Zweiter Hund zieht ein: Worauf muss ich achten?

Ein Hund ist gut, zwei Hunde sind besser! Hunde sind sehr soziale Tiere. Der Trend zum Zweithund ist daher absolut zu begrüßen. Doch ist es wirklich so einfach, zwei Hunde aneinander zu gewöhnen? Worauf muss geachtet werden, wenn ein zweiter Hund einzieht?

Die Rudelmentalität von Hunden

Hunde sind keine Einzelgänger. Der Vorgänger des Hunds, der Wolf, lebt im Rudel.

Hunde leben genauso. Das Rudel ist eine geschlossene, soziale Gruppe von gleichartigen Tieren. Meist sind sie miteinander verwandt. Im Gegensatz zu einer Herde, wo die Einzeltiere mehr oder weniger austauschbar sind.

Deshalb wird in der Hundehaltung häufig von einem Rudel gesprochen. Doch die Beziehung zwischen Mensch und Hund kann niemals ein Rudel sein. Es ist vielmehr ein soziales Gefüge. Hunde haben sich über die Jahrtausende hinweg an den Menschen als Partner gewöhnt. In dieses Gefüge passen nun natürlich auch andere Individuen.

Das können Menschen sein, aber auch Hunde. Viele Menschen entscheiden sich mittlerweile dazu, Hunde nicht alleine zu halten. Sie suchen einen passenden Artgenossen. Doch das ist gar nicht so einfach. Es gibt eine ganze Menge zu bedenken und vorzubereiten, bevor Hund Nr. 2 endlich einziehen kann.

Welcher Hund passt zu mir?

Das ist die erste Frage, die Sie sich stellen müssen. Nun wissen Sie ja bereits von Ihrem ersten Tier, wer zu Ihnen passt. Sie werden diese Frage daher rasch beantworten können. Dennoch muss Sie neu überdacht werden. Ihr erster Hund hat Ihr Leben ja bereits massiv verändert.

Wie wähle ich den perfekten Partner für meinen Hund?

Das ist die meist noch viel wichtigere Frage. Welches Tier passt zum bereits vorhandenen Tier? Welcher Hund ergänzt das bisherige Gefüge optimal? Eine gute Wahl ist entscheidend für ein zukünftiges harmonisches Zusammenleben. Achten Sie dabei auf folgende Punkte:

Rassemerkmale und Charaktereigenschaften

Die Hunde sollten über ähnliche rassespezifische Veranlagungen verfügen. Ein Jagd- und ein Hütehund passen wahrscheinlich nicht optimal zusammen. Hier kann es schwierig werden. Beide Typen müssen völlig unterschiedlich trainiert und beschäftigt werden.

Dazu haben Sie meist ein anderes Spielverhalten und andere Verhaltensweisen. Auch der Aktivitätsgrad spielt hierbei eine große Rolle. Haben beide Hunde ähnliche Eigenschaften, werden sie eher miteinander harmonieren. Das bringt auch für Sie Vorteile.

Ähnliche Optik: Vorteile und Mythen

Die Hunde müssen sich nicht ähneln. Allerdings können Sie beobachten, dass sich Hunde mit ähnlicher Optik häufig besser verstehen. Man führt dies auf die Welpenzeit zurück. Die Hunde sind daran gewöhnt, dass die Hunde um sie herum ähnlich aussehen. Daher akzeptieren sie diese besser.

Ob diese Tatsache wirklich stimmt, ist nicht belegt. Tatsache ist jedoch, dass ähnlich aussehende Hunde ähnliche Körpersignale aussenden können. Man bedenke dabei äußere Merkmale wie Hängeohren im Gegensatz zu Stehohren. Dasselbe gilt für die Rute oder eine kurze und eine lange Schnauze.

Energieniveau und Temperament abstimmen

Auch in puncto Aktivität sollten die beiden zukünftigen Hundefreunde sich ähneln. Unterschiede beim Temperament können jedoch sogar spannend und positiv sein. Ein ruhiger, selbstbewusster Hund und ein Temperamentsbündel können sich einander angleichen. Es muss allerdings nicht so sein.

Zu groß sollte der Unterschied also keinesfalls sein. Ein zu großer Unterschied beim Temperament kann zu schwerwiegenden Problemen führen. Der selbstbewusstere und temperamentvollere Hund kann den ruhigeren und sensiblen unterdrücken. Diese Situation sollte unbedingt vermieden werden.

Welches Alter passt zu meinem Hund?

Ideal ist es, wenn der Altersunterschied zwischen den beiden Tieren nicht allzu groß ist. Im Idealfall sollte der erste Hund bereits voll ausgewachsen und gefestigt sein. Erst dann sollte ein zweiter Vierbeiner einziehen.

