2010 – ab ins Archiv

Das Jahr 2010 ist abgeschlossen. Endlich können wir den Archivdeckel über 2010 schließen und ein neues Kästchen für 2011 aufstellen, in dem wir fein säuberlich die Ereignisse des neuen Jahres sammeln können. Seit Jahren beteilige ich mich an der Unsitte, eine Jahresbilanz, einen Rückblick zu halten. So auch in diesem Jahr, wenn schon im diesjährigen Weihnachtstrubel die Tradition meiner weltberühmten Weihnachtsgeschichten unter den Tisch gefallen ist. Dafür gab es am letzten Tag des Jahres eine unbeabsichtigte Überraschung, so wie das gesamte Jahr durch etliche Überraschungen geprägt wurde.

Ein guter Rutsch ist wichtig. Ich hoffe, Ihr seid alle gut ins neue Jahr gerutscht und 2011 wird besser als das vorhergehende Jahr. Bei mir gelang der Rutsch in 2010 recht ordentlich, jedoch kam der Rutschvorgang irgendwie 12 Monate nicht zum Stillstand. Wahrscheinlich wird mir das nun vergangene Jahr als eines der unruhigsten in Erinnerung bleiben. Alles ging unglaublich schnell. So hatte ich im Februar ein Blogpost vorbereitet, in dem ich mich wieder einmal dem FSK18-Thema zuwenden wollte. Aber wie das Leben so spielt, den Anfang hatte ich schon einmal im Backoffice des Blogs gespeichert, mit dem Datum 31.12.2010 versehen, kam dann nicht zum Vollenden das Sache und habe es dann vergessen. Von mir unbemerkt veröffentlichte sich der Beitrag nun selbst. Ganz nebenbei hatte ich auch vergessen die FSK18-Verifizierung auf meine neue E-Mail-Adresse umzustellen. Vielleicht sind nun hunderte Verifizierungsanfragen in Nirwana gelandet. Ach ja, 2010 war wirklich ein unruhiges Jahr.

Weiterentwicklung, Wandel und tiefgreifende Veränderungen sind Kennzeichen aktiver Menschen. Seit über 30 Jahren bestimmt die Fotografie mein Leben. Auch nach vielen hunderttausend Bildern kann ich nicht sagen, dass die Sache langweilig geworden ist. Zwar überkommt mich in regelmäßigen Abständen der Überdruss, der wiederum stets zur Triebfeder für Neues wird. Gleich zwei dieser Treibsätze schlugen wie hoch explosive Granaten in mein 2010er Leben ein: Die Fotografie mit Impossible-Filmen und das Großformat. Gleichzeitig erlebte ich auch einige Enttäuschungen. So hatte ich zum Beispiel Anfang 2010 die Aufgabe, die LOMO LC-A auf Herz und Nieren zu testen. Nach wenigen Filmen versank die Kamera in der Kruschelkiste. Sie brachte nichts zustande, was ich nicht auch mit anderen Kameras erreichen kann. Das Ding ist ja ganz nett, aber wem anderer Kameras zu Verfügung stehen, wird sich mit den Mängeln der krampfhaft wiederbelebten Russen-Kamera … jetzt in China produziert … nicht anfreunden können. Zudem löst sich das Teil durch Benutzung in seine Einzelteile auf. Das passt weder zur Kamera noch zu meinen Anforderungen. Wenn ich einen Fotoapparat benutze, dann muss er immer benutzbar sein. Alles Andere ist Müll.

Keineswegs habe ich den unverbrüchlichen Anspruch auf allerhöchste Perfektion in meiner Fotografie. Ganz im Gegenteil! Meine größten Erfolge habe ich mit Unperfektem gefeiert. Die „Ansichten einer Forelle“ sind nur ein Beweis dafür. Mit den absolut unperfekten Filmen von Impossible kam nun eine neue Facette hinzu, der ich schnell und vollkommen verfiel. Beginnend mit der Emulsionsmanipulation wollte ich schnell mehr. Tilla ist ja schon seit vielen Jahren der Sofortbild-Fotografie verfallen. Sie hat mich infiziert und wenn schon Sofotbild-Fotografie, dann auch Manipulation und dann aber richtig. Mit Stolz kann ich sagen, dass Tilla und ich den Emulsionslift für Impossible-Instantfilme erfunden haben. Nachahmungen gibt es mittlerweile auch schon, aber Perfektion im Unperfekten haben wir mit dem Pinselset gefunden, dessen Ausprägung auf unsere Arbeiten zurück geht. So ist es eben in der Fotografie … nichts bleibt einzigartig, auch wenn Nachahmungen oft in die Rubrik „nice try“ fallen. Nun arbeite ich schon eine Weile an einem Buch mit meinen Emulsionslift-Bildern. Diesmal werde ich jedoch nicht viele Worte zu den Bildern beitragen, sondern die Bilder durch sich selbst sprechen lassen. Einige Monate wird es jedoch noch dauern, bis dieses Buch erscheint. Vorsätze für 2011 habe ich nicht, aber das Buch kommt bestimmt.

