Ab 14:57

Wäre “Crisis on Naboo” nach 14 Minuten und 57 Sekunden zu Ende gewesen, wäre diese Folge nicht viel mehr als eine weitere “Die-Jedi-retten-wieder-mal-den Tag” Geschichte. Wobei ich zugeben muss, dass das Abschlusskapitel der “Obi-Wan spielt seinen eigenen Mörder” Quadrologie deutlich weniger unlogisch ist als seine Vorgänger: sowohl der Plan Dookus Palaptine zu entführen als auch die Ideen der Jedi dies zu verhindern haben durchaus Hand und Fuß.

Ein wesentlicher Puzzleteil im Plan von Moralo Eval und seinen Spießgesellen sind dabei die sog “Shadow Hologramme” – eine Art dreidimensionale Matrix, in die eine Person “hineinschlüpfen” kann und die es ihrem Träger ermöglicht, sich in beliebige andere Wesen zu verwandeln. Dabei spielt die Größe der Person, die dieses Hologramm “trägt” scheinbar keine Rolle, denn immerhin schafft es Embo – samt seinem Hut! – sich auf diese Weise in eine Senatswache zu verwandeln.

Ab 14:57

Obi-Wan probiert sein Faschingskostüm

Erfunden wurden diese Hologramme übrigens vom Kopfgeldjäger Sinrich, den wir in der vorhergehenden Episode kurz kennenlernen durften, der jedoch selbst nicht mehr die Gelegenheit bekam, seine Erfindung auszuprobieren. Schon toll, was Kopfgeldjäger so alles können! Man erfährt jedoch nicht, ob es der Republik gelungen ist, dieser Erfindung habhaft zu werden, sie könnte für den weiteren Kriegsverlauf von großem Nutzen sein.

Jedenfalls sieht es nach knapp 15 Minuten so aus, als wäre die Gefahr gebannt und Palpatines Entführung kolossal gescheitert. Die letzen knapp 7 Minuten heben diese Folge jedoch deutlich über den Durchschnitt hinaus. Da ist zunächst Anakins Reaktion als er erfährt, dass nicht nur Yoda und Mace Windu ihm nicht die Wahrheit über Obi-Wans Schicksal erzählt haben, sondern dass dies sogar die Idee seines ehemaligen Meisters war. “How many other lies have I been told by the Council?” schleudert er Obi-Wan wutenbrannt entgegen.

Ab 14:57

Ein gebrochenes Vertrauen

Doch während Yoda und Windu das Ganze als eine kaum nennenswerte Lappalie abtun, erkennt Ob-Wan, dass er damit einen Fehler gemacht hat, der sich vielleicht nicht wieder gutmachen lässt. Diese paar Sekunden ist sowohl von den Animateuren gut umgesetzt als auch von James Arnold Taylor und Mat Lanter perfekt gespielt. Für mich eine der stärksten Szenen der gesamten Staffel.

Gleichzeitig arbeitet Palpatine mit mehr oder weniger subtilen Mitteln weiter daran, einen immer tieferen Keil zwischen Anakin und den den Jedirat zu treiben, indem er seine Verwunderung darüber äußert, dass dieser ihn nicht ins Vertrauen gezogen hat und dass das wohl nur daran liegen kann, dass sie seine Fähigkeiten nicht erkennen. Kommt uns das nicht bekannt vor? Aber wie sagt man so schön: steter Tropfen höhlt den Stein.

Schließlich trifft Anakin einmal mehr auf Dooku und die beiden liefern sich ein weiteres Lichtschwertduell – das wievielte eigentlich? Großartig ist in dieser Situation das diabolisch Lächeln mit dem Palpatine den Kampf zwischen seinem derzeitigen und seinem zukünftigen Schüler beobachtet. Dies erhält sogar noch zusätzliches Gewicht, wenn man die Rolle bedenkt, die Palpatine lt. dem Darth Plagueis Roman Dooku zugedacht hat: nicht mehr als ein Platzhalter für Anakin bis dieser alt genug ist um Darth Sidious neuer Schüler zu werden.

Ab 14:57

Der Meister beobachtet seine Schüler...

Echt gut inszeniert ist schließlich auch Dookus schier grenzenlose Arroganz und seine mehr als deutlich gezeigte Geringschätzung gegenüber Anakin. So ist es wohl kein Wunder, dass Palpatine ihn auf der “Invisible Hand” nur leicht “motivieren” muss, damit er dem Graf den Kopf abschneidet. Auch frage ich mich, ob Dooku zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon spürt, dass dieser junge Mann ihm in Zukunft noch sehr gefährlich werden wird und er ihn deshalb bei jeder Gelegenheit niedermacht.

Ab 14:57

Lichtschwertkampf - der x-te!

Doch kommen wir nun noch zu einem anderen Punkt: was in der gesamten Geschichte nicht klar wird ist, was Dooku mit der geplanten Entführung des Kanzlers überhaupt erreichen wollte (wenn sie denn funktioniert hätte). Ist dies ein früher Versuch dessen, was wir später am Beginn von Episode III sehen? Hätten Palpatine und Dooku sich ein paar ruhige Tage irgendwo im Outer Rim gegönnt und sich herzlich über die Dummheit des Senates und des Jedi-Rates amüsiert, bevor Dooku seinen meister auf irgendeinem Hinterweltplanten abgesezt hätte, damit dieser erzählen kann, ihm wäre in einem unaufmerksamen Moment die Flucht geglückt? Oder hätte Dooku die Gelegenheit genützt, um sich vielleicht sogar gleich seines Meisters zu entledigen?

Manchmal frage ich mich, ob sich der Graf seiner Rolle in diesem Krieg bewusst ist und ob er nicht vielleicht wirklich möchte, dass die Separatisten diesen Krieg gewinnen. Was hat ihm Palpatine/Sidious wohl über den “großen Plan” der Sith, der hinter alldem steht erzählt?

Was es sonst noch zu erwähnen gibt:

  • Diese Folge bedeutet das Seriendebüt von Sio Bibble. Zwar war der Gouverneur bereits in der 1. Staffel in einem der Webcomics zu sehen, hier taucht er aber zum ersten Mal voll animiert auf. Allerdings sagt er nichts. Kein “Ourtageous”, kein “Unthinkable”.
  • Das Feuerwerk über Theed enthält ein Muster, das stark an den Opening Crawl der SW Filme erinnert – man kann allerdings nicht lesen ob es wirklich Worte sind.
  • Anakin wird in dieser Folge sogar zweimal gegrillt – das kann nicht gesund sein!
  • Die Szene, in der Palpatine und Anakin in den Bankettsaal kommen und dort von Dooku erwartet werden erinnert stark an die Szene auf Bespin in ESB. Dooku sagt allerdings nicht “We would be honored, if you could join us.”
  • Am Ende dieser Folge sagt Anakin zu Palpatine den folgenden Satz: “As long a I live, no harm will ever come to you!” Ich frage mich, ob sich die beiden rund 25 Jahre später an diesen Satz erinnern, als Vader/Anakin Sidious in den Reaktorschacht des zweiten Todessterns wirft…

Die obigen Bilder und noch viele mehr gibt es wie immer auf meiner Flickr Seite.