Zwischen Kohle und Krise

Die Ruhrgebiets-Atmosphäre der Zeche Zollverein in Essen hat den Rahmen für das 16. „Forum Intelligentes Bauen“ des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) gesetzt. Der Tagungsort, einst die größte und modernste Steinkohleförderanlage der Welt, 1986 dann stillgelegt, ist heute UNESCO-Weltkulturerbe und ein Zentrum der Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet. Damit steht Zollverein für den Strukturwandel einer der bedeutendsten Industrieregionen Europas. Also genau der richtige Ort, um über Auswege aus der Eurokrise zu reden. Der BDF hatte hierzu hochkarätige Referenten eingeladen.

Nach einleitenden Worten des BDF-Präsidenten Johannes Schwörer skizzierte der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Europäischen Parlament, Alexander Graf Lambsdorff., Wege aus der europäischen Schuldenkrise. „Die Gefahr ist nicht, dass die Eurozone finanziell auseinanderbricht, sondern dass sie politisch auseinanderbricht“, warnte Lambsdorff. Er forderte daher vor allem eine besser koordinierte Wirtschafts- und Finanzpolitik. „Der Rettungsschirm ist kein Knirps“, befand auch die Börsen-Korrespondentin der ARD, Anja Kohl. Die Krise beeinflusse nicht nur das Auf und Ab der Börse, sondern auch die Realwirtschaft. „Die Bewegung in Sachwerte ist noch lange nicht zu Ende. Die Fertigbaubranche wird noch lange davon profitieren“, prognostizierte sie. Prof. Dr. Gerd Hauser, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, beschrieb den Gebäudebereich als Motor der Energiewende. Seine These: Der zentrale Schlüssel zur Modernisierung der Energieversorgung und zum Erreichen der Klimaschutzziele liegt im energieeffizienten Bauen und in der energetischen Sanierung des Gebäudebestands. Im intelligenten Stromnetz der Zukunft neben der Erzeugung auch die Speicherung von Energie als neue Funktion von Gebäuden hinzukommen.

Einen anderen Blickwinkel auf die Wirtschaft nahm Prof. Dr. Peter Zec ein. Der geschäftsführende Vorstand des Design-Zentrums NRW und Initiator des weltweit renommierten Designpreises „red dot“ sieht Kreativität als entscheidenden Wettbewerbsfaktor an. Anhand der Entwicklung von Produktdesign erläuterte Zec, wie selbst die erfolgreichsten Unternehmen geradezu zwangsläufig in Kreativitätskrisen geraten und wie sie diese überwinden. Prof. Dr. Peter Sloterdijk hat mit seinem Essay „Die nehmende Hand und die gebende Seite“ eine Kritik an den Grundzügen des bestehenden Steuersystems gewagt und damit eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Sloterdijk schlägt eine neue Steuerpolitik vor, die Weg von bürokratisierten Zwangsabgaben hin zu freiwilligen Bürgerbeiträgen für das Gemeinwesen führt. Beim FIB gab er einen geistesgeschichtlichen Abriss der Steuerbegründung durch den Staat und stellt ihr die Tradition der großbürgerlichen Spendentätigkeit gegenüber. Hier ist der Bürger kein Schuldner, sondern Geber. Kabarettist Dr. Ludger „Jupp“ Stratmann sorgte am Abend für deftigen Ruhrpott-Humor.


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