64. Sand und Perlen

Starke Verse fand der Meister auch für sein Handwerk: „Ich ziehe am Ufer einen Strich in den Sand: / Nur wenig später spült die Flut ihn weg. / Genauso geht es dem Gedicht.“

Schöne Seiten hat das kleine Buch. Aber: Viele Texte wirken belanglos oder nicht zu Ende gedacht („Rätsel sind nicht so wie sie erscheinen, / Und Worte reichen selten zum Erklären“). Manche Zeile kommt allzu blumig, affektiert daher, Verse holpern, und man weiß nicht: Liegt es am Versmaß der alten Lusitaner oder an der Übersetzung? „Dem Meer dreh ich den Rücken zu, versteh es ja, / Zu meinem Menschsein ich zurück mich kehre. / Wie viel da ist im Meer, finde ich staunend / In meinem kleinen Sein, das ich wohl sehe.“ Man lese diese Zeilen laut: unmöglich. Da ist viel Sand zwischen Treibgut und Perlen. / Uwe Stolzmann, DLR

José Saramago: Über die Liebe und das Meer. Gedichte
Aus dem Portugiesischen von Niki Graça
Hoffmann und Campe, Hamburg 2011
103 Seiten, 15 Euro



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