8. April 2012, Schottisches Intermezzo, 8.41 Uhr

8. April 2012, Schottisches Intermezzo, 8.41 Uhr

Der Himmel ist blau, das sich langsam Richtung Horizont ins Weiß verliert, als hätte die Farbe zum Auftragen nicht ausgereicht. Kein Anstreicher zu sehen. Weit und breit ist nichts und niemand zu erblicken. Alle schlafen, selbst die Vögel, die mich in der letzten Zeit mit ihrem Gekreisch aus dem Schlaf befördert haben, sind entweder verreist oder noch in ihre Träumen vertieft.

Die Lektüre dieser Tage bannt mich, ich habe mich verloren in den Romanen von A.L. Kennedy und John Burnside, beides Schotten, die mit ihrer Sprache wunderschöne Späne aus einem besonders dunklen Holz schälen. Satz für Satz fällt kein Abfall, sondern stürzen filigrane Engelfiguren, die leicht wie Luft scheinen und doch tief und schwer wie die ganze Welt sind.

Und natürlich muss ich da wieder an Edinburgh denken, an den Ruß, der in der Luft lag, an die jungen Frauen, die in den Nächten durch die Stadt stöckelten, betrunken und auf der Flucht vor dem, was sie nie sein werden. Kichernd schoben sich die Trauben an jungen Männern vorbei, sie beschnüffelnd, rufend, stets in der Gefahr in eine der engen Gassen gezogen zu werden, die tief hinab führen, die sich in einer Finsternis verlieren, die kein Neonlicht aufzuhellen vermag.
Keine Stadt ist der Seraphe und mir lieber. Die Menschen, kernig, mit Tattoos übersät, sodass sie wie wandelnde Kunstwerke über die Princes Street wanken. Liebenswürdige Zeitgenossen, die, fragt ein Busfahrer seine Passagiere, ob sie Geld wechseln könnten, alle – ausnahmslos – nach ihren Geldbeuteln greifen, prüfend, wie und ob man helfen könne.
Und auch den König der Burg sahen wir bereits, der sich mit geschlossen Augen vor uns über die Pflastersteine nach oben schob, während Sternchen und ich einen frittierten Marsriegel verspeisten, flüssige Schokolade zwischen den Zähnen. Blind wie ein Maulwurf und betrunken wie eine ganze Kompanie torkelte er in seine Burg, um zu pinkeln, den Anrufbeantworter abzuhören. Wir wissen es nicht. Irgendwann kam er zurück, der König von Edinburgh und ging sich selbst auf die Nerven. Diese Straße? Oder diese? Also blieb er stehen und wartete auf Möwen, damit sie sich in seinem Haar ein Nest bauen konnten.
Keine Stadt sah ich je, die so betrunken und so lebendig war. Alles fiel sich in die Arme. Man feierte das Leben, als sei der letzte Tag auf Erden angebrochen. Dort muss es einen nicht wundern, wenn man am Morgen auf einem alten Grabstein erwacht, denn die Toten mögen Gesellschaft.

Aus der Küche dringt Gemurmel, denn Seraphes Schwester ist bei uns. Wie bei einem Tischtennisturnier fliegt der Wortball hin und her, nicht ohne die Einmischung unseres Vogels, der, um mir seine lauten Aufschreie zu ersparen, unter seinem Tuch sitzt. Wir gaukeln ihm Dunkelheit vor, damit er denkt, es sei noch Nacht, die von den Gesprächsfetzen der Schlaflosen oder der Gespenster durchdrungen ist. Eine Geisterstunde am helllichten Morgen.
Sternchen schläft noch. Wir werden uns heute nach K begeben, weil die Familie dort zusammenkommt. So halten wir es an Weihnachten, so halten wir es an Ostern.



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