Aber bitte ohne Tierleid!

Björn Moschinski ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten Veganköche in Deutschland. Nicht nur als Koch, sondern auch als Berater, Buchautor und Workshopleiter inspiriert er viele Menschen – und richtet sich in seinen Büchern auch an Menschen, die nicht vegan leben.

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Seit seinem 15. Lebensjahr lebt er selbst jedoch vegan – und das aus Überzeugung. Sein Totschlagargument gegen Gegner der veganen Lebensweise? „Ich lebe seit fast 19 Jahren vegan und erfreue mich bester Gesundheit“, so Moschinski im Interview mit dem Magazin Freiheit für Tiere.

Was ihn in so jungen Jahren zu dieser Entscheidung bewegt hat? „Es waren ethische Bedenken, die mich zuerst Vegetarier und dann sehr schnell Veganer werden lassen haben“, erzählt er dem VEBU (Vegetarierbund Deutschland).
Eigentlich habe er eine Ausbildung zum Mediendesigner gemacht und keine klassische Kochausbildung. Doch er koche jetzt schon seit über zehn Jahren auf professioneller Basis und in Zusammenarbeit mit vielen großen Namen.

Eine davon ist das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. Während des Projekts realisierte Moschinski gemeinsam mit dem Verein in Berlin Kochkurse für Kinder. Er empfindet diese Art von Schulung als eine „große Chance, die zukünftige Entwicklung unserer Ernährungsweise positiv zu gestalten“. Er freue sich über die positive Reaktion der Kinder. Viele solcher Aktionen seien für die Zukunft geplant. Weitere bildungsspezifische Angelegenheiten finden sich beispielsweise im Ausbildungssystem: Es gebe nach wie vor keine vegane Kochausbildung. Zwar sei eine Initiative errichtet worden, in der eine private vegane Zusatzausbildung absolviert werden könne, aber diese werde staatlich nicht anerkannt. „Meine eigene Idee ist es, im Zuge des Produktionsstandortes eine Art College aufzubauen. College heißt für mich die Schulung von Köchen, eine Art Intensiv-Training von 3-4 Wochen“, verrät Moschinski.

Was für einen Teil unserer Gesellschaft abgemagerte Körneresser darstellt, ist für einen anderen Teil ein bewundernswerter Akt: Moschinski bringt während seiner Mensaschulungen anderen Köchen Veganismus bei – und trifft auf Begeisterung und Zuspruch. „Eine wichtige Erfahrung“, wie er in einem Interview mit der Albert-Schweitzer-Stiftung verkündet. Seine Überzeugungskraft liege dabei in den qualitativ hochwertigen veganen Rohstoffen, die er zur Zubereitung der Gerichte benutze. „Ich denke, das Besondere an meinen Schulungen ist der theoretische Teil“, berichtet er stolz. In seinen Workshops thematisiere er unter anderem die Vorteile der veganen Küche in Bezug auf Ökologie, Gesundheit und Tierschutz. Er erwähnt im Interview auch, dass „vegane Produkte um ein Vielfaches günstiger sein können als entsprechende Produkte tierischen Ursprungs“. Diese These überrascht viele Menschen, da die vegane Lebensweise oft mit teuren Produkten und einem hohen Lebensstandard assoziiert wird.

Die Kostenproblematik dürfte in Moschinskis ehemaligem Vegan-Restaurant „Kopps“ in Berlin-Mitte, welches 2011 eröffnet wurde, jedenfalls kein allzu großes Thema sein. Dort kommt zu fairen Preisen eine Vielfalt von rein pflanzlich zubereiteten, aber trotzdem deftigen und herzhaften Gerichten auf den Tisch. Gäste dürfen sich dort über eine große Auswahl von Kuchen, Torten, Snacks, Cocktails und Wein freuen. Was viele Menschen positiv überrascht, ist die Tatsache, dass die bürgerlich-deutsche Küche im „Kopps“ mit ihren Fleischalternativen den herkömmlichen Gerichten verblüffend ähnelt. Deshalb lassen sich zum Beispiel begehrte und gängige Speisen wie Rouladen, Würstchen, Steak und Schnitzel Wiener Art auch 100% pflanzlich zubereiten. Der Geschmacksunterschied zwischen Fleischgerichten und Gerichten mit Fleischalternativen sei kaum zu spüren.

Aber warum muss man den Fleischgeschmack „veganisieren“? Moschinski antwortet: „Ich wollte keinen Beilagen-Vegetarismus und auf gewohnte Gerichte verzichten. Wir möchten Menschen bieten, was sie mögen – das aber bitte ohne Tierleid. Auf diese Weise kann man interessierten Menschen zeigen, dass vegan nicht gleich Verzicht und öde Gemüseküche bedeuten muss, sondern einfach nur ein Umstieg auf Alternativen.“

Auch wenn das „Kopps“ nun von einem neuen Besitzer geführt wird, gibt es keinen Grund zur Trauer: Moschinski erfreut sich seines zweiten Restaurants namens „Mio Matto“ in Berlin, eröffnet im Herbst 2013. Diesmal begrüßt der sympathische Veganer uns mit mediterranen Speisen und italienischem Flair. Während des Gesprächs mit dem Magazin essen&trinken erfahren wir von ihm, dass die Inneneinrichtung von demselben Architekten gestaltet wurde wie im „Kopps“. Es gibt einen lockeren Bereich mit Mittagstisch, Buffet, Vorspeisen und Desserts, wo sich die Gäste selbst bedienen können. Wer es etwas luxuriöser mag, wird sich im Fine Dinning-Bereich wohler fühlen: Dort soll es zukünftig 5-Gänge-Menüs, Wein und Gerichte à la carte geben.

Wie also könnte die Zukunft des Veganismus in der Gesellschaft aussehen?

„Den Umschwung sieht man schon beim Einkaufen“, erklärt Moschinski. „Discounter führen Sojamilch, Supermärkte haben sogar vegane Fleischalternativen.“ Seitens der Industrie werde wahrgenommen, dass sich langsam, aber sicher eine neue Käuferschicht entwickelt. Ausschlaggebend für diese Einstellung seien auch die Skandale der Fleischindustrie: „Man kann viel schönreden, aber solange weiterhin auf diese Art mit Tieren umgegangen wird, wird es auch weiter die ökologischen, gesundheitlichen und tierrechtlichen Probleme geben. Solange Tiere nur als Ware gesehen und zu Schleuderpreisen verschachert werden, kann da nichts passieren“, so Moschinski 2011 im Gespräch mit Benedikt Ernst. Als er auf potenzielle vegane Sternenrestaurants angesprochen wird, wirkt er recht zuversichtlich: „Ich denke, das sollte kein Problem sein (…) Wenn die Grenzen in den Köpfen der Jury verschwunden sind, sollte das möglich sein.“

Da bleibt fraglich, ob sich der vegane Trend durchsetzen kann und wird. Zumindest in Deutschland sieht Moschinski eine große Chance für eine pro-vegetarische oder pro-vegane Entwicklung der Bevölkerung. „Vielleicht werden wir nicht die ältere Generation erreichen, weil die zu sehr auf Fleisch eingestellt ist, aber ich bin mir sicher, dass die Generation, die danach kommt, sich entsprechend umorientieren wird.“

Nur im Ausland befürchtet der Chefkoch große Probleme bei der Umstellung: Besonders in den Schwellenländern wie China oder Indien gelte das Fleisch aufgrund der hohen Bevölkerungszahlen als Luxusartikel.


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