75. Oskar Pastiors ungewohnte Gewöhnlichkeit

Neben den Reden tauchen in den Essays bekannte und fast vergessene Namen auf: Oskar Pastior oder M. Blecher, Roland Kirsch oder Theodor Kramer und nicht zuletzt Emil Cioran. In zwei Texten äußert sich Herta Müller zu ihrem Freund Oskar Pastior, in einem ausführlichen Essay über seine Gedichte, in dem sie von seiner ungewohnten Gewöhnlichkeit spricht. In Rumänien, im Land der Improvisationen, die das Gewöhnliche übertrafen, seien seine Gedichte aus der Notgedrungenheit dieser Improvisation entstanden. In Herta Müllers Interpretation wurden seine Gedichte zum Gebrauchsgegenstand, die sie auf ihre Not zugeschnitten habe. Wie sie zeigt, indem sie den Assoziationen nachhorcht – „Schpektrum“ etwa wird zur „Perspektive“ –, gibt es nicht nur eine politische, sondern auch eine existenzielle Lesart seiner Gedichte. So mutiert das Gedicht „Minze Minze flaumiran Schpektrum“ zu einer Beschwörungsformel. …

In ihren Essays lässt Herta Müller ihre ars poetica aufleuchten, das anfängliche Misstrauen gegenüber der Sprache ist stets nötig, um aus den Wörtern das herauszulocken, was ansonsten verborgen geblieben wäre, um auszuloten, „was die Wörter vorher nicht wussten“. Und das macht die Poetik Herta Müllers aus und letztendlich die Poesie ihrer Texte. / Edith Ottschofski, Siebenbürgische Zeitung

Herta Müller: „Immer derselbe Schnee und immer derselbe Onkel“, Carl Hanser Verlag, München 2011, 256 Seiten, geb., Preis: 19,90 Euro, ISBN 978-3-446-23564-9.



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