63. Von der Zeche

Natürlich habe ich die Zeit, über die ich in dem Zyklus geschrieben habe, nicht selbst miterlebt, also war Recherche notwendig. Andererseits gab es aufgrund meiner Familiengeschichte durchaus auch einen sehr persönlichen Zugang. Meine beiden Großväter haben auf der Zeche gearbeitet, der eine untertage, der andere in der Kohlenwäsche. Beide habe ich nicht mehr kennengelernt, denn einer starb in den 60er-Jahren bei einem Grubenunglück, der andere an der unter Bergleuten so weit verbreiteten Staublunge. So vermengt sich dies im Schreiben womöglich zu einer Art historischen wie persönlichen Spurensuche, die hineinreicht bis in die Gegenwart und im besten Falle verschiedenste Schichten offenlegt: historische, biographische, poetische und Gesteinsschichten. Aber das Schreiben ist bei mir dadurch nicht monothematisch geworden, ich bin sicherlich kein neuer Arbeiterdichter oder literarischer Heimatkünstler. Es ist einer von vielen Aspekten meiner literarischen Arbeit.

/ Christoph Wenzel über seinen neuen Gedichtband “weg vom fenster”, Literaturland Westfalen



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