29. Müritz Triathlon: Idylle, Landgang, Hechtsprung & Spaß – Teil I

Zum 29. Müritz Triathlon versammelten sich knapp 250 Triathleten im idyllischen Strandbad von Waren. Während die eine Hälfte am Morgen bei der Jedermann-Distanz an den Start ging, trat die andere bei der Mitteldistanz der Mittagshitze entgegen. Ich mitten unter ihnen – schwitzen, trinken, Salztabletten knabbern, beißen und noch mehr schwitzen. 

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Lange musste ich mich im Frühjahr mit der Enttäuschung der Absage des 70.3 Ironman in Berlin abfinden und war etwas orientierungslos. Ich wollte unbedingt noch eine Mitteldistanz als sehr harten Trainingswettkampf zur Vorbereitung des Berlin Man im August mitmachen. Irgendwann reifte nach einiger Recherche der Entschluss, dass der 29. Müritz Triathlon der köstliche Keks als Snack das Richtige ist, bevor mir mit der Mitteldistanz in Berlin das Tortenstück serviert wird.

Ein idyllischen Örtchen, ein übersichtliches Starterfeld, ein schönes kleines Strandbad, eine neue Herausforderung beim Schwimmen mit dem kurzen Landgang, nicht so weit weg von zu Haus entfernt, eine süße Wechselzone auf sauber geschnittenem Rasen. Es gab einiges, was für den Müritz Triathlon gesprochen hat.

Es konnte nur niemand ahnen, dass dieser Keks eine staubtrockene Angelegenheit werden würde. Zumal am Morgen noch alles nach den vorhergesagten Gewittern und Regenfluten aussah. Das Wasser der Müritz hatte sich auch so sehr abgekühlt, dass mit knapp 21° das Neoprenverbot in weite Ferne rückte. Sollte ich das nun gut finden? Sollte ich es nicht gut finden?

Am Vortag bei der Ausgabe der Startnummern in einem kleinen, geradezu familiär anmutenden Kreis, wurde leicht angedeutet, dass wir eventuell ohne Gummihaut ins Wasser müssten. Es war heiß, das Wasser nicht sonderlich frisch. Aber alles kein Problem. Denn ich hatte mich sowieso die vergangenen Woche damit abgefunden, ohne zu schwimmen. Witterungsbedingt verzichtete ich seit längerer Zeit auf den Anzug.

Am Abend vor dem Wettkampf konnten wir unsere wichtigsten Fragen an das Organisationsteam stellen – wie zum Beispiel zum Thema Streckenpläne, Verpflegungspunkte, Wechselzone… So war ich bestens informiert, konnte den Abend im schönen Hafenstädtchen Waren genießen und am nächsten Tag etwas länger schlafen.

Ich sammelte nur schnell meine Startunterlagen ein; ließ mich noch wegen dies und jenes auf der kleinen Messe von den beiden Sportausstattern beraten und ja, ein winziges kleines Goodie durfte es als Motivation auch sein. Alle anderen Athleten genossen die Pastaparty oder wahlweise Bratwurst und Ofenkartoffeln mit Quark. Sehr nett organisiert alles.

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Am Samstagmorgen trieb es mich trotz der Zeit, die ich bis zum Mittag hatte, recht bald in das Strandbad. Ich sah der ersten Gruppe auf der Jedermann-Distanz zu, während ich auf meinen Check-In wartete. Kurz vor elf meldete sich langsam aber sicher die Sonne zurück. Der Dunst verschwand und die Kühle im Schatten wandelte sich blitzartig in Wärme um. Schneller als erwartet, begann auch der Asphalt am Beginn der Radstrecke zu flimmern.

Ein kurzer Schwatz mit dem Kampfrichter. Alles ganz entspannt. Nummern und Helm zeigen, Bremsen kontrollieren lassen und das Monster von Tasche irgendwie mit in den abgesperrten Bereich wuchten ohne das Gleichgewicht neben dem schwarzen Flitzer zu verlieren.

Ich richtete erst einmal meine Wechselzone her. Da gibt es doch immer einiges zu tun. Die Atmosphäre gilt es ja auch noch aufzunehmen. Wie ich das liebe!

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Anschließend entspannte ich mich noch etwas bei Matcha und einem Haferriegel. Hier rund da dann noch ein Schwatz mit einigen Bekannten Gesichtern. Immer wieder faszinierend, wie klein die Triathlonwelt in der Region ist.

