An die statistischen 2.440, die noch kommen!

oder Keine Warnung, aber gesagt will ich es haben!
53 Prozent mehr Spanier kamen im ersten Halbjahr dieses Jahres nach Deutschland. Wegen der Wirtschafts-, Euro- und Finanzkrise, die ja programmatisch nur noch Schuldenkrise heißen darf. 53 Prozent klingen dramatisch. Es handelt sich dabei um 11.000 Spanierinnen und Spanier, um 3.900 mehr, als im ersten Halbjahr 2011. Heißt umgerechnet, ohne Einbeziehung von Saisonalwerten, dass ab jetzt, ab heute, nach Zweidritteln des Novembers, noch etwa 2.440 Spanier nach Deutschland kommen werden. 2.440 fiktive Menschen aus Spanien, ohne Herausrechnen von Schwankungen bezogen auf Kälte und Weihnacht, fliehen aus der Perspektivlosigkeit nach Deutschland. Glauben diese Menschen, sie eilen in ein Elysium?

Glaubt das ja nicht zu stark, ihr dos mil cuatracientos cuarenta! Ich muss vorsichtig sein. Als Sohn eines Spaniers, der hier die meiste Zeit seines Lebens verbrachte, ist es nicht anständig, euch vom Herkommen abzuraten. Das wäre nicht fair. Und es mag ja sogar sein, dass ihr hier schneller einen Job findet, als auf der Halbinsel. Job wohlgemerkt, denn mehr als Jobs bieten sie hier selten an. Job sagt man in Deutschland mittlerweile fast nur noch. Job klingt aber für mich amerikanisch, nach hire, natürlich nach fire, nach Ausbeutung, nach fehlenden Mitarbeiterrechten und niedrigem Einkommen. Und dergleichen bieten sie hier vermehrt an. Einen Arbeitsplatz finden nur wenige. Die anderen finden einen Job. Manche nicht mal das.
Kann also gut sein, dass man euch 2.440 einen Job anbietet. Ihr seid ja illusions-, ihr seid perspektivlos - solchen Leuten gibt man irgendeinen Scheiß zum Geldverdienen und erhält dafür dankbare, loyale und anständige Angestellte. Befristeter Vertrag mit geringem Einkommen und einer Probezeit, die sich über die gesamte Befristung erstreckt? Muchas gracias, besser als nichts. Ich schließe Sie in mein Abendgebet mit ein, patrón! Und sonst? Liegt das große Glück an jener Stelle der Erde, die Gott selbstpersönlich geküsst hat? So ähnlich sangen das Die Prinzen vor Jahren in einem kühnen Moment deutscher Selbstkritik. Warum gibt es solche Texte eigentlich heute nicht mehr? War das Sommermärchen, war Du bist Deutschland! die Demarkationslinie, ab der antinationale Wagnisse der Kunst nicht mehr toleriert wurden?
Habe ich als Sohn eines Spaniers, eines Gastarbeiters, nicht die Aufgabe, denen zu berichten, die nun folgen wollen? Erwartet euch hier das Glück, la suerte? ¿Hay futuro? Ist hier Zukunft? Freude vielleicht sogar? Ihr 2.440 fiktiven Menschen aus Spanien dürft eines nicht glauben: Dass man euch hier mit offenen Armen erwartet. Ihr nehmt ja den Deutschen den Job weg. Die schlechte Bezahlung. Die miesen Arbeitszeiten. Das Beantragen von Aufstockleistungen trotz Vollzeitstelle. Bestimmte Kreise in Deutschland haben es nicht gerne, dass Fremde den Einheimischen die Prekärbeschäftigung stehlen. Und glaubt ja nicht, dass ihr fleißig sein könnt. Das heißt, ihr könnt es sein. Nur wird man das nie anerkennen. Mein Vater war ein viel zu fleißiger Mann, rieb sich in Wechselschicht auf, selbst als er zu alt für eine solche Unregelmäßigkeit war. Erst der Ernst, dann das Vergnügen, sagte er oft. Was hat mich dieser Spruch angekotzt! Ich meine, der Mann war Katholik, kein calvinistischer Prädestinationsanhänger - und dennoch diese Frugalität. Wenn der Ernst nicht halbwegs vergnüglich sein kann, dann hat er keinen Wert, finde ich. Jedenfalls, worauf ich hinauswollte: Anerkannt hat man seinen Fleiß nie, fadenscheinig war seine Herkunft immer.
