# 182 - Es gibt nichts, was es nicht gibt

# 182 - Es gibt nichts, was es nicht gibtMit Ferdinand von Schirach habe ich mich in der Bücherkiste schon einmal beschäftigt, als ich Euch sein Buch Carl Thorberg vorgestellt habe. Heute wird es um von Schirachs bislang letzte Veröffentlichung Strafe gehen.
Die Struktur ist bereits grundsätzlich bekannt: Der Jurist bietet seinen Lesern zwölf Kurzgeschichten an, die er mit einem für dieses Buch sehr treffenden Zitat des dänischen Philosophen und Schriftstellers Søren Kierkegaard einleitet: "Wenn alles still ist, geschieht am meisten."
Der Begriff der Strafe kommt in manchen der Fälle eher durch die Hintertür daher: Da ist zum Beispiel die Ehefrau, die verdächtigt wird, ihren Mann durch einen Schuss in den Hinterkopf ermordet zu haben. Alle Indizien sprechen gegen sie, ein Motiv hatte sie ebenfalls. Doch ihr Strafverteidiger bekommt von einem Mann, der für seine Kunden die Drecksarbeit macht, einen entscheidenden Hinweis, der den Prozessverlauf um 180° dreht. Woher der Informant in kürzester Zeit erkennen konnte, was die Polizei übersehen hatte? "Das wollen Sie nicht wissen, Herr Anwalt", lautet dessen süffisante Antwort.
Ferdinand von Schirach zeigt jedoch auch auf die Klippen, die das deutsche Strafrecht bereithält und schreibt über eine Sachlage, bei der sich dem juristisch Unkundigen die Fußnägel hochrollen, die aber in völligem Einklang mit der Rechtssituation steht: Ein unbescholtener Leiter einer Supermarktfiliale findet heraus, dass der Keller seines Hauses von Drogenkurieren als Versteck genutzt wird. Er findet dort in einer Tasche knapp fünf Kilo Kokain. Auf der Flucht vor den Kurieren verursacht er mit seinem Auto einen schweren Verkehrsunfall, wobei auch die mit Koks gefüllte Tasche gefunden wird. Wegen des Drogendelikts wird gegen ihn ein Haftbefehl erlassen. Doch wenige Wochen vor Prozessbeginn wird dem frisch gebackenen Kriminellen wegen der Unfallfahrt ein Strafbefehl zugestellt, den er akzeptiert. Doch da gibt es das Verbot, jemanden wegen derselben Sache zweimal zu verurteilen. Da das Drogendelikt allerdings in einem Tatzusammenhang mit dem Verkehrsunfall steht, es für den Unfall jedoch schon einen rechtskräftigen Strafbefehl gibt, endet der Prozess anders, als man es mit dem sogenannten "gesunden Menschenverstand" erwarten würde.

Lesen?

Wie man es von von Schirach gewohnt ist, erzeugt er in allen zwölf Texten mit seiner Klarheit und Strukturiertheit eine besondere Atmosphäre, von der nicht durch sprachliche Schnörkel abgelenkt wird. Der Ausgang aller Fälle ist überraschend und bildet die Vielfalt der menschlichen Verwerfungen ab. Und auch hier gilt: Das Böse kann gleich hinter der nächsten Tür lauern und kommt oft ganz harmlos daher.
Strafe ist bei Luchterhand erschienen und der letzte Teil einer Trilogie, die mit den Titeln Verbrechen und Schuld begonnen hat. Das gebundene Buch kostet 18 Euro, die epub- oder Kindle-Version 14,99 Euro und die MP3-CD 8,95 Euro.

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