An Gott irre werden

An Gott irre werdenDass Wycliffe wegen eines Buches in die Schlagzeilgen gekommen ist, dürften viele Leser meines Blogs irgendwie erfahren haben – sonst empfehle ich diesen Artikel im Idea-Magazin und unsere offiziellen Stellungnahmen hier und hier. Im genannten Buch geht es um einen krassen Fall von Kindsmissbrauch, der in den 70er-Jahren in Bolivien stattfand. Die inzwischen erwachsene Tochter von Wycliffe-Mitarbeitern erzählt in diesem Buch ihre Geschichte.

Das Buch erschien anfangs Juli, und wir meinten, das öffentliche Interesse daran hätte sich schon etwas gelegt. Aber letzte Woche wurde ich nochmals von einer Journalistin kontaktiert, die eine stattliche Anzahl Fragen hatte. Die verrückteste Frage war die, ob “so was oft vorkomme bei Wycliffe”? – Nehmen wir mal an, dass es tatsächlich oft vorkommt. Würde ich das einer Journalistin sagen? Soll ich einafch antworten: “Nein, das kommt nicht oft vor”, um dann in der Zeitung zu lesen, dass es offenbar selten vorkomme, was immer noch zu oft wäre? – Ich fragte zurück, wie sie zu dieser Vermutung gekommen sei. Die Frage blieb unbeantwortet…

Am Tag nach Erscheinen des Artikels erhielt ich eine Mail einer besorgten Leserin. Sie fragt, wie ich diese Vorkommnisse mit meinem Glauben an einen guten Vater in Einklang bringen könne. Wurde denn nicht um Schutz gebetet für diese Familie? …herausfordernde Fragen! – Mein Versuch einer Antwort:

Guten Tag Frau S

Herzlichen Dank für Ihre Mail. Sie stellen mir wichtige und schwierige Fragen. Auch dafür danke ich Ihnen, obschon ich weiss, dass ich sie nicht wirklich beantworten kann. Diese schrecklichen Vorfälle sind zunächst, zuerst und auch letztendlich ein grosses Ärgernis. Ich selber habe noch nie auch nur etwas annähernd so Schlimmes erlebt. Immerhin kenn ich einige Leute, die Ähnliches erlebt haben und auch als Direktestbetroffene ihren Glauben an Gott nicht verloren haben.

Gott… Ich weiss nicht, wie Sie über Gott denken… Mir ist die Aussage eines Predigers geblieben, der einen tödlichen Unfall in der Jugendarbeit seiner Gemeinde kommentieren musste: Er wünsche sich keinen erklärbaren Gott. Ist das ein zu billiger Trost? Für mich ist es hilfreich. Nach zig Jahren mit Gott ist mein Vertrauen in ihn primär und grösser als auch noch so verunsichernde Fragen. Sie finden Platz in meiner Gottesbeziehung, nicht neben, nicht um diese Beziehung herum.

Wichtiger als meine persönlichen Erfahrungen (von Gottes Güte, z.B.) ist mir aber das biblische Zeugnis, und hier besonders die Psalmen, die mir immer wichtiger werden, gerade auch im Zusammenhang mit dieser Geschichte. In den Psalmen werden Fragen, Klagen, Vorwürfe formuliert – bis hin zu jenem Schrei „warum, Gott, hast du mich verlassen!?“ Da finde ich Trost. Vielleicht auch wie Hiob, dessen Fragen Gott nicht beantwortete, der aber trotzdem Antwort fand, als ihm Gott begegnete.

Bemerkenswert ist für mich auch, wie die Eltern mit der Sache umgehen. Hier können Sie ihr Zeugnis lesen.

Liebe Frau S – Sie haben ja so Recht, dass Sie sich von dieser Geschichte erschüttern lassen! Und wenn Ihnen darob das Beten vergangen ist: auch das kann ich verstehen. Für mich ist das Klagen und Anklagen an die Adresse Gottes ein wichtiges Element meiner Gottesbeziehung, auch wenn ich es gar nicht so oft praktiziere… Jedenfalls bin ich – gerade auch auf dem Hintergrund der Psalmen – überzeugt, dass Gott damit offenbar umgehen kann… Ob Ihnen meine Gedanken irgendwie Sinn machen?

Mit freundlichen Grüssen,

Hannes Wiesmann

Was hättest du geantwortet?

(Foto: www.artintime.com)



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