Anna im blutroten Kleid

[Rezension] Anna im blutroten Kleid

Bewertung

[Rezension] Anna im blutroten Kleid

Inhalt

Cas hat nach dem Tod seines Vaters ein außergewöhnliches Erbe angetreten. Mit einer Athame ausgestattet zieht er innerhalb von Amerika von einer Stadt zur nächsten, immer mit dem Ziel, einen Geist zu töten. Seine Auftraggeber sind normale Menschen, die paranormale Phänomene gesichtet haben und sich von ihnen gestört und bedroht fühlen.
Eines Tages erhält Cas eine Aufgabe, die ihn an seine Grenzen bringen wird; Anna, im blutroten Kleid, die seit ihrer Ermordung ihr Unwesen treibt. Anna ist alles andere als eine harmlose hinterbliebene Seele. Jeder Mensch, der ihr ehemaliges Wohnhaus betritt, wird auf brutalste Weise von Anna ermordet. Und auch Cas muss nach seiner ersten Begegnung feststellen, dass er mit der Beseitigung Annas seinen härtesten Fall vor sich hat. Doch nicht nur Annas Seele stellt für Cas eine große Bedrohung dar.

Meinung

Schon nachdem ich das erste Mal das Cover der Originalausgabe im Internet gesichtet hatte, wusste ich, dass ich die Geschichte um Annas Geist und dem Jäger Cas lesen muss. Zwar ist wie in letzter Zeit so oft wieder ein Mädchen auf dem Cover abgebildet, doch ist die Gestaltung für mich alles andere als 0815. Umso begeisterter war ich, als ich festgestellt habe, dass der Heyne Verlag das Cover übernommen hat. Wer nach Betrachten des Covers eine gruselige und originelle Geschichte erwartet, der liegt damit genau richtig.

Kendare Blake hat ‘Anna im blutroten Kleid’ in eine sehr moderne und lockere Sprache verpackt, die es möglich macht, die Geschichte in einem Rutsch durchzulesen. Zwar sticht die Sprache nicht durch Besonderheiten hervor, da sie sehr bodenständig ist, doch dadurch wirken gerade die Gedanken des Protagonisten Cas und die Dialoge zwischen allen Figuren besonders authentisch. Kendare Blake konzentriert sich in ihrem Buch ganz klar auf die Handlung und darum, ihre Geschichte von anderen des Fantasy-Jugendbuchgenres abzuheben. Das ist ihr meiner Meinung nach sehr gut gelungen.

Ich persönlich bin nicht besonders leicht zu schocken. Doch ‘Anna im blutroten Kleid’ hat es bisweilen doch geschafft, mir eine gehörige Gänsehaut zu bereiten. Da ist zum einen Anna, die bereits vor ihrem ersten Auftreten eine besonders düstere und bedrohliche Erscheinung ist. Denn durch die Gespräche, die Cas mit seinen neuen Mitschülern führt, die Legenden um Anna, die die Jugendlichen miteinander austauschen, wird Anna zu einer enormen Schreckensperson. An diesen Stellen wird man als Leser bereits wunderbar in Stimmung versetzt und auf die weitere Handlung eingestimmt.

Der große Knaller und für mich ein Highlight innerhalb der gesamten Geschichte, ist Cas erste Begegnung mit Anna. Wie schon geschrieben hält sich die Autorin während des gesamten Buchs mit einer hervorstechenden Sprache zurück, doch legt sie dafür ein besonderes Augenmerk auf exzellente und aussagekräftige Situationsbeschreibungen. Gerade wenn es um Annas Geist geht, hat es Kendare Blake geschafft mein Kopfkino anzuregen. Ich fühlte mich augenblicklich an Samara aus ‘The Ring’ erinnert, die für mich zu einen der schlimmsten Horrorfiguren schlechthin gehört. Mich durch eine bloße Personenbeschreibung so mitzureißen und ja, ich gebe es zu, auch ein wenig in Angst zu versetzen, hat bisher noch keine andere Autorin / kein anderer Autor geschafft. Allein dafür muss ich ‘Anna im blutroten Kleid’ schon gut bewerten!

Doch Anna bleibt nicht die einzige Figur, die für eine düstere, außergewöhnliche und magische Stimmung sorgt. Es gibt innerhalb der Geschichte, gerade zum Ende hin, noch weitere paranormale Wesen bzw. Geister, die die Handlung noch weiter vorantreiben und meinen Atem haben stocken lassen.
Besonders angetan war ich von der Hauptfigur Cas, seiner Mutter und Cas’ neu gewonnen Freund Thomas. Sie werden zwar aufgrund der geringen Seitenanzahl nicht besonders ausführlich beschrieben und ich hatte bis zum Schluss nicht das Gefühl, sie eindringlich kennengelernt zu haben. Doch sorgen gerade diese drei Figuren dafür, dass die Geschichte nicht ununterbrochen einen gruseligen Touch erhält. Man wird zum Lachen angeregt und die Geschichte spricht emotional an. Für mich war ‘Anna im blutroten Kleid’ daher eine angenehm abwechslungsreiche Geschichte.

Trotz meiner Begeisterung kann ich dem Buch leider keine volle Punktzahl geben. So gut wie die Geistergeschichte an sich durchdacht und umgesetzt war, so enttäuscht war ich leider von der Figur Carmel. Sie war für mich leider von Anfang an nicht authentisch. Ihr Verhalten war für mich einfach unvorstellbar und das in vielerlei Hinsicht. Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass es einen Menschen gibt, der so tough und unerschrocken damit umgeht, wenn er plötzlich erfährt, dass Geister tatsächlich existieren und sogar dazu in der Lage sind, Menschen in der irdischen Welt zu ermorden. Genauso gut kann ich mir nicht erklären, wie ein Mensch nicht durchdrehen kann, wenn er erfährt, dass liebgewonnene Menschen umgebracht werden und die Gefahr besteht, sie könnte schon bald das Zeitliche gesegnet haben. Wäre es nicht viel realistischer ein paar Tränen zu vergießen, wenn Anna wieder einmal gemordet hat und es dann auch noch eine Person erwischt hat, die man gut kannte, als sich einen Baseballschläger zu schnappen und auf den Geist namens Anna einzuschlagen?

Genauso hätte ich mir für die Geschichte gewünscht, dass die Autorin ihrer Grundidee bis zum Ende treu bleibt und die Geschichte um den bösen und rachsüchtigen Geist Anna konsequent bis zum Schluss durchzieht. Leider war dem nicht so, sodass meine Begeisterung nicht bis zur letzten Seite vorhanden war.

Blick in die Zukunft

Im August ist auf Englisch bereits der zweite Teil, ‘Girl of Nightmares‘ , erschienen, der nahtlos an das Ende des ersten Bands anschließt. Ein deutscher Erscheinungstermin ist noch nicht bekannt.

Fazit

Wer Lust auf eine düstere, atmosphärische und gleichzeitig auch unterhaltende Jugendfantasylektüre hat, der sollte sich ‘Anna im blutroten Kleid’ nicht entgehen lassen. Die Geschichte konnte mich von Beginn an mitreißen, was vor allem den einnehmenden Figuren und der Kreativität der Autorin zu verdanken ist. Geister, Hexen und viele andere paranormale Wesen haben in ‘Anna im blutroten Kleid’ ihren Auftritt und sorgen für gruseligen und geheimnisvollen Lesespaß!

Alle Bücher von Kendare Blake auf Deutsch auf Englisch

Leseprobe

[Rezension] Anna im blutroten Kleid

© Cover und Buchtexte bei Heyne fliegt


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