Ich will niemanden abraten nach Deutschland zu kommen. Jeder muss seine Erfahrungen machen. Es gibt da eine Legende innerhalb unserer Familie. Ich bin mir sicher, ich bin der einzige, der sie noch kennt. Mein Vater ist nur noch selten Thema. Zu lange ist er tot. Sage nur keiner beim Ableben eines Menschen, man werde ihn nie vergessen. Man wird! Seine Stimme kann ich mir nicht mehr vorstellen. Man vergisst. Das ist der Lauf des Lebens, das in den Tod mündet. Legende ist, dass er, kurz bevor er nach Deutschland kam, das war Anfang der Sechzigerjahre, ihn ein Nachbar zur Seite zog und warnte, er solle den Deutschen nichts glauben, was sie sagten. Sie denken anders als sie sagten. Kann sein, dass die Geschichte wahr ist. Vorurteile gibt es überall. Heute würde ich aber behaupten, klänge diese Geschichte etwas anders. Er würde ihn warnen, dass man bei den alemanes wenig denke, dafür viel Unbedachtes sage. Hinterfotzig geschieht hier gar nichts mehr.
Man denke an diesen deutschen Konsul, diesen Herrn Fuchtel, der kürzlich erst meinte, dass 1.000 deutsche Beamte erledigen könnten, was 3.000 griechische nicht mal ansatzweise vollbringen würden. Diese Arroganz nennt er und die Presse hierzulande "ein Missverständnis". Schließlich gibt es in Griechenland sicherlich auch bürokratische Ungereimtheiten, die ominös sind. Die gibt es aber in Deutschland auch. Deren Glück ist es nur, dass sie nicht von der Troika geprüft werden. Mit dieser Überheblichkeit gegenüber den randständigen Völkern Europas werdet ihr 2.440 fiktiven Gastarbeiter zu ringen haben. Als ich bei Spiegel Online den Artikel zu diesem Fuchtel las, darunter die Kommentare verfolgte, kam mir das kalte Kotzen. Der Chauvinismus ist in diesem Lande Doktrin geworden, die Selbstherrlichkeit ist so unbeschreiblich, dass man ahnt, hier folgt noch etwas Schlimmes daraus. Was Fuchtel sagte ist das Produkt einer Agenda, die Europas südliche Völker unter die Fuchtel nehmen will.
Sicher, da ist die süße Aussicht auf Beschäftigung, die in vielen Fällen nicht mehr sein wird, als die Enttäuschung von Träumen. Aber sonst droht ein Leben in einem Land, in dem man als Mensch fremder Herkunft immer in Fremdheit verbleibt. Wiederhole ich mich, wenn ich schreibe, mein Vater sei das gewesen, was man hinlänglich als integriert bezeichnet? Ja doch, natürlich wiederhole ich mich. Man kann es nicht oft genug sagen. Eines der infamsten deutschen Märchen dieser Epoche ist es nämlich, dass Anpassung sich lohne, dass man als integrierter Fremdling akzeptiert, manchmal auch geliebt würde. Man Vater sprach die Sprache der Deutschen, er arbeitete in all der Zeit seines Daseins auf deutscher Erden, war nicht radikal, nicht politisch gefährlich, war meist ruhig und freundlich, soff nicht mehr, als all die deutschen Vertreter seines Milieus. Er hätte gleichwohl jemand sein können, der zu Führers Zeiten in einer deutschen Stadt geboren worden wäre. Er blieb immer fremd. Er fühlte sich fremd, weil sie ihn wie einen Fremden behandelten. Ich schrieb darüber mehrfach. Mit dem Intergrationsgeschwätz von heute will man doch nicht Akzeptanz schmackhaft machen, man will nur die Selbstherrlichkeit auskosten, die man als Volk im eigenen Lande ausüben kann, man will nur zeigen, dass man Herr in einem Haus ist, das sich mehr und mehr zu einem moralischen Gefängnis wandelt.
