93. Pergamon

WF SCHMID: Ich find ja das Rezeptions­potential des Buches zwischen Gedicht­band und Aus­stel­lungs­katalog spannend. Wenn wir mal nur vom Text ohne seine Funk­tion inner­halb der Aus­stel­lung ausgehen: Siehst Du, in Hin­blick auf Deine Dich­tung, das Buch wider­spruchs­frei als Gedichtband?

GERHARD FALKNER: Ich höre es bei Dir zwischen den Zeilen immer ein bisschen knistern und knirschen.
Wir haben in Deiner Frage weder die Priorität, das Sujet oder Genre, noch die Reihenfolge erfasst. Ausstellungskatalog passt wirklich gar nicht. Zwar gibt oder gab es gerade diese „Ausstellungen“ zu diesem Thema, das Panorama von Asisi und die Zusatzausstellung „Pergamon“ im Nord­flügel, die sind aber nicht Gegen­stand der Texte. Der Fries ist nicht (oder nur über um­ständ­liche Begriff­lich­keiten) eine Aus­stellung, sondern er erscheint als ein zen­trales Kunst­werk der Kunst­geschichte, wie etwa der Kodex des Hammurabi, das baby­lonische Ischtartor oder das Markttor von Milet.
Die Texte sind nicht ausstellungs­bezogen, sondern penetrant und immanent auf die Gigantomachie.
Sie sind ent­standen, ich wiederhole das, als Texte zu Video-Clips, die das Museum für Werbe­zwecke bei Bboxx-Filme in Auf­trag gab. Sie mussten eine gewisse Verständlichkeit aufweisen, ohne vor den Weich­spül­verfahren der Werbe­branche in die Knie zu gehen.
Dass wir das erreicht haben, zeigt der Erfolg, zu dem wesent­lich die beiden Filme­macher beigetragen haben. Die Aufrufe, wenn man Youtube und die Platt­formen des Per­gamon Museums zusammen­nimmt, gehen bereits in die Zehn­tausende.
Wann hat Lyrik zuletzt so etwas erreicht?
Der wunderbare Artikel von Gustav Seibt in der SZ war ja nur der Startschuss. Die Filme werden demnächst auf der Agora in Athen gezeigt, sind prominent am Er­öff­nungs­abend des ILB nach der Rede von Liao Yiwu platziert und stehen im nächsten Semester in Harvard auf dem Vor­lesungs­plan. Das Pergamon Museum hat auf Grund des Erfolgs sogar den Kino Trailer in den Ber­liner Kinos ein zweites Mal auf­genommen. Wir haben damit den Beweis geliefert, dass auch kom­plexe und poetische Texte als Werbung (die das permanent leugnet), funktionieren können.
Erst wenn diese Gedanken alle bedacht und abge­handelt sind, dann kommt der Gedicht­band.
Ich hatte zuerst auch die Bedenken, O Gott, ent­täusche ich mit dieser etwas leichteren Zugäng­lich­keit das kleine Häuflein Einge­schwo­rener, das jede Bühne stürmt, die sich da­rauf einlässt, als leeres Haus zu enden.
Und dann, ja natürlich sehe ich das Buch schluss­endlich, nachdem ich es auf einen ent­sprechenden Umfang erwei­tern konnte, als Gedicht­band. Als was sonst.
Nachdem ich es geschafft habe, dass praktisch jeder meiner Gedicht­bände sehr unter­schiedlich ist, gibt es somit einen neuen, der dieses Kriterium ebenfalls erfüllt. Und auch der nächste, der in Arbeit ist, wird dies wieder in einer sehr anderen Weise und dann auch wieder formal komple­xeren Weise sein.
Ob widerspruchs­frei, das würde ich auch da mit Vergnügen nicht garan­tieren.

(…)

WF SCHMID: Da gibst du aber (unbewusst?) auch gut Verweise zu den Gedichten selbst. Also jetzt hier die Oper, die keinen geringen Platz einnimmt, und weiter oben natürlich das Kino des Frieses, der in den Gedichten immer in Bewegung ist. Wie wichtig ist Dir eigentlich das jetzt­zeitliche surrounding der Texte wie etwa auch der Klingeltondownload oder die Frage nach den Gigabyte des Frieses?
Das trägt ja auch nicht wenig zu den Brüchen bei. Da fällt mir aber grad noch auf, dass das ja auch für die Mar­kierung des Rezeptio­nisten-Blick­winkels der Texte sorgt. Was war deine primäre Absicht mit dem „surrounding“?

GERHARD FALKNER: Mir ist das sehr wichtig, denn nur dadurch lässt sich erhalten, was Dich­tung durch alle Zeiten hindurch bestands­fähig gemacht hat.
Den Löwen von gestern füttern mit den Ga­zellen von heute. Ottos Mops kotzt hat uns zwar alle amü­siert, aber wir möchten es ja nach allem, was sich bis dahin in der und durch die Dichtung bewegt hat, auch nicht dabei be­wenden lassen. Schließ­lich hatten die Deutsch­lehrer 30 Jahre lang ihren Spaß damit.
Ich jedenfalls ziele eher auf die Einge­weide, das Gehirn jetzt mal dazu­gezählt. Mir sind sublime und aura­tische Zugänge zur Sprache wichtig, die müssen aber durch zeit­gemäße Verfahren und Voka­bularien immer neu er­schlossen werden. Es muss aus der Hüfte kommen und ins Schwar­ze treffen.
Alles Basteln in der Literatur ist mir ein Gräuel.
Zur Zeit arbeite ich an einem Gedicht­band, der „Schorf­heide“ heißen wird. Im Unter­titel: „Verland­schaft­lichung von Libellen, neuro­logi­schem Gras und Denk­mo­del­len.“
Da komme ich dann noch mal aus einer ganz anderen Ecke, indem ich ver­suchen werde, Natur­gedichte auf ihre Diskurs­belast­bar­keit zu prüfen, und sie trotzdem so aussehen zu lassen, wie Kirchen­lieder.



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