Gerade während der Pubertät des ersten Hunds ist ein zweiter Hund keine gute Idee. Ebenso schlecht ist es, wenn der erste Hund bereits ein Senior ist. Ein junger Hund wäre hier völlig kontraproduktiv. Ältere Hunde brauchen mehr Aufmerksamkeit und vor allem Ruhe. Ein Junghund verursacht Stress und das ist schlecht für den Ersthund. Gegen einen zweiten Senior spricht allerdings nichts.

Sie kennen Ihren Hund am besten. Sie können einschätzen, wann der Hund so weit ist, um einen Artgenossen willkommen zu heißen. Ebenso wissen Sie dann ganz genau, wie das Leben mit einem Hund läuft. Sie haben also bereits die Erfahrung, alles positiv im Doppelpack zu erleben.

Spielt das Geschlecht eine Rolle?

Das Geschlecht ist bei der Wahl des Zweithundes im Grunde genommen völlig egal. Sie sollten jedoch auf die Vorlieben Ihres Hundes achten. Es gibt Hunde, die sich besser mit dem weiblichen Geschlecht verstehen, andere bevorzugen Rüden.

Sollten Sie sich für ein Pärchen entscheiden, muss eines der Tiere bereits vor dem Einzug des Zweithundes kastriert sein. Beachten Sie unbedingt, dass der Hund nicht erst kurz vor dem geplanten Einzug operiert wird. Das wäre eher kontraproduktiv für die Heilung der Operationswunde.

Alles doppelt: Der Zweithund zieht ein

Ein zweiter Hund bedeutet alles doppelt. Zwei Mal Freude, zwei Mal streicheln, aber auch zwei Mal Futter, zwei Mal Schlafplatz und so weiter. Sie müssen also alles was Sie für Ihren ersten Hund besorgt haben ein zweites Mal organisieren.

Der neue Vierbeiner benötigt sein eigenes Hundekörbchen, seine eigene Futterschüssel, Leine und Halsband sowie bestenfalls das eigene Spielzeug. Alle diese Dinge sollten bereits vorhanden sein, wenn der Hund einzieht. Achten Sie darauf, dass der Neue an spezielles Futter gewöhnt ist. Stellen Sie das Futter langsam um.

So gelingt das erste Zusammentreffen

Viele Tierschutz Institutionen machen es möglich, dass man den gewählten Hund genauer kennenlernen kann, bevor er einzieht. Das kann von großem Vorteil sein. So können sich die beiden zukünftigen Hundepartner beschnüffeln. Sie können damit einfach feststellen, ob die Hunde sich gut riechen können.

Ein seriöser Züchter wird Ihnen dasselbe Szenario anbieten. Er will, dass seine Welpen in gute uns liebevolle Hände kommen. Dazu zählt, dass sich der Kleine in seinem neuen Zuhause wohlfühlt und sich auch mit dem bereits vorhandenen Hund gut versteht.

Das erste Treffen findet idealerweise auf neutralem Boden statt. So hat keiner Vorteile. Lassen Sie beide Tiere vorerst an der Leine und beobachten Sie sie gut. Passt die Chemie, können die Tiere von der Leine genommen werden. Selbstverständlich muss der Bereich für dieses Vorhaben eingezäunt sein.

Zeit und Ruhe für das Kennenlernen

Geben Sie den Tieren Zeit. Es kann sein, dass sie sich fürs Erste absolut nicht füreinander interessieren. Schreiten Sie keinesfalls ein. Es ist aber auch möglich, dass die Hunde aufeinander losgehen. In diesem Fall müssen Sie das Verhalten unterbinden. Es ist wichtig, dass sich die Hunde langsam aneinander gewöhnen.

Das Lesen der Körpersprache von Hunden ist hier von besonderer Bedeutung. Ein älterer, souveräner Hund kann einen Jungspund schon mal maßregeln. Das kann im ersten Moment bedrohlich aussehen. Ist es aber im Normalfall nicht. Je besser Sie über die Verhaltensweisen von Hunden Bescheid wissen, desto einfacher können Sie derartige Situationen meistern.

Regeln für das Zusammenleben

Sobald es feststeht und der neue Hund mit nach Hause kommt, gibt es weitere Regeln. Beide Hunde sollten möglichst gleich behandelt werden. Sämtliche Regeln im und außerhalb des Hauses müssen für beide Vierbeiner gelten. Füttern Sie an zwei unterschiedlichen Plätzen aber zur selben Zeit. Geben Sie beiden Hunden das gleiche Maß an Aufmerksamkeit.