Wie immer rannte dann ganz plötzlich die Zeit. Ich musste mir die zweite Haut überziehen, die ordentlich an mir klebte. Noch einige Worte von den Kampfrichtern und schon konnten wir uns einschwimmen. Kurz, aber wirklich nur ganz kurz. Dann ertönte der Pfiff zum Herauskommen und alle Starter, Frauen wie Männer reihten sich am Strand auf.

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Irgendwie beschlich mich ein zugleich wunderbares wie auch ungutes Gefühl. Ich freute mich riesig, in wenigen Sekunden den Startschuss ertönen zu hören. Ich starrte auf die Zuschauer am Steg, der sich rasend schnell gefüllt hatte. So viele Neugierige für so wenige Starter. Die Gummihaut begann mich ordentlich zu nerven und mein Kopf brutzelte unter der viel zu großen Badekappe. Die Schwimmbrille saß plötzlich auch nicht mehr, aber es war keine Zeit mehr, um über all das nachzudenken.

Startschuss, Reinrennen, mein Puls. Aber eigentlich war ich so etwas doch gewohnt. Schwimmtraining mit einigen Landgängen stand schließlich nicht umsonst auf dem Trainingsplan. Aber diese Strandstarts haben es schon in sich. Zur Aufregung gesellt sich gleich der Kampfpuls. Hineinspringen, wieder aufstehen. Ich denke, das Wasser ist schon viel tiefer. Plötzlich stehen wieder Athleten vor mir. Also wieder hoch und hineinspringen. Immer so weiter bis man irgendwann keinen Boden mehr unter den Füßen spürt. Genau dann war es natürlich auch Zeit, dass endgültig die Brille nachgibt und Wasser hineinlässt. Ein Aquarium bildete sich vor meinem linken Auge. Kurz aus dem Wasser schauen, alles wieder zurechtrücken und tief durchatmen. Denn das Atmen fiel zeitgleich auch deutlich schwerer. Die Hektik um mich herum machte mich verrückt. Ich versuchte mir meinen üblichen Weg nach links außen zu bahnen, während die Luftnot immer schlimmer wurde.

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Ich zerrte am Kragen meines Anzugs. Der war ganz sicher eingelaufen, als er heute Morgen auf der Wiese auf mich wartete. Ich versuchte mir einen Überblick zu verschaffen, wo ich war und redete mir schreiend ein, dass es nun wirklich keinen Grund zur Panik gibt. Die zwei Bojen sahen so unendlich weit weg aus. Dabei dürften es maximal 350m sein. Trotzdem unendlich. Ich schrie weiter in mich hinein. Mein Herz behauptete aber partout, dass es nicht anders kann, als bis unters Kinn zu schlagen.

Notiz an mich:

So schnell geht man schon nicht unter! Panik hilft da auch nicht.

Die meterlangen Wasserpflanzen bahnen sich verdächtig nah den Weg an die Wasseroberfläche. Ich versuche sie nicht zu berühren, was ja total albern ist. Waren bestimmt ganz weit entfernt. Dennoch beruhigt mich die recht klare Sicht wenig.

Ich schrie weiter. Wo bitte war der Spaß? Also hier im Wasser gerade nirgends. Er musste doch aber irgendwo sein! Deshalb mache ich es doch. Deshalb habe ich mich auch so gefreut, endlich wieder bei einem Triathlon zu starten! Deshalb konnte ich es nach Treptow nicht wieder erwarten!

Ich wurde deutlich entspannter. Schwimme vor mich hin, überhole und werde überholt. Es ist, wie es sein soll. Mit der Ruhe kommt die Konzentration und der Spaß. Irgendwie.

Neben mir gesellt sich ein Mann, der zwischen Brustschwimmen und Kraul hin und her wechselt. Super, an dem muss ich dran bleiben. Er hat mit seiner Taktik so sicher den Überblick, wo wir hin müssen. Ich versuche immer neben ihm zu bleiben. Eine gute Strategie, wie sich später herausstellen sollte.

