37. Serbien, offene Szene

37. Serbien, offene Szene

Serbien ist Schwerpunkt auf der Leipziger Buchmesse 2011. Konsequent folgt die Messe damit ihrer Akzentuierung auf Südosteuropa (2007 Slowenien und 2008 Kroatien). Eine deutschsprachige Seite http://literatur.rs/ liefert viel Material.

Ich grübele ein wenig über den Eingangssatz von Mihajlo Pantić zu einem Überblicksartikel über „Die neue Gestalt der serbischen Literatur“:

Die zeitgenössische serbische Literatur, Prosa und Drama mehr als Poesie, folgt ihrem Lebenselement, schwimmt mit dem Strom und gegen ihn, hält den Kopf über Wasser, ruft manchmal um Hilfe, verführt dann und wann, mitunter gilt sie als weise und inspirierend, manches mal in seichten Wassern planschend.

Heißt das, Prosa und Drama würden stärker als die Poesie „ihrem Lebenselement folgen“, „mit oder gegen den Strom schwimmen, um Hilfe rufen, verführen und mal weise sein, mal seicht? Oder daß wie andernorts auch andere Gattungen wichtiger sind?

Etwa 10 Millionen Menschen sprechen die serbische Sprache, „nochmal so viele verstehen sie“, lesen wir, und mehrere Tausend neue Bücher erscheinen jedes Jahr. Vertraut mutet uns die Beschreibung an, die serbische lyrische Szene sei „sehr zergliedert und kaum kritisch erfasst“. Und wie viele Gedichtbände sind unter den tausenden Neuerscheinungen? Wenn wir die Übersichtlichkeit der Szene in Deutschland bedenken, wo uns immer mal wieder von Kennern mitgeteilt wird, es erschienen „ungefähr 17 Debüt-Gedichtbände“ im Jahr, von denen ja ohnehin nur ein Bruchteil in die überregionale Presse kommt, und der geschätzt höchstens Mitte 20 an Titeln überhaupt, die es in die Debatte schaffen, stehen bzw. sitzen wir in Ehrfurcht vor der Zahl von „einigen Hundert“ lyrischen Neuerscheinungen pro Jahr im viel kleineren serbischen Sprachraum. Pantić hat gedämpftere Vorstellungen von der Dimension dieses angenähert Zehntels der Buchproduktion, er spricht davon, daß „die Poesie sich, auf ihren ‘Kapillarwegen’, wie eine Art Geheimwissen, trotzdem unter den restlichen selten interessierten Lesern (und Kritikern)“ ausbreite. Was uns wieder vertraut vorkommt.

Vertraut auch seine Beschreibung der Szene:

Mit dem Abgang der bedeutendsten und bedeutenden serbischen Lyriker im letzten Jahrzehnt des vergangenen und im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts, ist in der heutigen serbischen Poesie die offene, nicht-hierarchische Situation, in der die Prozesse der mythenbezogenen Reinterpretation der Kultur, die konstante Revitalisierung der Tradition und das Erproben der expressiven Macht der Sprache andauern, wiederhergestellt. Ich sehe keine Grund, einem aktuellen poetischen oder thematischen Konzept serbischer Poesie Vorrang einzuräumen: Alles ist im Spiel und hängt vom individuellen Talent und der erfolgreichen sprachlichen Realisierung ab.

Vielleicht wird man im deutschen Sprachraum trotz gewichtiger Verluste (ich nenne nur Wolfgang Hilbig, Thomas Kling und Ernst Jandl) kaum insgesamt vom „Abgang der bedeutendsten und bedeutenden“ Lyriker sprechen können. Wenn wir eine vergleichbare neue Unübersichtlichkeit haben, dann wohl eher durch das massive Auftreten zahlreicher neuer und neuartiger Stimmen in den letzten beiden Jahrzehnten. Trotzdem ein vergleichliches Bild, in dem kein einzelnes Konzept unbestritten herrscht und „alles im Spiel“ ist. Pantić:

Das Problem entsteht erst, wenn man eine Kanonisierung der Gegenwart vornehmen muss. Wer hier falsch beurteilt, verliert für immer. Ich bin glücklich, dass in diesen Verwicklungen, in denen es nicht leicht ist, sich zurechtzufinden, junge Autoren ihren Weg gehen, und dass die alten, ererbten Geschichten sie weder behindern noch zu stark binden. Die Gegenwartslyrik ist das Beste, das zur Zeit in der serbischen Literatur entsteht.

(Das meine ich ja von der deutschen auch).

L&Poe berichtet weiter.



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