116. Freiheit als Lebensmittel

Mit seinen hoch gelobten, vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilmen – und seinem einzigen, 1965 prompt schon als Rohschnitt verbotenen Spielfilm („Jahrgang 45″) hat sich Böttcher selbst und sein Publikum immer auf das Eigentliche zurückverwiesen: die Beobachtung des Lebens, den tiefen Respekt vor den Menschen und ihrer Arbeit – und den fehlenden Respekt vor Denk- und Bilderverboten.

Letztere haben Böttcher, der kein Oppositioneller war, aber Freiheit als Lebensmittel beanspruchte, öfter getroffen. 1961 schon, als er einen Film über seine Künstlerfreunde aus dem Dresdner Volkshochschulkurs vorlegte, der den verordneten Bildern vom Leben im sozialistischen Land DDR nicht entsprach. 1988 durfte der Film endlich gezeigt werden.

„Jahrgang 45″ hat erst nach dem Mauerfall seine Uraufführung erlebt, ein Film über die Glückssuche junger Menschen, den Böttcher gemeinsam mit dem Schriftsteller Klaus Poche geschrieben hatte. Eine solche Bildsprache lief der herrschenden Ideologie nicht nur zuwider, sie hat sie schlichtweg gar nicht zur Kenntnis genommen. Böttcher, der seinen älteren Bruder früh, 1944, durch einen Schießunfall bei einer Militärübung verlor, hat sich stets um die Menschendinge, nicht um Kopfgeburten machtlüsterner Männer gekümmert.

Als es dem Künstler nach dem Filmverbot in den 60er Jahren „richtig dreckig ging“, erzählt Matthias Flügge, hat Wolf Biermann geholfen, sein Freund. Dem hat Böttcher 1967 eine feine, aber harte Zeichnung geschenkt, ein Stillleben mit Fleischwolf und Fischgräten. Auch das gibt es in Altenburg zu sehen. / ANDREAS MONTAG, Mitteldeutsche Zeitung

„Strawalde. Jürgen Böttcher – Maler und Regisseur“, bis zum 29. April, Lindenau-Museum Altenburg, Gabelentzstraße 5, Di-Fr 12-18, Sa, So 10-18 Uhr



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