15. April 2012, Morgengebeet, 7.44 Uhr

Nervös, die Hände zittrig, fahren die Finger über die Tastatur, die in den besten Momenten an eine Klaviatur erinnert. Man horcht, greift nach Wörtern, die sich verirren, würgt die kleinen Biester und zieht sie hinunter, um sie auf dem virtuellen Weiß des vorgetäuschten Papiers zu braten. Man ackert, gräbt, pflanzt ein, bis die Buchstaben sprießen, Kopf an Kopf, sich ansehend, nickend: “Hey, du gehörst zu mir. Wir sind ein Wort. Und mit der Reihe hier bilden wir einen Satz. Streck dich mal. Es könnte sein, dass wir zu einer Geschichte werden.”
Man gießt mit Kaffee. Raucht. Hofft, die Ernte wird gut. Klappt nicht immer, denn manchmal kommt ein Schauer und zerstört, was man so sorgsam ins Beet pflanzte.

Nervös, die Hände zittrig, könnte ich von diesem Tag erzählen, der mich, der ich mich doch als “Atheisten”, als einen Anhänger des ausgefuchsten Großhumoristen Aleister Crowley (“Meine Geburt war die Rache für die Entdeckung Amerikas”) bezeichne, in die Kirche führen wird, weil mein Sohn, einer von ihnen, Kommunion feiert, mein Sohn, der nicht bei mir, sondern bei seiner Mutter lebt, die ihm erklärte, der Vater könne nicht auf die Feier kommen, weil kein Platz sei, weil man Hinz und Kunz eingeladen habe, aber nicht ihn, den man aus der Kirche leider nicht vertreiben könne. Also werden Seraphe, Sternchen und ich dort sein, die Blicke auf die Gesichter der Gläubigen gerichtet, um dem Tag dieser Transsubstantiationsfeier beizwohnen.
Bin ich ein Gläubiger? Bestimmt. Wie könnte ich das guten Gewissens abstreiten? Ich glaube an die Kraft guter Romane, an die Herrlichkeit einer einzigen Szene, die die Magie besitzt, mich auf Flügeln Teil eines großen Unbewussten werden zu lassen. Vielleicht sind wir ja tatsächlich alle nur Gedankensplitter, die dereinst …

Nervös, die Hände zittrig, fahren meine Gedanken durch die Wohnung, durch den Kopf, der sich über die Klaviatur beugt, um ein Lied zu spielen, dessen Klänge erst entstehen, wenn da jemand ist, der bereit ist, den Noten, den Buchstaben zu folgen, die mich von meinem Sohn in den weiteren Tag führen, zu Seraphes Schwester, deren Tochter heute ebenfalls Kommunion hat, zum Ende des Tages, das mich an die Tastatur zurückführen wird, während meine Gedanken schweifen, hierher und dorthin.

Nervös, die Hände zittrig, könnte ich das Gefühl beschreiben, dass mich befällt, wenn ich mich in Kirchen aufhalte, diese unangenehme Ziehen in den Beinen, die Schmerzen im Rücken, die Hoffnung, die mich beständig durchzuckt, und die mir verspricht, nicht mehr lange, bald kannst du gehen. Weg von diesem Ort, an dem sie ein Hinrichtungsopfer anbeten, einen Toten, an dem sie dem Blut huldigen und dem Jenseits, an dem Kinderlachen mit einem verächtlichen Blick bestraft wird, während sich die warmen Hände des Priesters heben, der einem der Messdiener ein verstecktes Lächeln schenkt, um dann auf die armen Seelen derer einzugehen, die aus dem Schoß Gottes Richtung Verdammnis purzeln.

Nervös, die Hände zittrig, sitze ich hier und überlese die Zeilen, von denen mich jede ein Stück weiter in den Tag hineintreibt, der Kirche und den Feiern entgegen.
Wie wäre das? Ich bleibe sitzen und schreibe, male mir meinen Lebensroman, beschriebe wie die Seraphe in der Küche steht und Teig knetet, weil sie ihrer Schwester einen Kuchen versprochen hat, wie der Vogel in seinem Käfig hockt, wie Sternchen noch unter der Bettdecke liegt und in einem Buch liest, wie ein Auto am Haus vorüberfährt, wie ein Mann zu unserer Wohnung blickt und sich fragt, wer dort wohnt, und was die Leute wohl dort machen, einfach deshalb, weil er ein Träumer ist, ein Schriftsteller, der in wenigen Minuten seinen Spaziergang in bunten Worten beschreiben wird.

Nervös, die Hände zittrig, werden seine Finger über die Tastatur fahren und mich erfinden.



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