Zwischendurch: Der fast vergessene Bond

„James Bond 007: Casino Royale“ aus dem Jahr 2006 hat die Bond-Figur dramatisch verändert. Die Kritiker waren sich einig: Daniel Craig hat der Haupt-Figur wesentlich mehr Charakter verliehen. Laut Andreas Borcholte vom Spiegel schaffe Craig es, „jenes Virile, brutal Animalische zu verströmen, über das Sean Connery in seinen ersten Auftritten als Bond verfügte“. Dabei gab es bereits knapp 40 Jahre zuvor einen James Bond Film namens „Casino Royale“, der gleichzeitig eine Agentenfilm-Parodie darstellte. Bevor im Winter 2015 mit „Spectre“ ein neues Bond-Abenteuer in den Kinos startet, lohnt es sich, einen Blick auf das Kuriosum aus den 60er Jahren zu werfen.

Gleich fünf Regisseure arbeiteten nebeneinander an „Casino Royale“ und produzierten nicht gerade den attraktivsten Bond-Film der Geschichte. Dabei war es das erste Buch, das Ian Fleming über James Bond geschrieben hatte. Zum Glück wurde das Buch 2006 nochmals verfilmt, definitiv mit mehr Tiefe und Liebe zum Detail. Doch allein schon wegen der Besetzung sollte die ‚Ur-Version‘ nicht außer Acht gelassen werden. Peter Sellers, Orson Welles, Woody Allen oder Ursula Andress sind nur einige bekannte Namen, die an dem Projekt ihre schauspielerische Größe zeigen durften.

Doch nun zur eigentlichen Handlung: Die Welt wird von einer fiesen Terrororganisation namens SMERSH bedroht. Da kann nur noch einer helfen: Agent 007. Doch leider ist dieser bereits in Ruhestand und kann sich überhaupt nicht für eine Rückkehr erwärmen. Er will nichts mehr mit Geheimdiensten zu tun haben, selbst ein Schreiben der Königin kann ihn nicht umstimmen. Mit einem hinterhältigen persönlichen Angriff auf seine Abgeschiedenheit will ‚M‘ ihn in den Dienst zurückzwingen. Bonds Herrenhaus wird von der britischen Armee bombardiert, wobei jedoch ‚M‘ quasi als Kollateralschaden das Zeitliche segnet. So erklärt sich James Bond doch noch bereit, die Welt vor den Superschurken zu retten.

Gemäß des Filmtitels entstehen spannende Momente beim Zocken, in diesem Fall beim Baccarat Spiel. In der ersten Hand spielt James Bond eine Neun, die höchste Zahl beim Baccarat. Er gewinnt gegen Le Chiffre, dessen zwei Bilder nichts wert sind. Es ist tatsächlich die einzige Szene in der Parodie, die sich dem ursprünglichen Buch widmete. Der Rest wurde offenbar nicht beachtet. Im neuen „Casino Royale“ mit Daniel Craig in der Hauptrolle wird anstelle von Baccarat allerdings Poker gespielt. Immerhin versucht der Agent in beiden Filmen, gegen Le Chiffre zu gewinnen.

Der Film wurde im Jahr 1967 produziert, also kurz nach „Feuerball“, als die Bond-Filme ihren ersten Höhepunkt erlebten. Ein cleverer Ansatz, da sich die Reihe natürlich für eine Veralberung anbietet. Produzent Charles K. Feldman hatte ursprünglich sogar die kuriose Idee, Sean Connery für den Film zu gewinnen. Der war ihm aber dann doch zu teuer. Bitter: Die Produktionskosten überstiegen letzten Endes die Prognose um satte einhundert Prozent auf zwölf Millionen Dollar. Aus welchem Grund man statt dem „teuren“ Connery mehr Filmstars engagierte, als Namen auf einer Postkarte Platz haben, ist nicht so ganz nachvollziehbar.

Sei‘s drum. „Casino Royale“ ist ein unterhaltsames Beispiel für die Swinging Sixties und inspirierte offensichtlich auch die geniale „Austin Powers“-Reihe. Natürlich geht es bei fünf Regisseuren öfter drunter und drüber, aber genau das macht den Charme des Streifens aus. David Niven und Peter Sellers als James Bond, Orson Welles als Le Chiffre, Ursula Andress als Bond Girl Twice, Woody Allen als ‚Jimmy‘ Bond und Daliah Lavi als ‚Wunderwaffe‘ sind zweifellos eine Sichtung wert.

Zum Stöbern:

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