123. Gedicht, Gedicht, Gedicht

Die Abläufe eines Poesie-Marathons können ermüdend sein: Gedicht, Gedicht, Gedicht, Fragen, Applaus. Dazwischen mal ein Handyklingeln oder scheppernde Weingläser. Völlig anders dagegen die „Rottenkinckschow“, eine Frühstücks-Performance dreier eigenwilliger Lyrikerinnen, die ihren Namen im Titel versteckten. Zu Proustschen Eclairs und Goethes „grüner Sauce“ im Rauchlachs-Baguette durfte man einige Wörter der Menschenfressersprache Tupi erlernen, bis man sich bei diesem Volk selbst vorstellen konnte: „ich bin das Essen“. Wirklich opulent und lustvoll zelebriert waren die Texte von Durs Grünbein. Bestens gelaunt malte der Büchner-Preisträger, ein Wort-Professor der hiesigen Kunstakademie, seine sinnlichen Gemälde und fantastischen Elegien. Genauso virtuos las er einen Tag später Verse des verstorbenen Dichters Thomas Kling. Ein Hörgenuss für die voll besetzten Sitzreihen und die im Heine-Haus so beliebten Stufenhocker. Selbst Literatur-Hund Paco spitzte bei Grünbein seine Ohren. / CLAUS CLEMENS, Rheinische Post



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