89. Wenn du ich bist

89. Wenn du ich bist

L&Poe Woche der türkischen Poesie

Der Wein bedeutet nicht das alkoholische Getränk aus Trauben und die inbrünstige Liebe nicht Eros und Sex. Und doch, wären die Metaphern verständlich und wahrhaftig, wenn es nicht den wirklichen Wein und die wirkliche Liebe gäbe? Das gilt vom Hohen Lied der Bibel, das seine Metaphern von der ältesten individuellen Liebeslyrik borgt, der altägyptischen. Das gilt ebenso von islamischen und christlichen Mystikerinnen.

Zwei Episoden aus einer Biographie des Dichters Rumi, der im Jahr 1207 in Belkh im Lande Khorasan im heutigen Afghanistan geboren wurde und im Alter von 5 Jahren über Mekka nach Anatolien kam. Er starb 1273 im anatolischen Konya. Sein Grab wird jährlich von über einer Million Menschen besucht.

1

Als der Prophet Mohammed die Nähe Seines geliebten Wesens erreichte und Er die Bedeutung der Verse Allahs Subhan (der nicht Fehlerhafte) verstand und alles göttliche Geheimnis und Wahrheit vollständig begriff, bot man Ihm (fsmi*) zwei Gläser an und gebot ihm, eines auszuwählen. In einem war Wein und im anderen Milch. Der Prophet Mohammed (fsmi) wählte das Glas Milch. Er (fsmi) überließ das andere, das Glas Wein, dem hervorragendsten Gelehrten unter seinen Anhängern. (S. 80)

2

Rumi hatte einen geliebten Freund, Shams. Als der nach einer Trennung zurückkehrte, wurde Mawlana sehr glücklich. Die höchste Vereinigung streifte die Bande des brennenden Verlangens ab und wurde frei. Die Freunde begannen wieder in Abgeschiedenheit zu leben. Sie wurden zwei Seelen in einem einzigen Körper. In seinem berühmten Buch Mathnawi erzählt Mawlana die spirituelle Gemeinschaft, die ihn mit Shams verband, in folgenden Versen:

 Jemand kommt und klopft an die Tür seines Geliebten.

Der Geliebte sagt: Wer klopft an die Tür?

Ich bins, antwortete der Liebende. Der Geliebte sagte: Geh! Komm nicht jetzt! Ein Tisch wie meiner kann nicht das Heiligtum eines spirituell Unreinen sein.

Der Mann ging, und ein Jahr lang brannte er wie eine Kerze in Sehnsucht nach seinem Geliebten. Nachdem er höhere Spiritualität erreicht hatte, kam er zurück und lief um das Haus seines Geliebten. Er fürchtete sich vor gemeinen Worten und klopfte ganz sanft an die Tür.

Wer ists? fragte der Geliebte.

Du hast mir mein Herz gestohlen, antwortete der Liebende.

Wenn du ich bist, komm herein, sagte sie**, in meinem Haus ist kein Platz für zwei.

/ Osman Behçet: Mawlana Jalal al-din Rumi. His Life and His Path. Konya 2007, S. 17f

*) fsmi: Friede sei mit ihm!

**) sic. Vielleicht sollte man „den Geliebten“ im ganzen Text feminin übersetzen. Im Persischen ist die Form nicht unterschieden. Aber in dieser Geschichte ist das wohl unwesentlich. Shams, der geliebte Partner Rumis, aber wurde 1247/48 offenbar von Neidern oder Eiferern ermordet.



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