Alle glücklich mit Kachelmann-Urteil

Alle glücklich mit Kachelmann-UrteilLetzte Woche als ich die Urteilsverkündung gehört habe war ich schwer beeindruckt vom Richterspruch. Die Richter sagten, dass man nicht eindeutig Kachelmann nachweisen kann und ihn deshalb freispreche. Zur gleichen Zeit machen sie deutlich, dass es dennoch Indizien gibt, dass er die Tat begangen haben KÖNNTE. Dieses salomonische Urteil hat mich sehr zufrieden gestimmt in diesem Fall einer mutmaßlichen sexuellen Gewalttat. Ich erkläre jetzt auch warum.

Erstens hat das Rechtssystem alle modernen medizinischen und psychologischen Beweistechniken herangezogen um herauszufinden, was jetzt wie genau in dem Fall passiert ist. Und wer von den beiden beteiligten Personen lügt. Am Ende kam heraus: "Nichts genaues weiß man nicht", aber dass man immerhin peinlichst genau versucht Gerechtigkeit zu finden hat mich enorm gefreut.

Zweitens so hat man sich entschieden bei Zweifel an der Schuld des Angeklagten ihn NICHT zu verurteilen. Niemand ist schuldig für irgendetwas solange nicht das Gegenteil bewiesen werden kann. Kachelmann kann und darf man also nicht nachsagen, dass er ein Vergewaltiger ist. Wahrscheinlich nicht einmal mehr "mutmaßlicher Vergewaltiger". Und das ist sehr befriedigend, weil solch heftige Vorwürfe sind allein schon persönlich schwer zu bewältigen. Von Kachelmanns beruflicher Zukunft mal abgesehen. Dort wie auch im Privatleben, so hoffe ich, werden ihm jetzt aus dem Gerichtsverfahren heraus keine Nachteile erwachsen. Soetwas fände ich äußerst unfair.

Alle glücklich mit Kachelmann-UrteilDass ich dennoch ihm beruflichen Misserfolg wünsche hat mit seiner Firma zu tun, die den deutschen Wetterdienst ausbotet, indem sie Wetterstationen betreibt, die sie sich von den Leuten vor Ort bezahlen lässt. Dass das professionelle Wetteruntersuchungen untergräbt und nur eine andere Form von Schmarotzertum ist, sollte klar sein.
Dass mich das nicht verwundert, sieht man auch an Kachelmanns Botschafterrolle für die frei-kapitalistische "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft". Lesen sie sich mal den Wikipedia-Artikel dazu durch, speziell die Abschnitte zu Medien und Öffentlichkeitsarbeit. Da kommt Ihnen das Grausen! Und lesen Sie selbst, was der Kachelmann darüber von sich gibt:

"Als Schweizer, der auch in Deutschland eine Firma mit inzwischen über 50 MitarbeiterInnen gegründet hat, wundert mich, wie der deutsche Gesetzgeber den Arbeitsmarkt kaputt reguliert”, so Kachelmann in seinem Statement. ... "Je weniger seltsame Vorschriften es gibt, desto weniger Arbeitslosigkeit gibt es auch, wie man in der Schweiz und in anderen Ländern unschwer nachvollziehen kann.”

Und sowas unterstützt der Kachelmann definitiv und schämt sich nicht einmal dafür! Genau für sowas sollte man ihn mal durch die Medien jagen, ausfragen und auf die Pelle rücken! Aber nicht heute und nicht in diesem Artikel.

So, nun zu meinem dritten Punkt warum ich dennoch mit dem Urteil sehr sehr zufrieden bin. Und das ist, dass es überhaupt zu einem Urteil kam! Die damalige Freundin hat eine Anzeige erstatt, die wurde bearbeitet, Ermittlungen wurden durchgeführt, ein Gerichtsverfahren in Gang gesetzt und die Wahrheitsfindung auch nicht durch einen Vergleich abgewürgt. Nein, es kam zum Showdown. Über die Frage wer am Ende Recht behalten sollte. Das ist schon viel viel wert.

Strauss-KahnIn Frankreich sehen wir gerade wie eine Nation erkennt, dass sie von widerwärtigen Machomännern regiert wird. (Siehe das rechte Bild von Strauss-Kahn. Die Schlangen-Augen war ich aber nicht. Das ist das offizielle Foto vom internationalen Währungsfonds.)

In Frankreich wagen sie endlich den Aufstand gegenüber Männern, die sich scheinbar alles erlauben können nur weil sie reich, mächtig und Männer sind! Frauen tauchen jetzt dort auf und stellen Anzeige gegen ihn und andere für Taten, die lange vor Strauss-Kahns Verhaftung begangen wurden. Und da bin ich glücklich, dass ich in Deutschland des Jahres 2011 lebe, wo man ein ordentliches Gerichtsverfahren über solcherlei sexuelle Übergriffe angestrengt hat auch wenn die Beweislage recht dünn war. Dass man sich um das Schicksal einer Frau gekümmert hat, die sagte, dass sie von einem Mann mit dem Leben bedroht und zum Geschlechtsverkehr gezwungen wurde.

Denn nicht immer passiert das. Die Dunkelziffer für Vergewaltigung kann das bis zu hundertfache betragen, vor allem weil die Mehrzahl der Täter aus dem familiären Umfeld stammen! Und statistisch gesehen wird jede vierte Frau Opfer von sexuellen Übergriffen! In Schweden, dem Musterland für Gleichberechtigung von Frauen werden vier Mal häufiger Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht als in Deutschland!

Und deshalb bin ich so froh, dass es dieses deutsche Urteil im Fall Kachelmann gegeben hat. Dass es allen Frauen gezeigt hat, dass sie selbst bei dünner Beweislage den Gang zur Polizei machen sollten. Dass Männer erkennen, dass es Grenzen zur Legalität gibt, die tatsächlich auch eingehalten werden müssen, wenn sie nicht ein Strafverfahren riskieren wollen. In welchem sie dann auch verurteilt werden können.

Vielleicht geschah das mit Kachelmann nur, weil er ein Prominenter ist. Vielleicht war die Freundin nur rachsüchtig, weil er sie betrogen hat. In jedem Fall wird klar, dass wenn Menschen miteinander eine sexuelle Beziehung eingehen, dass man auch damit rechnen muss, dass ein schlechter Umgang mit der anderen Person zu ernsthaften Konsequenzen führen KANN!

Eine gute Lehre und eine gute Aussicht, wie ich finde.

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An dieser Inszenierung ist nichts, aber auch schon gar nichts alt