Alltag in Auroville

Inzwischen hat für mich in Auroville so etwas wie Alltag begonnen, allerdings – zugegeben – ein doch recht gemütlicher, zuweilen gar fauler Alltag. Das hängt auch damit zusammen, dass die Mühlen hier etwas langsamer mahlen als in Europa und die Wärme vor allem um die Mittagszeit das Ihre dazu beiträgt.
Die Suche nach einem geeigneten Fahrer und Guide (und Assistenten) zieht sich in die Länge. Vielleicht gut so: Was lange währt … Doch solange diese Tour durch Südindien, die nach meiner Vorstellung ca. zwei Wochen dauern soll, nicht einigermassen aufgegleist ist, fehlt mir das zeitliche Gerüst, an dem ich die restliche Zeit aufhängen kann. (Ich kann nunmal die europäische Plansucht nicht ganz überwinden …) Festgelegt sind die letzten zwei Wochen vor der Rückreise: Die werde ich im “Quiet Healing Center” direkt am Meer verbringen: mit Behandlungen und Therapien verschiedenster Art – Wellness auf südindisch.

Der Alltag in Auroville ist ockerfarben

Alltag in Auroville heisst auch: viel auf den roten Sandpisten unterwegs sein. Die Wege sind lang, und es ist unvermeidlich, dass ich, mein Rollstuhl und der Trac vom roten Staub zugepudert werden. Die rote Patina ist Ausdruck davon, dass Auroville mich wieder ganz eingenommen, ergriffen hat.20130213-163106.jpg
Auch die Wiederbegegnungen mit Bekannten lassen eine Art Alltagsgefühl in mir aufkommen, wenn auch die Begegnungen im einzelnen alles andere als alltäglich sind. Zum Beispiel mit Rita, der Frau von Njal, mit dem ich letztes Mal lange, teils gehaltvolle Gespräche hatte (beschrieben in meinem “Tagebuch Indien 2009” unter dem Datum vom 21.3.2009). Mit Tränen in den Augen erzählt sie mir, dass er vor zehn Monaten gestorben sei. Sein Herz sei ohne jegliche Vorwarnung eines Abends einfach stillgestanden.
Teil des Alltags ist auch der Matrimandir, der unzählige Besucher nach Auroville lockt – auch viele Inder. Ich ziehe meine Kreise um den eigenartigen Tempel, hauptsächlich, weil er geografisch wie ideell das Zentrum von Auroville darstellt und deshalb auf meinen Wegen immer wieder ins Blickfeld rückt. Natürlich werde ich ihn bei Gelegenheit auch besuchen. Das Drumherum stösst mich allerdings eher ab und mahnt mich etwas an Disney-Land auf indische Art. Die Krux ist, dass ihn nunmal viele Leute sehen wollen, was die Ideen hinter diesem Bau nicht grundsätzlich schmälert. Mehr zum Matrimandir ein anderes Mal.

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Einsortiert unter:Indien 2013, Tagebuch

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