Aus meinen Recherchen: Der Codex Gigas - Die Teufelsbibel

Aus meinen Recherchen: Der Codex Gigas - Die Teufelsbibel

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In meinem Roman "Der Grabschänder" (AAVAA Verlag) ist unter anderem vom Codex Gigas die Rede. Dieses Buch existiert tatsächlich und befindet sich derzeit in der Königlichen Bibliothek in Stockholm
Gefertigt wurde sie vor 1229 in einem Benediktinerkloster. Wessen Hand die Buchstaben schrieb, ist unbekannt. Die Entstehung gibt Anlass für düstere Legenden. Dazu nachfolgend ein interessanter Originaltext:
Königliche Bibliothek, Stockholm:
50 Zentimeter groß ist die Teufelszeichnung im Codex Gigas, 75 Kilogramm – so viel wie ein stattlicher Mann wiegen sie, die 312 Pergamentblätter, auf denen das Wissen der Welt niedergeschrieben ist. Ein Mann sieht fast aus wie ein Zwerg, steht er neben dem gewaltigen Buch, das die normalen Vorstellungen einer Lektüre sprengt. 160 kostbare Kälberhäute mussten getrocknet und aufwendig bearbeitet werden, um sie zum teuersten und haltbarsten Beschreibstoff der Welt werden zu lassen – in einer Zeit, in der Buchstaben fast nur von Glaubensmännern gelesen und geschrieben werden konnten. In einer Zeit, in der die Klöster die alleinigen Horte des Wissens waren, in denen Mönche die Schriften studierten und das alte Wissen abschrieben, das sie der Mit- und Nachwelt zur Verfügung stellen wollten. Codex Gigas, das heißt so viel wie „riesiges Buch“, und auch heute, in Zeiten rasend schneller Buchdruckmaschinen, sucht jenes im Kloster Podlazive in Böhmen gefertigte Buch seinesgleichen: 89,5 Zentimeter hoch, 49 Zentimeter breit und 22 Zentimeter dick ist es, gefasst in hölzerne Buchdeckel. Jeder Buchstabe ist mit Federkiel und Rußtinte bei schummrigem Licht auf getrocknete Tierhäute gezeichnet worden. Das erklärt, warum Überlieferungen wie diese von unschätzbarem Wert sind.
In dem Riesenbuch sind nicht nur das gesamte Alte und das Neue Testament aufgeschrieben. Insgesamt 14 lateinische Texte befinden sich zwischen den Buchdeckeln, darunter die berühmte Schrift „Etymologiae“ Isidors von Sevilla, die „Antiquitates Judaica“ von Flavius Josephus und die „Chronica Boemorum“ des Cosmas von Prag. Viele alte Handschriften reihen mehrere Texte aneinander, die gemeinsam zu einem Buch gebunden werden. Aber nur selten wirken die Handschriften wie aus einem Guss. Genau das ist einer der Gründe, warum der Codex Gigas auch „Teufelsbibel“ heißt. Seite für Seite ist kunstvoll gestaltet – und doch zeigt das einheitliche Schriftbild, dass eine einzige Hand jeden Buchstaben geschrieben haben muss. Noch erstaunlicher: Obwohl der Schreiber realistisch geschätzt viele Jahre gebraucht haben muss, in denen die Produktionsbedingungen seine körperlichen Fähigkeiten von der Feinmotorik bis zur Sehkraft geschwächt haben müssen, ist kein Zeichen nachlassender Sorgfalt zu erkennen. Das musste in einer Nacht geschrieben worden sein – die einzige Erklärung, die den Menschen im Mittelalter plausibel erschien.
Teufelspakt
So entstand die Legende um einen Mönch, der gegen die Disziplin seines Ordens verstoßen hatte. Zur Strafe sollte er lebendig eingemauert werden. Um dies abzuwenden, bot der Verurteilte der Legende nach an, in einer einzigen Nacht das Wissen der ganzen Welt aufzuschreiben, zum Lobpreis seiner Abtei. Als der Delinquent um Mitternacht realisierte, dass er dies niemals schaffen würde, bat er den Teufel um Hilfe. Der willigte ein und forderte als Lohn für sein Werk die Seele des Mönchs. Der Teufelspakt war besiegelt, das Buch über Nacht vollendet – und der Mönch zeichnete zum Dank ein Porträt des Beelzebub in das Buch hinein. Ist die Legende eine Märchengeschichte, so ist das Teufelsbild Realität. Einen halben Meter hoch ist der gezeichnete Satan auf Seite 290 des Codex. Mehrere Seiten davor sind geschwärzt und heben sich so deutlich ab von den übrigen Seiten des Mammutwerks. Es ist nicht die einzige kaum erklärbare Besonderheit. Verwunderlich ist auch, dass acht Blätter nachträglich entfernt wurden. Wer dies gemacht hat und aus welchem Grund, bleibt wohl für immer im Dunkeln. Verboten war die Teufelsbibel trotz der düsteren Entstehungslegende niemals. Viele junge Mönche studierten in ihr die Heilige Schrift.
Verschleppte Trophäe
In Prag zeigte die Galerie Klementinum bis zum 6. Januar 07 die Teufelsbibel , aufgeschlagen in einer Glasvitrine. Schließlich handelt es sich um ein prestigeträchtiges Stück böhmischer Nationalkultur. Doch nur vorübergehend kehrte sie in ihre Heimat zurück, denn sie wurde 1649 als Trophäe während des Dreißigjährigen Krieges von den schwedischen Truppen nach Stockholm gebracht. Dorthin soll die Teufelsbibel dann endgültig zurückkehren, um sie vor dem Verfall durch Licht- und Lufteinflüsse zu schützen. Nur Fachleute werden sie dann in der Königlichen Bibliothek unter die behandschuhten Finger bekommen. Wer mehr über das Buch, seine Geschichte und seinen Inhalt erfahren möchte, kann auf der Homepage der Bibliothek virtuell darin blättern, und zwar unter  www.kb.se/codex-gigas/eng/highlights.
Copyright © FOCUS Online 1996-2010 (Von FOCUS-Online-Autorin Katja Riedel)

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