Abgestillt

Abgestillt

Es ist 04:20 Uhr am Morgen (oder eher mitten in der Nacht, eigentlich schlafe ich zu dieser Zeit sonst). Ich liege im Wohnzimmer auf der Couch. Alleine.
Zwei Zimmer weiter liegen Mann und Sohn gemeinsam in unserem Bett.

Regelmäßig bin ich in dieser Nacht aufgewacht weil ich mein Kind weinen hörte. Trotzdem bin ich hier geblieben. Weil ich Vertrauen in meinen Mann habe. Und weil ich nicht mehr kann.

Die letzten Wochen haben viel von mir abverlangt. Mein Opa ist gestorben. Und der Gedanke daran ist immer noch unerträglich für mich. Wir hatten so viele Termine, dass der Kalender kaum mehr reichte um alles übersichtlich zu erfassen. Gleichzeitig arbeiten Finn und ich in jeder noch freien Minute.

Ich habe gemerkt, dass ich langsam aber sicher an meine körperlichen Grenzen komme. Das nächtliche Stillen und die ständigen Unterbrechungen des Schlafes haben ihr übriges getan. Ich habe abgenommen. Viel. Und da ich eh schon zu dünn bin, kann man sich vorstellen, wie viele Reserven ich noch habe.

Keine.

Meine Mutter hat es wohl schon geahnt und vorausgesagt. Irgendwann geht es nicht mehr. Da zieht der Körper die Notbremse.

Die Notbremse ist bei mir eine Mandelentzündung. Als ich nach dem Wochenende merkte, was da los ist und das es von alleine (bzw. Mithilfe von ein paar Hausmitteln) nicht weggeht, bin ich also am Montag zum Arzt. Gemeinsam haben wir uns für ein Antibiotikum entschieden, das stillverträglich ist.

Doch statt die Entzündung zu heilen, hat dieses Mittel dafür gesorgt, dass sich meine komplette Mundschleimhaut entzündet hat. Zwei Tage habe ich gehofft und alles war beim Alten. Ich habe beim Sohn geschlafen, gestillt und versucht mich zumindest am Tag zu erholen. Dann habe ich eingesehen, dass es nicht klappt.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch bat ich Finn zum ersten Mal, dass er mit dem Sohn die Nacht verbringt. Mir ging es wahnsinnig schlecht. Ich hatte vor allem am Abend Fieber und Schüttelfrost. Mein Kopf explodierte förmlich und hinzu kam die Sorge, dass ich eventuell den Sohn anstecken könnte.

Es war die erste Nacht seit über einem Jahr, in der ich gegen 23 Uhr ins Bett ging und um 6 Uhr aufwachte. Sieben Stunden ununterbrochener Schlaf. Und danach schlief ich nochmal bis um halb neun. Mann und Sohn schliefen ebenfalls so lange, wenn auch mit deutlich mehr Unterbrechungen, wie mir berichtet wurde.

Die Entscheidung

Am Mittwoch bin ich dann erneut zum Arzt. Der schaute die Mandeln an und bestätigte mir, dass das Antibiotikum nicht wirkt. Was wir nun machen wollen. Es wurde noch ein weiteres Mittel geben, mit dem ich nicht abstillen müsse. Allerdings seien diese Mittel eben oft nicht so wirksam wie die anderen.

Und zum ersten Mal seit längerem stellte ich meine Gesundheit an erste Stelle. Ich sagte dem Arzt, dass er mir das Mittel verschreiben solle, mit dem ich am ehesten schnell wieder gesund werden würde. Und wenn das bedeuten würde, dass ich abstillen müsse, dann wäre das so.

Er gab mir das Rezept mit dem eindringlichen Hinweis, dass ich damit wirklich nicht stillen dürfe.

Auf dem Weg zur Apotheke überkam mich Traurigkeit und Zweifel. Ich fühlte mich egoistisch. Schwach. Ungenügend.

Trotzdem nahm ich das Mittel. Nur ein paar Stunden später ging es mir deutlich besser.

Dafür dürfen wir nun nicht mehr stillen. Den ersten Tag war das streckenweise ziemlich anstrengend. Der Sohn verlangte danach und ich fühlte mich schlecht, weil ich ihm nicht gab, was er so sehr wollte. Ich habe jedoch schnell bemerkt, dass man ihn gut ablenken kann. Wenn ich ihm stattdessen ein Buch zeige, etwas anderes zu trinken oder essen gebe oder einfach mit ihm Quatsch mache, ist er nicht lange unzufrieden.
Abgestillt

Drei Tage später

Ich bin wieder gesund. Und wir haben wohl abgestillt. Ich kann es selber kaum fassen. Zum einen, dass es so plötzlich kam und zum anderen, dass der Sohn es so gut akzeptiert hat.

In der Nacht schlafen wir alle zusammen im Familienbett. Der Sohn wacht immer noch regelmäßig auf, weint, schläft dann aber auch schnell wieder ein. Er fordert nicht gestillt zu werden. Heute Nacht hatten Finn und ich beide das Gefühl, dass er viel seltener aufgewacht ist als sonst. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.

Ich bin irgendwie traurig, dass die Stillzeit nun vorüber ist aber ich denke auch, dass das der richtige Zeitpunkt für uns war. Ich bin gespannt, ob sich nun etwas an unseren Nächten ändert und ob Papa jetzt vielleicht eine wichtigere Rolle spielen wird. Bisher war er sehr eindeutig die „Nummer 2". Auf jeden Fall geht es uns gut. Auch ohne Stillen 🙂

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Hi! Ich bin Nele. Erzieherin, Bachelor-Psychologin und seit 11/2016 Mama von einem bezaubernden Jungen. Hier auf meinem Mama-Blog erfährst du, was mich bewegt und beschäftigt.


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