Alarm für Shanti (Teil 1) – Zieht Euch bitte wieder an!

In letzter Zeit hatte ich wenig Zeit, mich um Ivan zu kümmern. Er quittiert das mit demonstrativem Hinken, wann immer er mich sieht. Außerdem nimmt er mir die Geschichte mit Ivan II noch immer übel. Aber da kann ich nun wirklich nichts für. Ich versuche noch immer ihm abzugewöhnen, im Schlafzimmer zu schlafen, aber jedes Mal, wenn ich ihn aussperre, kotzt er die Bude voll. Also liegt er weiterhin allabendlich auf seiner Wärmflasche neben dem Bett. Obwohl, neulich öffnete ich des Nachts die Augen und blickte direkt auf ein Fellbündel neben mir auf dem Kopfkissen. Als ich ihn hektisch entfernen wollte, kotzte er mir zum Dank das Bett voll. Er ist aber auch schwierig zur Zeit.

Das wollte ich aber eigentlich gar nicht erzählen. Die eigentliche Geschichte ist wieder einmal sehr delikat, allerdings erklärt sie vielleicht auch, warum ich zur Zeit so wenig zu Hause bin und mich nicht um Ivan kümmern kann. Es war letzten Samstag, ich hatte Notarzt-Dienst. Maurice und ich spielten Poker im Zimmer der Berufsfeuerwehr. Das ist relativ ungefährlich mit Maurice, da er ein sehr schlechter Spieler ist. Maurice war schnell das Geld ausgegangen, weshalb er sich jetzt seiner Kleidung entledigte. Wahrscheinlich hatte er sich zudem noch etwas mehr erhofft, aber ich dämpfte seine Erwartungen gleich, indem ich das Fenster weit aufriss. Maurice fror schon ein wenig. Ist halt kalt, so ganz ohne T-Shirt. Da klopfte es an der Tür. Maurice stiefelte nur mit seiner Hose bekleidet hin und machte auf. Wer stand draußen? Das wollt Ihr eigentlich gar nicht wissen, aber ich erzähl’s Euch trotzdem, denn sonst würde die Geschichte gar keinen Sinn ergeben. Es war Shanti. Als er uns sah riss er begeistert die Arme in die Luft und rief: “Überraschung!” Dabei grinste er von einem Ohr zum anderen. Mir fiel dabei auf, und das beunruhigte mich jetzt doch ein wenig, dass er Rettungsdienstkleidung trug.

“Wer ist das denn?” fragte Maurice mich kopfschüttelnd.
“Das ist Shanti. Er ist erleuchtet.” stellte ich Shanti vor. Shanti nahm dieses Stichwort zum Anlass, die Hände zum Namaste  zu erheben und sich leicht zu verbeugen. Dann schüttete er, als hätte das eben noch nicht gereicht, begeistert Maurice’ Hand.
“Ich grüße dich. Mein Name ist Shanti und ich bin erleuchtet.” damit schob er Maurice in das Zimmer zurück und schloss die Tür hinter sich.
“Erleuchtet?” fragte Maurice.
“Erleuchtet. Er hat sich aber noch nicht gefunden.” sagte ich.
“Ich bin noch immer auf der Suche nach mir selbst!” erklärte Shanti.
“Google?” Maurcie sah etwas erstaunt aus.
“Habe ich ihm auch schon vorgeschlagen.” Ich fragte mich langsam, was Shanti hier eigentlich machte.
“Praktizierst du Tantra?” fragte Shanti Maurice.
“Was mach ich?” fragte Maurice.
“Ich frag ja nur, weil du halb nackt bist. Ich dachte, ich komme hier vielleicht grad richtig zu einer spirituellen Session?” Shanti klang hoffnungsvoll und begann tatsächlich, sich die Kleider vom Leib zu reißen. “Ich finde, wir sollten uns alle öfter unserer Kleidung entledigen, das hilft ungemein, um sich selbst und andere kennenzulernen, so natürlich, so unmaskiert… zu Hause bin ich immer nackt!”
Jetzt schrie ich aber laut auf. Fünf Minuten zuvor waren wir noch unschuldig am Tisch gesessen und hatten ein wenig Poker gespielt, und jetzt stand plötzlich Shanti im Raum und zog sich aus. Wie hatte dieser Tag nur so eine unvorteilhafte Wendung nehmen können? Ich sprang auf und packte Shanti am Arm, um ihn davon abzuhalten, sich auch noch von Kleidungsstücken zu entledigen, die Dinge verbargen, die ich ECHT NICHT SEHEN wollte, wenn Ihr versteht, was ich meine. Maurice blickte dem Schauspiel fasziniert zu. ”Also, ich steh jetzt nicht so auf Typen, aber prinzipiell bin ich da ja flexibel.” erklärte Maurice. “Wenn Anna sich jetzt auch noch ausziehen würde, dann könnte wir…”
“Ich praktiziere auch Maithuna .” sagte Shanti voller Stolz.
“Tatsächlich?” Maurice Interesse war geweckt.
“Jetzt reicht’s!” schrie ich. “Hier praktiziert keiner irgendwas, zumindest nicht mit mir. Ich seid ja völlig durchgeknallt. Ich gehe jetzt auf mein Zimmer, und wenn Ihr hier fertig seid mit Maithuna oder was weiß ich, und vor allen Dingen, wenn Ihr wieder bekleidet seid, dann könnt Ihr mich gerne holen! Und dann würde ich auch gerne mal wissen, was du hier machst!” Ich funkelte Shanti böse an. Dann stolzierte ich erhobenen Hauptes aus dem Zimmer.

Es dauerte etwa 30 Minuten, dann klopfte es zaghaft an meiner Tür. Draußen standen die beiden. Bekleidet.
“Ja?” fragte ich. Ich war noch immer ein wenig böse.
“Kommst du wieder mit rüber?” fragte Maurice.
“Wir ziehen uns auch nicht mehr aus, versprochen.” fügte Shanti hinzu. Grummelnd folgte ich den beiden.
“Shanti ist heute unser Praktikant!” Ich hatte es irgendwie geahnt.
“Ja, ist das nicht toll? fragte Shanti enthusiastisch. “Ich wollte an vorderster Front dabei sein! Da habe ich den Gashahn gefragt, wann du wieder Notarztdienst hast, und ob ich da mal mitfahren kann, und er hat ja gesagt. Freust du dich?” Er sah mich aufrichtig begeistert an.
“Ungemein.” nuschelte ich in meinen nicht vorhandenen Bart. Wir waren auch noch nicht mal am Zimmer der BF angekommen, da ging auch schon der Funk.
“Jippie!” rief Shanti aus. “Wir retten jetzt Leben!”
Ich sagte nichts dazu, die Wahrheit würde ihn noch schnell genug hart und unnachgiebig treffen. Shanti lief uns voraus zum Auto. Mit seinen wehenden Dreadlocks und wippendem Gang rief er bei mir unwillkürlich eine Assoziation von weißem Kleidchen und Blumenwiese hervor. Ich verscheuchte das Bild schnell wieder aus meinem Kopf.

Wenn ich Euch jetzt sage, was auf den Fax stand, dann könnt Ihr Euch sicherlich schon vorstellen, welchen fatale Ausgang dieser Einsatz in Zusammenhang mit Shanti eigentlich nur haben konnte. Und es kaum auch genau so und noch viel schlimmer. Auf dem Fax stand: “Suiziddrohung. Mann will von Gebäude springen.”


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