20.06.2013: Einführung in die Arbeit mit neuzeitlichen Quellen (7)


20.06.2013: Einführung in die Arbeit mit neuzeitlichen Quellen (7)
Holldrio und hoppsasa!
Hier nun (während nebenbei die "Pool-Champions" laufen) die Zusammenfassung des o. g. Seminars.
Was gab's denn gestern so?

Zunächst haben wir den Teil über die äußere Quellenkritik weitergeführt bzw. zuende gebracht. Was gab es noch zu sagen?


Vielleicht erst nochmal grob die Unterscheidung zwischen "innerer" und "äußerer" Quellenkritik:
Äußere Quellenkritik:
Bei der äußeren Quellenkritik wird der Aufbau bzw. die Glaubwürdigkeit des Textes überprüft. Sie befasst sich mit der Entstehung eines Textes, also: wer hat was, wann wie verfasst und an wen ist der Text überhaupt gerichtet?
Des Weiteren spielt die Authentizität eine große Rolle. Es stellt sich die Frage, ob der genannte Autor überhaupt der tatsächliche Autor ist und ob der Text in seiner ursprünglichen Form überliefert wurde. Sofern mehrere Textvarianten vorliegen, kann unter Umständen die "lustige" Suche nach DEM Original beginnen. Außerdem untersucht die äußere Quellenkritik mögliche Anachronismen bzgl. des Inhalts, der Form und der Sprache. Sofern Fälschungen in diesem Zusammenhang entlarvt werden, kann es natürlich auch sinnvoll sein, herauszufinden, WARUM hier gefälscht wurde (s. a. "Konstantinische Schenkung" usw.)
Innere Quellenkritik:
Bei der inneren Quellenkritik wird hingegen die Glaubwürdigkeit des INHALTS überprüft.
Stilanalyse:
Im Rahmen der Stilanalyse werden der Duktus und die allgemeine Schreibweise des Autors analysiert. Wesentliche Fragen sind hier...:
  • Wie wurde der Text überhaupt gegliedert?
  • Hat der Autor mögliche formale Vorgaben beachtet (besonders schön ersichtlich, wenn es sich um einen Brief handelt...)?
  • Wurden besondere rhetorische Figuren oder Schlüsselworte verwendet, die beispielsweise nur Autor und Adressat kennen?
  • Zitiert der Autor an einer oder mehreren Stellen?
Die o. g. Punkte dienen dem Erkennen von Brüchen in der Wortwahl bzw. Schreibweise und zeigen eventuell, dass verschiedene Autoren am Werk waren bzw. Textpassagen einfach von anderen Quellen übernommen wurden. Besonders ist in diesem Zusammenhang auch auf u. U. gewollte Hervorhebungen zu achten.

Das Wissen des Autors:

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich bei der Quellenkritik zu fragen, ob das, was vom Autor wiedergegeben wird, auch wirklich vom Autor gewusst werden kann. Natürlich ist es hier hilfreich, zu wissen, wie der Lebensweg des Schreibers ausgesehen hat.

Standpunkt und Tendenz des Autors:

Mögliche Fragen in diesem Zusammenhang könnten sein...:
  • Welche Intention hatte der Autor, das Werk zu verfassen?
  • Handelte der Autor im Eigeninteresse oder möglicherweise nach den Interessen eines Auftraggebers?
  • Ergreift der Autor Partei?
  • Werden alle Personen objektiv dargestellt? Oder vielleicht idealisiert/ schlecht gemacht?
  • Kann die Tendenz des Autors weiter erläutert werden? Wenn ja, wie?
Tendenz des Forschers:
Wissenschaftler, vor allem Historiker, ergreifen generell gern Partei. Genau dieser Umstand trübt jedoch einen unvoreingenommenen Blick auf die zu untersuchenden Quellen. Natürlich besteht die Gefahr, die Quellen einer "sympathischen" Partei deutlich ernster zu nehmen als die einer Personengruppe, die eben nicht ganz so beliebt zu sein scheint. 
Konsequenzbedürfnis:
Wichtig ist es, festzustellen, dass historische Personen bzw. Menschen von heute NICHT immer konsequent handeln. Demgegenüber steht das Bedürfnis des Forschers nach Konsequenz, Ordnung und Orientierung. Die Gefahr besteht hier in einer Suche nach Bestätigungen einer vorgefassten Meinung bzw. einer voreiligen Verallgemeinerung. Dinge, die den eigenen Vorstellungen widersprechen, werden gerne als "unwichtig" eingestuft. Gerade die Unvoreingenommenheit ist aber extrem wichtig, wenn es darum geht, wissenschaftlich mit Quellen zu arbeiten.

Ergebnisdruck:

Eine unvollständige Quellenlage (, die es faktisch nun mal gibt) steht hier einem Streben nach Vollkommenheit gegenüber. Trotzdem müssen Lücken "gestopft" werden. Dies geschieht in der Regel durch Vermutungen, WELCHE ABER UNBEDINGT ALS SOLCHE GEKENNZEICHNET WERDEN MÜSSEN. Manchmal müssen sich eben auch Wissenschaftler eingestehen, dass bestimmte Dinge zum jetzigen Zeitpunkt eben noch nicht mit absoluter Sicherheit behauptet werden können. Is ja auch kein Drama!

Liebst,

Conny

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