Auf dem Weg zurueck

Heute gibts keine Bilder, tut mir leid. Nicht, dass ich keine haette. Aber zum Einen ist diese Internetbude sehr langsam und zu machen sie auch gleich. Ich bin in Chandigar, das ist die (neue) Hauptstadt von Punjab. Die alte war Lahore, die seit 1946 zu Pakistan gehoert.
Eigentlich wollte ich noch gar nicht hier sein, doch mein fuer gestern geplanter Trip per Seilbahn auf 5000 Meter Hoehe fiel leider aus. Zwar war ich rechtzeitig gestartet, doch in Srinagar war mal wieder Ausgangssperre, nachdem am letzten Freitag wieder Rambazamba war. In einem Dorf ausserhalb gab es leider auch wieder Tote bei den Unruhen. Um nach Gulmarg - dass ist der Skiort im Winter - zu kommen, haette ich durch die ganze Stadt fahren muessen. Zwar hatten mich einige der Sicherheitskraefte schon durchgewunken, doch dann geriet ich an einen Hardliner. Schon beim Hinfahren machte er Umdrehzeichen. Ich stoppte, erklaerte wo ich hinwollte, doch dann schlug der Vogel mit seinem Holzknueppel auf den Ruecksitz hinter mir. Ich riet ihm, sich zu beherrschen, doch drehte vorsichtshalber um. Im Hausboot packte ich entnervt meine Klamotten und machte, dass ich Srinagar in Richtung Delhi verliess. Schade eigentlich.
Irgendwie ist die Situation dort ziemlich kompliziert, ich versuche mal, in Kuerze ein wenig zu erklaeren. Da gibt es eine regionale (muslimische) Partei in Kaschmir, die fuer komplette Unabhaengigkeit von Indien eintritt. Nicht fuer einen Anschluss ans muslimische Pakistan, wie viele meinen. Die vergessen dabei nur, dass zum einen Indien da nie mitmacht und selbst wenn , dann waere Pakistan ruckzuck dabei, sich das seit der Unabhaengigkeit 1946 heissbegehrte Kaschmir einzuverleiben. Ohne indischen Schutz waere das fuer die Pakistanis dann ganz einfach. Und diese Politiker sagen nun der Bevoelkerung, dass sie streiken sollen, alle. Seit mehr als 2 Monaten nun bestreiken sich die Kaschmiris sozusagen selbst, denn die einzigen Leidtragenden sind sie selbst. Die indische Armee oder Polizei juckt das nicht, die sind Selbstversorger. Aber die Kinder koennen nicht zur Schule, nichts geht. Natuerlich bleiben auch die Touristen weg, in den 1990ern war Kaschmir eine bluehende Touristendestination.
Und dann sind da die Steinewerfer. Meist Jugendliche, die von den "Politikern" und Mullahs nicht ernsthaft gestoppt werden. Wenn es der Armee dann zu viel wird laufend mit Steinen beworfen zu werden, schiessen sie gelegentlich nicht mit Gummigeschossen, sondern scharf zurueck. Wie soll dieser idiotische Kreislauf enden? Ich habe Hamid, dem Besitzer des Hausbootes, die deutsche Situation von 1989 erklaert. Friedlich wurde das Ziel, die deutsche Einheit, nach wenigen Monaten erreicht. Statt die Soldaten zu bewerfen, hat man ihnen Blumen in die Gewehrlaeufe gesteckt. Man machte "Schwerter zu Pflugscharen". Aber die Muslims ticken da anders, wenn die Religion mitspielt, setzt vielleicht das logische Denken aus.
Ich bin auf jeden Fall nach einem deutlichen Umweg heil aus der Region herausgekommen. Nach einem ersten Nachtstopp an einem kleinen See in den Bergen bin ich jetzt in Chandigar. Diese Stadt wurde von dem beruehmten Schweizer-Franzosen Architekt Cobusier in den 50er Jahren geplant und gebaut. Sie ist so gar nicht indisch. Morgen werde ich ein wenig herumstreifen und dann vermutlich aus Delhi berichten. Morgen Abend werde ich dort ankommen. Gestern habe ich 250 Kilometer  und heute fast 400 Kilometer geschafft. Bleiben noch etwa 250, aber die werden es in sich haben. Die total verrrueckten Auto- und Truckfahrer nehmen schon wieder deutlich zu.

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