Ihr potenziellen 2.440 solltet wissen, wohin ihr abwandert. Oder anders: Ihr solltet wissen, wer ihr seid, wenn ihr euch auf deutschen Boden traut. Definition des Südländers: Ihr könnt nicht mit Geld umgehen, was den Schluss nahelegt, dass ihr faul und rückständig seid. Zudem seid ihr unkalkulierbar, weil ihr heißblütig seid, zu viel Stolz habt. Das unterstellte man meinen Vater, als er in den Sechzigerjahren seine Stelle kündigte, weil er keinen umgehenden Urlaub erhielt, um zu seinen sterbenden Vater zu eilen. Ihr nehmt Dinge wichtig, die in der schönen neuen Ökonomie unwichtig zu sein haben, woraus man wiederum ableitet, dass ihr zu gesellig, zu faul, zu wenig ökonomisch seid, woraus man ferner ableitet, dass die Krise in eurem Land, das ebenso das Land meines Vaters war, selbstverschuldet ist. Die Griechen sind schlimmer als ihr. Die Italiener nicht. Die Portugiesen sind ja eigentlich nichts anders wie Spanier. Eh alles dasselbe Gesocks! Für viele Jobs, so wird man gönnerhaft erklären, seid ihr dennoch gut genug. Aber nicht für alles, dazu seid ihr zu unqualifiziert, was soviel heißt wie: dumm. Man wird meinen, ihr kommt aus einem Land, in dessen Krankenhäuser noch Aderlass als höchste medizinische Maßnahme praktiziert wird. Davon läßt sich freilich ableiten, dass ihr alle irgendwie mittelalterlich seid. Meinem Vater hat man hierzulande nicht geglaubt, dass seine Schwestern in Spanien Haushalte haben, in denen es von Elektrogeräten so wimmelte, wie in einem stinknormalen deutschen Haushalt zu jener Zeit auch.
Letztens sagte mir jemand, dass Gott, als er die Erde geschaffen hatte, hierher, nach Deutschland kam, um zu scheißen. Diese Umkehrung von der geküssten Stelle auf Erden ist natürlich unsinnig. Gelacht habe ich trotzdem. Ich kann darüber lachen. Ihr 2.440 solltet wissen, dass man in diesem Lande nicht mehr viel über solche deutschenverächtlichen Kalauer lacht. Ihr landet in einer seltsamen Humorlosigkeit, wenn es euch hierher treibt. Mein Vater fand diese unhumorige Lebensart immer sehr lachhaft. Gleichwohl hat man Humor in diesem Land, über Griechen in Hängematten beispielsweise gackert man wie eine Halle voller debilem Bodenhaltungsgeflügel. Und merkt euch: Spanier sind stets lispelnd, sofern man sie deutschsprachig persifliert. Und natürlich dauergeil, immer scharf auf Weiber. Das ist witzig. Bringt mal einer von euch 2.440 Spaniern, die es sich noch überlegen können zu kommen, einen schlechten Witz über deutsche Wampen oder die Art, immer besonders intelligent tun zu wollen, nur um am Ende als Depp dazustehen. Da raucht aber der Nationalstolz!
Ich könnte sagen, dass ihr es euch überlegen solltet. Tue ich aber nicht. Aber wissen, wohin es einen verschlägt, sollte man schon. Gut, natürlich präsentiert die Öffentlichkeit immer gerne Ausländer, die ganz begeistert tun von der deutschen Freundlichkeit, von der Gastfreundschaft und so. Woher sie die herziehen, weiß ich nicht. Weiß man in Spanien von der NSU? Ob die von ihr getöteten Menschen fremder Herkunft wohl bevor sie ermordet wurden, dieselben schwärmerischen Äußerungen taten? Vertiefen wir nicht, denn es ist auch geschmacklos, Deutschland mit der NSU gleichzusetzen. Die Menschen hier sind ja nicht alle Mörder. Nicht mal alle Rassisten oder Chauvinisten. Aber Konjunktur haben beide Lebensformen durchaus. Und das nicht zu knapp. Das muss man wissen, wenn man in ein Land geht, das ohnehin immer schon prädestiniert dafür war, überheblich an seine Umwelt, an seine Nachbarn heranzugehen. Als mein Vater nach Deutschland kam, waren rassistische Äußerungen auch an der Tagesordnung, aber man musste sie verstecken, konnte Beim Adolf hätte es das nicht gegeben! nicht allzu offen sagen. Heute kann man das auch nicht. Man hat Rassismus und Fremdenfeindlichkeit von Adolf gelöst, als Kategorie einer gesellschaftlichen Mittelschicht installiert, die von sich glaubt, sie sei die Krone der Schöpfung innerhalb der Krone der Schöpfung, die sich Deutschtum nennt.
