr als spartanisch zu bezeichnen. Der einzige Einrichtungsgegenstand war besagte Matratze. Darauf lag mit leidendem Gesichtsausdruck ein Kerl. Er hieß Balthasar. So viel hatten wir bereits in Erfahrung bringen können. Balthasar war etwa Mitte bis Ende dreißig und hatte fettiges, längeres Haar, welches ungekämmt sein unrasiertes Gesicht rahmte. Er war nur mit Boxershorts und einem weißen T-Shirt bekleidet. Ich bemerkte, dass das T-Shirt auch wirklich weiß war. So siffig, wie die ganze Wohnung wirkte, der Typ hatte saubere Klamotten an. Auch registrierte ich, dass die Kleidung, die auf dem Boden herumlag, zumindest mal nicht ganz billig war. Irgendwie mysteriös, das Ganze. Genau wie Balthasar selbst. Seit zwanzig Minuten schon erklärte er uns, dass er stärkste Rückenschmerzen habe. Er könne sich nicht rühren, seien Beine seien schon ganz taub. Erst waren bei mir alle Alarmglocken angesprungen. Akuter Bandscheibenvorfall? Aortendissektion? Aber mittlerweile diskutierte ich eher einen M. Bahlsen. Er rückte dann auch recht schnell mit der Sprache raus. Er wolle in die Klinik. Aber nicht in irgendeine Klinik, er wollte nach Bad Dingenskirchen.Das roch schon irgendwie fishy. Warum sollen wir ihn jetzt in die Pampa fahren? Sind wir ein Taxiunternehmen? Hat der kein Geld für ein eigenes Taxi? Der Taxifahrer würde vielleicht auch eine der Armani-Jeans in Zahlung nehmen, dachte ich noch, während ich Medizynikus‘ Privatnummer aus meinem Telefon suchte.
“Und nur von Doktor Armschlag will ich behandelt werden. Hören Sie? Doktor Armschlag! Er kennt mich, er wird Ihnen schon sagen, dass nur er mich behandeln darf.”
“Zweifelsohne.” sagte ich. Endlich hatte ich die Nummer gefunden.
“Kennst du den etwa?” fragte Maurice staunend. Ich nickte. Maurice lachte auf. “Na, das ist ja mal ein Zufall. Bist ja doch gelegentlich zu was nütze.” Ich warf ihm einen missbilligenden Blick zu, während am anderen Ende der Leitung ein Freizeichen ertönte. Es dauerte eine Weile, bis endlich abgenommen wurde.
“Benno, hast du gerade Dienst?” fragte ich zur Begrüßung. Das ist die Standardformel unter Medizinern. Am anderen Ende der Leitung seufzte es. “Hör mal, ich versuche gerade, dem Demissio-Syndrom beizukommen. Der Typ will einfach nicht gehen!” sagte Medizynikus.
“Jaja, sagte ich. Und es wird noch besser. Einer will nicht gehen, der nächste will unbedingt kommen. Klingt so, als wärest du zur Zeit echt gefragt. Was sagt dir der Name Balthasar?” fragte ich hoffnungsfroh. Am anderen Ende erklang ein erstickter Schrei. Ich wertete das als schlechtes Zeichen.
“Wo hast du den denn her?” krächzte Medizynikus ins Telefon.
“Aus seiner Wohnung. Schickes Teil. Er hat Rücken. Nur du kannst ihm helfen.”
Aus Bad Dingenskirchen ergoss sich ein Schwall aus Worten durch die Leitung, die ich dem guten Medizynikus gar nicht zugetraut hätte. Dann erzählte er mir eine hanebüchene Story. Als er geendet hatte, pfiff ich einmal durch die Zähne.
“Aber das löst mein Problem nicht, Benno.” sagte ich schließlich. “Die Frage ist doch, kannst du ihn nehmen?”

Er kann. Will er auch? Wir werden sehen…


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