52. Bewegend und abgründig

Der Biograf spricht von «einer der schönsten, traurigsten, geheimnisvollsten Liebesgeschichten der Weltliteratur». Dieses Pathos ist nicht zu hoch gegriffen. Ohne diese ungewöhnliche Liebe wäre eines der bemerkenswertesten, bewegendsten und auch abgründigsten Werke der Weltliteratur nicht entstanden, zumal nicht die «Hymnen an die Nacht» und das Romanfragment «Heinrich von Ofterdingen» mit seiner Vereinigung von Liebe und Poesie. Die Forschung hat gerne diskutiert, ob Novalis auch ohne sein Sophie-Erlebnis zu seiner Dichtung gefunden hätte. Man kann die Frage getrost auf sich beruhen lassen; sie ist so unbeantwortbar wie müssig: Mit diesem Erlebnis hat er dazu gefunden. …

Die Briefe und vor allem das aussergewöhnlich freimütige «Journal», das Novalis nach dem frühen Tod der Braut geführt hat, ein in seiner Direktheit, Unverstelltheit, ja Tabufreiheit singuläres Dokument, gestatten hier tiefere Einblicke als die mystische Nacht-Lyrik selber. / Ludger Lütkehaus, Neue Zürcher Zeitung 12.1.

Wolfgang Hädecke: Novalis. Biografie. Carl-Hanser-Verlag, München 2011. 399 S., Fr. 38.90. Gerhard Schulz: Novalis. Leben und Werk Friedrich von Hardenbergs. Verlag C. H. Beck, München 2011. 304 S., Fr. 37.90.



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