Es ist heute auf den Tag genau zwanzig Jahre her, dass in einer norddeutschen Kleinstadt Menschen türkischer Herkunft ums Leben kamen. Sie verbrannten in dem Haus, das Rechtsradikale angezündet hatten. Damals war ich Teenager und ich war voll der Wut. Ich war zu jung, um meine Gedanken konkret zu fassen. Aus purer Emotionalität wäre ohnehin nichts Verwertbares rausgekommen. Was mich aber noch mehr auf die Palme brachte, das war die lapidare Art der Menschen, die mit den Achseln zuckten, als ginge es sie nichts an. So war es bei der NSU-Geschichte letztlich auch. Wenn es um die Aufarbeitung der RAF geht, um die ewigen Bubackiaden, die durch den Blätterwald gejagt werden, dann haben ganz normale Menschen von der Straße wohl eine Meinung, die zwischen Kerkerhaft, Nie wieder freilassen! oder Kopf ab! für die damaligen Terroristen liegt. Gewöhnt euch an die Devise, die hier herrscht, ihr 2.440. Sie lautet: Nach oben buckeln, nach unten treten. Deshalb erinnert man dauerhaft an Bubacks Ermordung, macht schockierende Dokumentationen und gestaltet die Aufarbeitung als mediales Ereignis, während der Brandanschlag in Mölln relativ unerinnert behandelt wird. Deshalb erhält hier ein toter Eisbär nach zwei oder drei Jahren ein Denkmal, während Sinti und Roma mehr als sechzig Jahre auf ein Mahnmal warten mussten, das an den an ihnen begangenen Völkermord erinnert.
Der Protest im Süden Europas geht an der Realität vorbei. Wenn ihr Merkel Runen an eine fotomontierte Uniform tackert, dann ist das haltlos. Denn hier trägt keiner Uniform. Das braucht man nicht mehr. Es ist unfair, wie ihr protestiert. Die Uniform hat doch keinen etwas gemacht, um sie an Leiber selbstherrlicher Chauvinisten zu heften. Kennt ihr da drüben auch Kauder? Der meinte unlängst, in Europa spreche man wieder deutsch. Das ging ganz ohne Uniform. Früher zogen sie sich erst Runen über den Kopf, bevor sie das Deutsche in die Welt trugen. Heute geht es ohne. Uniform hat sich als Begriff gewandelt. Uniform meint heute, dass man sich auf den Unis des Landes Leute heranzieht, die mächtig in Form sein sollen, um den deutschen Weg in Europa weiterhin gehen zu können. In bester Uniform zu sein bedeutet, dort Examen mit Themen wie Deutsche Wirtschaft als Muster für Europa! oder Aussichten auf ein Europa unter deutscher Obhut! oder Am deutschen Wesen ...! abzulegen. Eure spanische Provinzialität kommt da nicht vor, höchstens als etwas, das es zu überwinden gilt. Der europäische Süden kann seinen Lebensstil nämlich nicht behalten. Die meinen hier ernsthaft, ihr würdet noch Siesta halten. Die gab es noch, als ich ein kleiner Bub war so halbwegs. Spanien schien mir im Urlaub so fremd, so anders, gemütlich irgendwie, aber auch nervig, weil meine spanische Familie ein Faible dafür hatte, etwas zeitlich einzuplanen, dann zu sagen "Gleich! Wir gehen gleich!" zu sagen, um dann mindestens nochmals eine Stunde rumzuhocken. Tranquilo hieß die Beschwichtigung und die Geduldsaufforderung. Tranquilo, tranquilo! Immer mit der Ruhe. Damit ist es aber seit mindestens zwanzig Jahren vorbei, das Dreischichtsystem hat die Sitten verändert.