Lassen Sie die Tiere in den ersten Tagen, besser Wochen nicht gemeinsam alleine. Es ist immer möglich, dass sich Differenzen entwickeln und die Tiere beginnen aufeinander loszugehen. Wenn Sie die Hunde alleine lassen müssen, trennen Sie sie vorsichtshalber während dieser Zeit.

Erst wenn Sie absolut sicher sein können, dass das neue Gespann gut und problemlos funktioniert, steht einem gemeinsamen Alleinsein nichts mehr im Weg. Achten Sie jedoch penibel darauf, dass jeder Hund seine eigenen Ressourcen zur Verfügung hat. Sie werden sehen, mit der Zeit verschwimmen die Besitzansprüche häufig wie von selbst.

Warum zwei Hunde besser sind?

Ein zweiter Hund bringt sowohl für Sie als Hundehalter, aber vor allem für Ihren Hund sehr viele Vorteile mit sich. Für Sie wird die erste Zeit mit Sicherheit sehr anstrengend werden, bis sich alles gut eingespielt hat. Danach werden Sie sehen, wie aufregend ein Leben mit zwei Hunden sein kann.

Ich persönlich würde nie mehr wieder einen Hund alleine halten. Es ist so wunderschön zu sehen, wie Hunde miteinander spielen, kommunizieren oder kuscheln. Dabei geben uns die Hunde genauso viel Liebe zurück wie sie dies tun würden, wenn sie alleine bei uns lebten. Sie erhalten also mit einem Zweithund gleich zwei Mal so viel Liebe und Zuneigung.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Mehrhundehaltung - bei uns sind es mittlerweile vier Tiere - große Vorteile mit sich bringt. Die Tiere sind deutlich ruhiger, selbst wenn Sie mal alleine zu Hause sind. Sie sind entspannter und lernen voneinander. Es ist einfach ein Erlebnis, sie zusammen zu sehen und zu erleben, wie wohl sie sich in der Gruppe fühlen.

Hunde lernen durch Nachahmung

Hat sich der Zweithund erst gut eingelebt, werden Sie erkennen, dass sich die Hunde gemeinsam sehr wohl fühlen. Voraussetzung ist, dass sie sich gut verstehen. Zumeist orientiert sich dann ein Tier ganz von selbst am anderen. So erlernt er die klassischen Gewohnheiten und Gegebenheiten bei Ihnen wie von selbst.

Das kann jedoch auch problematisch werden. Sie sollten daher immer darauf achten, was Ihr zweiter Hund vom ersten lernen könnte. Hunde lernen nicht nur sinnvolle Dinge von Artgenossen. In erster Linie lernen sie alle schlechten Angewohnheiten.

Unser erster Hund war ein Meisterdieb. Als einstiger Straßenhund in Spanien wusste er ganz genau, wie er sich holen konnte, was er wollte. Es war mehr als schwer, diese Angewohnheit im Rahmen zu halten. Abgewöhnen konnten wir es ihm bis zum Schluss nicht.

Als dann unser zweiter Hund zu uns kam, versuchte dieser natürlich genau dasselbe Verhalten an den Tag zu legen. Er war allerdings deutlich kleiner, was es für ihn schwieriger machte. Wir waren hier von Beginn an sehr konsequent und schon rasch war es auch kein Thema mehr.

Achten Sie daher von Beginn an auf die Eigenheiten, die der zweite Hund übernehmen könnte. Zieht ein Hund an der Leine, wird es auch der zweite Hunde nachmachen. Bellt ein Hund Artgenossen an, wird auch der zweite andere Hunde lautstark begrüßen. Hier ist Ihre Konsequenz gefordert, und das möglichst schon beim ersten Hund.

Zwei Hunde, für ein erfülltes Hundeleben

Ein Zweithund ist eine besondere Herausforderung für Sie. Für Ihren Hund bedeutet ein Artgenosse aber ein völlig neues Lebensgefühl. Er kann mit ihm kommunizieren, spielen und kuscheln. Wenn die beiden gut zueinander passen und sich verstehen, haben beide ein erfülltes und herrliches Hundeleben.

Damit es dazu kommt, müssen Sie im Vorfeld gut abklären, welcher Hund zu Ihnen und Ihrem ersten Hund passt. Bereiten Sie dann in Ihrem Heim alles gut vor. Gewöhnen Sie die Hunde langsam aneinander und geben Sie ihnen ausreichend Zeit. Achten Sie dabei auf ihr Verhalten. So werden Sie mit Ihrem Hundeteam viel Freude haben.

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