133. Exportgeschäft

„Lumpereien im Chemnitzer Staatsgymnasium“, „Flieg flog … leider nicht“: Mit Schlagzeilen wie diesen eröffneten heute vor 80 Jahren Chemnitzer Nationalsozialisten eine bis dahin beispiellose mediale Hetzjagd gegen einen Schüler der Abiturientenklasse des damals angesehensten Chemnitzer Gymnasiums. Der 18-jährige Helmut Flieg hatte drei Wochen zuvor, am 7.September, in der örtlichen SPD-Zeitung „Volksstimme“ unter dem Titel „Exportgeschäft“ ein bissiges Gedicht über den Einsatz deutscher Militärberater im bürgerkriegsgeplagten China veröffentlicht.

Aus Helmut Flieg wurde wenige Jahre später Stefan Heym, und die Vorgänge vom Herbst 1931 markierten den eigentlichen Beginn seiner literarischen Laufbahn. / Michael Müller, Freie Presse 28.9.

Dem Artikel ist ein Faksimile des Gedichts beigegeben, hier ein Auszug:

Exportgeschäft

Wir exportieren! Wir exportieren!
Wir machen Export in Offizieren!
Wir machen Export! Wir machen Export!
Das Kriegsspiel ist ein gesunder Sport!

Die Herren exportieren deutsches Wesen
zu den Chinesen! Zu den Chinesen!
Gasinstrukteure, Flammengranaten
auf arme, kleine, gelbe Soldaten –
Denn daran wird die Welt genesen …

(…)

Wir lehren Mord! Wir speien Mord!
Wir haben in Mördern großen Export!
Hurra!
Es freut sich das Kind, es freut sich die Frau,
von Gas werden die Gesichter blau.
Die Instruktionsoffizieren sind da!

Was tun wir denn Böses? Wir verbreiten doch nur
die deutsche Kultur!



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