120. Wörterrennen

Was eine Stampede ist, kann man in vielen Westernfilmen sehen: Eine Rinder- oder Büffelherde gerät in Panik und stiebt in wilder Flucht davon. Der munterste Teil des Bandes, listig mit „fuchsia“ (die Füchsin, die Fuchsie) überschrieben, bietet urbane Stampede-Gedichte. Ein fulminantes Wörterrennen hebt da an, ein Wort stößt das andere an und zugleich ab. „abstoßung. kippeln. tasten. kontakt.“: So geht es los und weiter. Dem Unheimlichen des Beginns und dem kaum Sagbaren des Endes kontrastieren im Inneren dieses Bandes mithin die Wortspiele einer Unbehausten, die einfach Freude hat am Sprachbeschleunigen und an der Geschwindigkeit, in der sich Assonanzen und Alliterationen wechselseitig jagen. In Panik gerät die „stampede“ der Daniela Seel indes nicht, die Dichterin weiß genau, dass jedes lyrische Wörterrennen auch ein Ziel braucht, um nicht wohlfeil zu erscheinen. Also macht eines der Gedichte an seinem Ende schlichtweg „klick“, ein anderes befiehlt „alle“ wieder „auf position“ und will noch einmal „von vorn“ beginnen. / Jochen Hieber, FAZ

Daniela Seel: „ich kann diese stelle nicht wiederfinden“. Gedichte. Kookbooks, Berlin 2011. 64 S., geb. 17,90 Euro.

Mehr: Dorothea von Törne, Die Welt



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