Erst Boje rechts liegen lassen, zweite Boje ebenfalls rechts lassen und parallel zum Strand zur dritten Boje schwimmen. Dann zurück Richtung Strandbad und die vierte Boje links passieren. Von da an begann ein regelrechter Kampf. Die hochstehende Mittagssonne machte es mir sehr schwer den hellen Strand bei flackerndem Wasser zu erkennen. Es fehlte mir eindeutig eine große Boje in der Nähe des Ausgangs. Beim kurzen Hochschauen war es mir unmöglich etwas zu erkennen. Alles verschwamm im hellen Grün der Wiese und Bäume. Der Herr schräg vor mir half sehr dabei, einigermaßen gerade den Strand zu erreichen.

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Im Neoprenanzug wurde es derweil immer heißer und enger. Mit zunehmender Wärme keimte der Gedanke auf, ihn beim kurzen Landgang auszuziehen. Das war nämlich auch die besondere Herausforderung. Nach 1000m Schwimmen, bevor wir uns auf die zweite Schwimmrunde machten, mussten wir die Müritz verlassen.

Ich versuchte soweit es ging an den Strand zu schwimmen. Um mich herum standen bereits alle und bahnten sich den Weg durch das flache Wasser. Der Athlet neben mir zog sich seinen Anzug aus. Etwas verunsichert fragte ich ihn, ob er aufhören möchte oder das Teil auszieht, denn es würde ja noch eine zweite Runde anstehen. Er schien den gleichen Gedanken gehabt zu haben wie ich. Das Teil musste aus. Bei mir überwog aber die Erschöpfung. Also behielt ich ihn an und stampfte ungeschickt durch die letzten Meter Wasser. So kamen deutlich mehr Meter zusammen, als nur die 20m den Sandstrand entlang vorbei an den applaudierenden Zuschauern. Ein Highlight für Schwimmer und Angehörige, auch wenn ich nicht so viel davon mitbekam.

Nach 22 Minuten setzte ich die Füße das erste Mal in den Sand. Wieder Wasserstart, wieder durch das Wasser kämpfen. Wieder hineinspringen. Wieder aufstehen. Wieder war der Anzug zu eng. Wieder schlug das Herz bis zum Kinn.

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Es gab nur einen Unterschied. Ich hatte relativ freie Bahn, um hineinzuplumpsen, mich auf den Weg raus auf die Müritz zu machen und mich darüber zu belustigen, wie ich vermutlich wie ein ungeschicktes Walross mit dem Bauch auf dem Wasser aufschlug. Aber wenigstens saß jetzt die Brille. Was mit der Badekappe geschah, war mir wirklich egal. Die war sowieso viel zu weit… So lief alles doch deutlich flüssiger. Vor mir niemand, hinter mir nur der Athlet, der seinen Anzug loswerden musste und ich munter planschend.

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Zum Glück verstrichen die Meter nun gefühlt deutlich schneller, obwohl ich mich in Schlangenlinien den Bojen näherte. Aber wenigstens störte mich niemand dabei, während ich versuchte den Schaden des Herumeierns so gering wie möglich zu halten. Klappte auf der Hintour auch sehr gut. Die Bojen waren ja nun wirklich nicht zu übersehen. Der Weg zurück war dann schon wieder etwas anstrengender. Nicht nur weil die Wellen gefühlt höher waren, sondern weil der grüne Brei an Land schwierig zu orten war.

Irgendwann hat man aber alles hinter sich gebracht. Nun musste ich nur noch weit an den Strand heranschwimmen. Zuschauer anlächeln. Naja, also theoretisch. Denn die waren längst alle weg. Also dann eben weiter zu meiner Wechselzone. Wo war sie noch gleich? Erste Reihe klar, aber der Platz? Währenddessen habe ich den Anzug schon fast aus, Brille und Badekappe in der Hand, Uhr wieder neu umgelegt, denn die musste ich erste einmal abnehmen, weil sie sich im Ärmel des Anzugs verfing. Kurz eine 48 gesehen. Verdränge ich sofort!

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Wie es für mich auf den Landstraßen hoch hinaus Richtung Norden weiter ging; wieso ich mir etwas Zeit zum Schwatzen nahm; warum ich nach der ersten Laufrunde so angefressen und unfassbar enttäuscht gewesen bin und wieso das Finish eine Sekundensache war, lest ihr im zweiten Teil meines Berichts zum 29. Müritz Triathlon. 

Ich trug übrigens wie immer meinen 2XU Neoprenanzug, darunter meinen 2XU Tri Suit und die Zoggs Predator Flex Reactor.

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