136. Todtreu

Die zu ihrem heutigen 100. Geburtstag erschienene Biografie des Spaniers José Sánchez de Murillo zerstört das Bild der 2002 Gestorbenen. Laut seiner Recherche hatte Luise Rinser in NS-Deutschland nicht nur kein Schreibverbot, sondern sie verfasste ein Drehbuch für einen UFA-Propaganda-Film und kompromittierende Gedichte: „Todtreu verschworene Wächter heiliger Erde/ des großen Führers verschwiegene Gesandte,/ Mit seinem flammenden Zeichen auf unserer Stirn,/ Wir jungen Deutschen, wir wachen, siegen oder sterben./ Denn wir sind treu!“ Unter der Überschrift „Junge Generation“ geht es sechs Strophen lang in diesem Stil. Als das Gedicht Mitte der Achtziger auftauchte, bestritt Rinser vehement, es geschrieben zu haben. / Sabine Rohlf, BZ

José Sánchez de Murillo: Luise Rinser. Ein Leben in Widersprüchen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011, 464 Seiten, 22,95 Euro.



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