Die andere 2010er Innovation ist das hervor kramen einer ganz alten Sache. Die Großformat-Fotografie hat mich wieder in ihren Bann gezogen. Was in früheren Jahren beruflicher Zwang war, wurde 2010 zur fotografischen Lust. Die Großformat-Kamera ist angewandte Anarchie. Zur Beherrschung der Anarchie muss man etwas vom radikalen Revolutionär haben. Dabei ist diese Art der Fotografie ein uraltes Versatzstück, dessen künstlerische Blüte in den 1920er Jahren langsam zu Ende ging. Jetzt lebt das alles wieder auf, aber nicht nur bei mir, sondern bei vielen anderen Fotografen. Das ist spannend! Durch die nahezu unendlichen Variationsmöglichkeiten, einem Baukasten mit enormen Verstellmöglichkeiten gleichend, wird der Fotograf nicht nur zum Lichtbildner, sondern zum uneingeschränkten Bildgestalter. An erster Stelle der Fotografie steht der ausgelebter Individualismus, auch wenn gesellschaftlicher Zwang zu Regelwerken dieses Streben zu vergällen versucht. Selbst schuld, wer sich zurück nimmt und in der Masse schwimmt. Für mich war 2010 eine weitere Marke auf dem Weg in der Abwendung vom Regelkonformen.

Die fotografische Revolution habe ich 2010 ausgerufen und einige Fotografen sind diesem Aufruf gefolgt. Aber gleichzeitig musste ich erkennen, dass es nichts zu revolutionieren gibt, weil nur die Unzufriedenen in der revolutionären Veränderung ihre Zufriedenheit finden. Die umwälzende Gärmasse der Revolution braucht eine Vielzahl Unzufriedener … eine kleine Schar Unzufriedener wird als Querulanten bezeichnet. Nun kann sich jeder selbst ausmalen, wie meine ausgerufene Revolution verlaufen ist, aber in der Gruppe der Querulanten fühle ich mich ganz wohl. Und als Berufsquerulant fühle ich mich sogar bestätigt. Durch meine Abwendung von der erwerbsmäßigen Fotografie und Hinwendung zur Kunst hat sich viel verändert. Würde ich das Ganze nach wirtschaftlichen Maßstäben messen, wäre die Jahresbilanz ein Griff ins Klosett. In machen Monaten stand vor der Berufsbezeichnung „Künstler“ das Wort „Hunger“ … in anderen Monaten konnte ich mich eines bescheidenen Erfolgs erfreuen. Trotzdem hat mich die Fotokunst gut und ständig beschäftigt. Mittlerweile fahre ich häufig mit der Bahn, um zwischen den dicht gedrängten Terminen meine Nerven zu schonen … inzwischen 1. Klasse. Na also, ganz so vom Hunger geprägt ist das Ganze also doch nicht. Irgendwie fühlt sich das Jahr 2010 unfertig an. Es hatte etwas von einer Durchgangsstation. Viel wurde begonnen, was nicht zum Abschluss gebracht werden konnte, weil 2010 nur als Anfangsstation gedacht war. Der Zug rollt also weiter … abgefahren bin ich schon. Möglicherweise wird der Fahrplan eingehalten und ich komme 2011 an.

Was wird das Jahr 2011 bringen? Niemand weiß es. Ich wünsche allen Lesern meines Blogs, allen Freunden, Bekannten und Unbekannten ein gutes und erfolgreiches 2011. Einen Gedanken möchte ich diesen Wünschen jedoch anschließen: Möge Friede einkehren, wo heute Krieg herrscht und möge Hunger, Tyrannei und Unterdrückung ein Ende finden.

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