Viele Italiener in Deutschland haben es geschafft, einerseits als liebenswert und als Urlaubserinnerung zu gelten, während man gleichzeitig diese italienische Art verachtet. Sie bauen in ihr niedlich anzuhörendes Deutsch italienische Worte. Bene. Grazie. Signora. Pronto. Und alle sind entzückt. Mensch, fast wie in Italien. Reizende Menschen. Gibt es Weilers "Maria, ihm schmeckt's nicht!" eigentlich in spanischer Übersetzung? Da kommt so ein Italiener vor, der sich reizend verstellte, um nicht anzuecken, um akzeptiert zu werden. Und was die andere von mir denke, egal - was wichtig, is in meine Kopf, sagt Weilers Protagonist. Das ist nichts weiter als innere Emigration, als Rückzug in Kopfwelten, Isolation. Spricht man hingegenvon der reizenden italienischen Wirtschaft, dann ist die Verzückung passé. Nette Leute sind sie ja, aber so schrecklich unproduktiv und ineffizient, korrupt und zu emotional sowieso. Das Italienische ist für die deutschen Wirtschaftsfeldmarschälle und ihre Landser ein Auslaufmodell. So kann man im 21. Jahrhundert nicht mehr leben. Gerne speisen, Meer genießen, mit dem Roller durch die Gegend düsen, gelato schlecken und dabei keine Abstriche für die Ökonomie akzeptieren - so geht es nun wirklich nicht! Als ob man in Italien nicht auch Schicht arbeitete, nicht auch malochte, nicht auch schwitzte! Die Mär will aber, dass der Süden etwas ist, der für das amtierende Jahrhundert und die folgende Zukunft nicht überlebensfähig ist. Nicht weil es strukturelle Probleme gibt, sondern weil die dortigen Menschen einfach fehlerhaft sind, nicht in die Zeit passen. Und die Wächter der Zeit, das sind die Deutschen und ihre angelsächsische economy. Ihr 2.440 Menschen aus Spanien, die ihr vielleicht kommt, wie die Italiener wird man euch romantisch verklären. Ach, Spanier sind so nett, so hilfsbereit und die Sprache und das Essen und dieses urbane Barcelona und dieses pittoreske Baskenland. Spanische Menschen lieben sicherlich gut, glaubt man in Deutschland. Die Glut in den Augen, sie muss auch im Bett abfärben. Manchmal verwechselt man hierzulande die in die Augen tretende Perspektivlosigkeit mit Glut. Was ich sagen will ist: Ihr werdet sicher manches Bett erobern. Und manche von euch werden begeistern. Und manche von euch werden enttäuschen. So ist das eben, im Schnitt vögelt jedes Volk in etwa so gut, wie es auch schlecht vögelt.
Sind auch einige von euch aus dem Baskenland dabei? Ich könnte ja mal ein statistisches Mittel errechnen. Etwa 4,6 Prozent aller Menschen, die in Spanien leben, leben im País Vasco. Das heißt, von den 2.440, die kommen, sind etwa 112 aus dem Baskenland. Hinweis an euch: Sagt, ihr kommt aus Cantabria. Das kennt man hierzulande recht wenig und es ist unverfänglich. Als mein Vater, ein gebürtiger Baske, der nie baskisch sprach, weil es Franco nicht wollte, dass die baskische Kultur erhalten bleiben sollte, als mein Vater also öfter mal sagte, er käme aus dem Baskenland, da erntete er nur zynische Zoten und man dichtete ihm Terrorbereitschaft an. Nicht völlig ernst, sondern in der typisch deutschen Art der Ehrabschneidung und das Lächerlichmachens. Damit kann man leben, das stimmt. Aber ja nicht glauben, quid pro quo spielen zu dürfen. Das ist nicht drin, sonst gilt man als nicht-integratives Element.
Nochmal, ich will es niemanden ausreden. Aber ein wenig Ahnung haben, in was man sich begibt, sollte man schon. Nur was bilde ich mir ein zu glauben, ihr würdet das, wahrscheinlich ohnehin des Deutschen unfähig, lesen? Selbst wenn, glaubt man mir? Ihr könnt aber in diesem Land jeden fragen ... oder lieber nicht, denn man bestätigt es euch sowieso nicht. Hier ist die Welt zu Gast bei Freunden. Gast, hört ihr? Gäste gehen auch wieder. Wie man sich fühlt, wenn ein Trottel behauptet, damals hätte die Regierung alles falsch gemacht, weil sie die Gastarbeiterschaft nicht zeitlich begrenzt hat? Man fühlt sich unwürdig behandelt als Sohn eines Gastarbeiters, deplaziert, ungewollt und als ein Produkt, dass es nie hätte geben sollen. Jemanden diesen Eindruck zu vermitteln, jemand das Gefühl zu geben, überflüssig zu sein, daran dürft ihr euch gewöhnen, wenn ihr nach Deutschland kommt. Fragt selbst mal Rentner, Kinder arbeitsloser Menschen und Arbeitslose, fragt chronisch Kranke und diejenigen, die nicht mehr vollschichtig einsetzbar sind. Die sagen es euch. Man muss nur die richtigen fragen, um richtige Antworten zu erhalten.

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