Azucena Villaflor - Suche nach verschwundenen Kindern

Azucena Villaflor Straße ©  Mariano P., creative common license 2.0, via flickr, http://goo.gl/vXYQZZAzucena Villaflor war eine starke Frau, denn sie suchte nach den „Desaparecidos“, Menschen, die von der Regierung zwischen 1976 und 1983 zum Verschwinden gebracht wurden. Dieses Engagement musste sie mit dem Leben bezahlen.

Villaflor wurde am 7. April 1924 als Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Sie arbeitete später als Telefonsekretärin und traf damit auch ihren zukünftigen Mann, mit dem sie vier Kinder hatte. Ihr öffentliches Wirken begann jedoch erst viele Jahre später.

Im Jahre 1967 begann in Argentinien eine rechtsgerichtete, autoritäre und ultranationalistische Militärdiktatur, die bis 1983 anhielt. In dieser Zeit wurde das südamerikanische Land von drei militärischen Oberbefehlshabern regiert, es kam zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen und durch Staats- und Gegenterror zu einer großen Anzahl von Toten. Es wurde neben Folter und Mord auch das sogenannte „Verschwindenlassen“ angewendet. Hierbei werden die Opfer entführt und an einem geheimen Ort festgehalten bzw. bald ermordet. Die Beteiligung bzw. das Wissen an dem Verschwinden wird von Staatsmitgliedern abgestritten und die Angehörigen werden jahrelang im Dunkeln gelassen. Dieses Schicksal traf auch die Familie von Azucena Villaflor.

Am 30. November 1976 wurde einer ihrer vier Söhne, Néstor, zusammen mit dessen Frau entführt. Villaflor nahm die Suche über das Innenministerium auf und stieß dabei auf andere Frauen, die mit dem gleichen Verbrechen zu kämpfen hatten. Nachdem die Suche lange Zeit erfolglos blieb, entschloss sie sich, zusammen mit 13 anderen Müttern ihren Fall öffentlich zu machen. Sie gründete die Organisation „Madres de Plaza de Mayo“, was übersetzt „Mütter des Platzes der Mairevolution“ bedeutet. Die Mitglieder demonstrierten jeden Donnerstag auf dem dafür ausgewählten, politisch wichtigen Ort, dem Plaza de Mayo vor dem Regierungsgebäude in Buenos Aires. Da sie nicht davor stehen bleiben durften, weil stehender Protest zu dieser Zeit verboten war, gingen sie um den Platz herum. In der nächsten Zeit folgten weitere Demonstrationen. Später, am 10. Dezember, welcher gleichzeitig auch der internationale Tag der Menschenrechte ist, verfasste sie zusammen mit den anderen Müttern eine Zeitungsanzeige, in der sie auf die verschwundenen Familienmitglieder aufmerksam machten. 

Weißes Kopftuch der Mütter auf dem Boden ©  Richie Diesterheft, creative common license 2.0, via flickr, goo.gl/97im0Q

Noch am selben Abend wurden Villaflor und zwei andere Mütter entführt und wahrscheinlich in die Escuela de Mecánica de la Armada, kurz ESMA-Schule,  gebracht. Die ESMA war ein Gebäude zur Ausbildung von Marinesoldaten. In dieser Zeit wurde es aber gleichzeitig als geheimes Gefängnis für Oppositionelle benutzt, die dort gefoltert und größtenteils ermordet wurden. Im Jahre 2005 wurden die Leichen der Mütter identifiziert. Aufgrund der Untersuchungsergebnisse geht man davon aus, dass sie auf einem sogenannten „Todesflug“ getötet wurden. Dabei werden die betäubten Opfer aus dem Flugzeug ins Meer geworfen. Ihre Urne wurde auf dem oben erwähnten Plaza de Mayo begraben, denn hier begann das öffentliche Leben von Villaflor.

Die damals gegründete Organisation der Mütter gibt es noch heute. Zu ihr gehört nun eine eigene Zeitung, eine Buchhandlung, ein Radiosender und eine Universität. Auch eine nach Azucena benannte Straße oder ein Gebäude mit ihrem Namen erinnern noch heute an das Wirken dieser mutigen Frau, die sich trotz der großen Gefahr für die „verlorenen Kinder“ einsetzte.


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