Auf Mundraub.org herrenlose Obstbäume finden

Gratis Apfel, Birnen und Co: Auf Mundraub.org herrenlose Obstbäume finden

Es ist eine Website, die seit nunmehr drei Jahren polarisiert: Auf Mundraub.org sammeln fleißige Nutzer deutschlandweit Standorte von Obstbäumen, Kräutern und anderen Nutzpflanzen, die ihrer Meinung nach nicht mehr abgeerntet werden. Leider lässt sich nur selten eindeutig prüfen, ob die Bäume und Sträucher tatsächlich herrenlos sind. Befürworter sehen die Initiative als nachhaltigen Weg der Lebensmittelbeschaffung, Kritiker werfen Mundraub.org Anstiftung zum Diebstahl vor. Dass die Seite heute noch immer existiert zeigt schon, wie unklar die Rechtslage ist. Wir finden: Mit gesundem Menschenverstand genutzt, ist Mundraub.org noch immer eine tolle Sache. Von David Seitz

Wie funktioniert Mundraub.org? Wer bei Streifzügen durch die Natur Bäume voll reifem Obst entdeckt und Anzeichen erkennt, dass hier niemand mehr ernten wird (z.B. massenweise faules Obst am Boden), der kann nach Anmeldung bei Mundraub.org via Google Maps den exakten Fundort eintragen. Die Macher von Mundraub fordern seit jeher, dass jeder, der eine Fundstelle einträgt, vorher auch sicherstellt, dass hier mit gutem Gewissen gemundraubt werden darf. Soll heißen: Mal in der Nachbarschaft nachfragen oder einfach zweimal kommen und schauen ob die Lage unverändert bleibt. Natur- und Tierschutzgebiete sollten generell nicht gestört werden.

Wer einen Fundort bei Mundraub.org einträgt sollte sich also darüber im Klaren sein, dass er möglicherweise Scharen von Mundräubern an eine bestimmte Stelle lockt und nicht nur 2-3 Spaziergänger pro Jahr. Das ist in manchen Fällen kritisch, in anderen jedoch kein Problem: Gerade bei der Suche nach Bärlauch oder Holunderbeeren, die massenweise an Waldrändern und in Auen wachsen und tatsächlich niemandem gehören,  hilft Mundraub ungemein. Meist lässt sich sowieso bereits aus der Formulierung des Fundes schlussfolgern ob hier auf Gut Glück oder mit gutem Gewissen gemundraubt werden kann.

Fast die gesamte Palette an Obst, Beeren und Kräutern findet sich auf der Karte, die meisten Stellen sind in Deutschland eingezeichnet, doch auch in Frankreich und anderen europäischen Ländern kommen immer mehr Mundraub-Quellen dazu. Mittlerweile haben auch kleine Erzeugerhöfe und Brennereien die Seite als Marketing-Instrument entdeckt und bieten ihre Produkte dort an, was aber nicht ganz im Sinne der Erfindung zu sein scheint. Die Mehrzahl der Fundstellen bezieht sich jedoch nach wie vor auf (vermeintlich) herrenlose Obstbäume. In Einzefällen bieten sogar Privatpersonen an, dass Mundräuber gegen Absprache den Baum im eigenen Garten plündern dürfen.

Wie so vieles im Leben ist auch der Umgang mit Mundraub letztlich nur eine Frage der Dosierung. Wer sich den Kofferraum voll fremder Äpfel lädt, handelt definitiv nicht im Sinne des ursprünglichen Mundraubs. Denn das bedeutet nach vie vor, dass nur soviel “geraubt” wird, wie man mit den eigenen Händen, bzw. dem Mund tragen kann. Mundraub.org will seinen Nutzern somit nicht den Einkauf im Supermarkt ersparen, sondern vielmehr ein kleines schmackhaftes Zubrot bescheren. Dier Macher sind quasi auf den gesunden Menschenverstand der Nutzer angewiesen. Denn wer verantwortungsvoll mit den Informationen auf der Seite umgeht, kann sich damit zumindest den ein oder anderen Herbstspaziergang versüßen.

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