Absolutely Fabulous – Der Film

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Absolutely Fabulous – Der Film

5Komödie

Älter aber immer noch kein bisschen weiser. So könnte das Motto der Protagonistinnen der britischen Kult-Comedy Absolutely Fabulous lauten, die mit dem Film zur Serie eine Rückkehr feiern und damit gleichzeitig ihr Debüt auf der großen Leinwand geben.

Darauf mussten die Fans auch lange warten, sind doch seit der Ausstrahlung der ersten Folge der insgesamt 6 Staffeln umfassenden Serie mittlerweile 24 Jahre ins Land gezogen. Umso erstaunlicher, wie unverändert die seit Anbeginn persiflierten Scheinwelten nach wie vor bestehen, sei es die „bessere Gesellschaft“ mit ihrem Jugend- und Schönheitswahn, die Rauschsucht einer durch und durch auf Äußerlichkeiten getrimmten Modewelt oder die Scheinheiligkeit hinter all der gebräuchlichen political correctness und social awareness. Wirft man einen Blick zurück auf die Anfänge der Serie, fühlt es sich fast an, als wäre man gemeinsam mit den Protagonistinnen in einer Endlosschleife gefangen. (Sogar die Mode der frühen 90er reüssiert ja derzeit wieder auf ungeahnte – oft erschreckende – Art und Weise.)

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Dementsprechend musste das Konzept der Serie kaum aktualisiert werden und das Lebenskünstlerinnen-Duo Edina Monsoon und Patsy Stone (wiederum kongenial verkörpert von Jennifer Saunders und Joanna Lumley) macht sich einmal mehr daran, in gewohnter Manier – also mehr oder weniger erfolgreich –, die High Society aufzumischen. Familiäre Konflikte, der K(r)ampf mit dem Älterwerden und ein nicht kaputtbares Geltungsbedürfnis feiern dabei ebenso ihre Rückkehr wie beinahe der gesamte Cast der Originalserie, der vor Spielfreude nur so strotzt. Daneben geben sich so viele Gaststars, vor allem aus der Mode-, Musik-, Film- und Fernsehwelt, die Klinke in die Hand, dass deren Aufzählung jeden Rahmen sprengen würde. Ihnen allen ist gleichermaßen die Freude an der Mitwirkung anzumerken und mit viel Mut zur Selbstironie wird sich sodann durch den Kakao gezogen, was nur geht.

Bei aller mitreißenden Spielfreude und dem bestens bedienten Nostalgiefaktor sei auch ein kurzer Blick auf die Substanz des Films geworfen. Dieser darf tatsächlich kurz ausfallen, denn am storytechnischen Unterbau hapert es gewaltig. Die Geschichte rund um eine schief gelaufene Model-Akquise, aufgrund derer Edina und Patsy kurzzeitig nach Saint Tropez flüchten müssen, nur um festzustellen, dass es daheim doch am Schönsten ist, passt wohl ohne Probleme auf eine Cocktailserviette. Beim Versuch, die teilweise recht absurden Wendungen nachzuvollziehen, verwundert es dann auch wenig, dass das Drehbuch von Jennifer Saunders aus einer Wette mit ihrer langjährigen Comedy-Partnerin Dawn French (French & Saunders) heraus entstanden ist und das offenbar in kürzester Zeit. Das Gefühl der unausgegorenen Zusammenstückelung von altbekannten Versatzstücken aus der Serie lässt sich bis zum Schluss nicht abschütteln. Auch wenn das dabei bediente Grundkonzept der satirischen Überhöhung und die anhaltend große Lust, Tabus keinesfalls unangetastet zu lassen, immer noch gut funktionieren, bleiben die großen Lacher diesmal aus – sowohl vor als auch hinter der Leinwand.

Dabei wird merkbar, dass der Sprung auf die Kinoleinwand diesem Comedyformat einfach nicht guttut. Bigger ist hier nicht better und es fehlt die Heimeligkeit der Studioaufzeichnungen mit dem dazugehörigen, für die Lacher aus dem Off sorgenden, Publikum. Die gewohnte Sitcom-Atmosphäre geht so zugunsten einer aufpolierten, oft aufgeblasen wirkenden Kinooptik flöten, in der auch die Protagonistinnen etwas verloren wirken.

Es ist schön, dass Edina und Patsy immer noch wie damals pöbelnd, rauchend und trinkend Exzesse feiern, ohne sich um die Meinung anderer zu scheren, dass Mutter-Tochter-Beziehungen dysfunktional sind und bleiben dürfen und dass Frauen höheren Alters sich auch mal gehörig daneben benehmen und dafür (zumindest als fiktive Persönlichkeiten) Beifall ernten können. Dass es für einen wirklich guten Film leider nicht gereicht hat, lässt sich bei aller Wiedersehensfreude dann doch kaum leugnen. Für Fans ist Absolutely Fabulous – Der Film aber sicher trotzdem ein Muss und für alle anderen ein guter Anlass, das britische Serienjuwel (wieder-)zu entdecken. Cheers, thanks a lot!

Regie: Mandie Fletcher, Drehbuch: Jennifer Saunders, Darsteller: Jennifer Saunders, Joanna Lumley, Julia Sawalha, Jane Horrocks, June Whitfield, Kate Moss, Chris Colfer, Filmlänge: 91 Minuten, Kinostart: 09.09.2016, www.AbFab-derFilm.de


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Autor

Karin Gasch

Aufgabenbereich selbst definiert als: Zwielichtaufsuchende mit Twilight-Phobie. Findet "Ours is a culture and a time immensely rich in trash as it is in treasures" (Ray Bradbury) zeitlos zutreffend.



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