119. Begegnung mit einem Securitate-Offizier

Zu dieser Zeit hatte ich mit einem ersten Erfolg, dem Förderpreis des Temeswarer Literaturkreises „Adam Müller-Guttenbrunn“, Gedichte geschrieben und war noch Hilfsarbeiter in der Konservenfabrik meiner Heimatstadt Sannicolau Mare (Großsanktnikolaus). Ich wusste erst nicht, ob und wie genau ich meinem Tagebuch das unfreiwillige Treffen mit einem Securitate-Offizier anvertrauen sollte. So sind unter dem 20. November 1986 nur wenige Zeilen zu finden, die aber recht eindeutig meine Gemütslage beschreiben: „Ogottogott! Da gehen Schlächter um. Mensch, such das Weite, Mensch.“ Fliehen, aber wohin?

Drei Tage später, unter dem 23. November, findet sich ein etwas konkreterer Bericht, mit dem ich mir vielleicht Mut machen wollte: „War teils ganz gelassen. Hände in den Hosentaschen, Beine ausgestreckt. Jedenfalls überließ ich dem Genossen nichts Schriftliches, wäre auch gelacht. Er schien enttäuscht. Ich bekam eine Telefonnummer, die ich nicht benutzen werde, und interessante Vorschläge, die mich kalt lassen. Die Schaufel nimmt mir sowieso keiner aus den Händen. Ich befürchte (vorläufig) nichts Schlimmes. Ich hatte nur vor Schlägen Angst.“ Die Securitate argumentierte im Zweifel durchaus mit der Faust. …

Er versuchte es mit Zuckerbrot, was sich im Tagebuch so niederschlug: „Der Arsch erzählte mir von Beförderungen, Auslandsreisen, fragte mich, wie ich denn in Temeswar wohnen möchte.“ Am Ende gab er mir wieder seine Telefonnummer.

In diesem dreistündigen Gespräch zitierte er plötzlich aus einem meiner Gedichte, „aus poezia cu ledi, cu semne egiptene, cu pasarea aia“, also „aus dem Gedicht mit Lady, den ägyptischen Zeichen, diesem Vogel“. „Der Arme!“, hatte ich dazugeschrieben, denn er kam kaum klar mit meinem „Gedicht um Hanna“, das 1986 in der Bukarester Zeitschrift „Neue Literatur“ erschienen war, und ich fragte mich damals in meinem Tagebuch: „Wer übersetzt ihm wohl?“ / Marius Koity, Ostthüringer Zeitung 25.9.

Marius Koity ist OTZ-Redakteur in Pößneck. 1966 in Großsanktnikolaus (Rumänien) geboren, arbeitete er ab 1988 als Redakteur bei rumänien-deutschen Zeitungen. 1992 übersiedelte er nach Deutschland und lebt in Gera. Seit 1984 veröffentlicht er Gedichte in Anthologien und Zeitschriften (u. a. „Palmbaum“, Jena), für die er in den 1980er Jahren zwei Preise erhielt. Gelegentlich arbeitet er auch als Rumänisch-Übersetzer.



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