Zwei Veggies im Busch Afrikas

Von Gonjoy

Wenn man eine Vegetarierin und eine Veganerin allein in den Krüger Nationalpark, einem Ort voller tierischer und nicht-tierischer Fleisch(f)resser steckt, dann kann das nur spannend werden. Wie schon im Jahr zuvor, haben wir uns auch dieses Jahr wieder den kältesten Monat im Jahr gespart und sind nach Südafrika abgedüst, wo es zu dieser Jahreszeit Hochsommer ist.

Wie zwei Kinder, die zum ersten Mal einen Süßigkeitenladen betreten, stiegen wir in den monströsen Airbus A380 ein.

Kaum zu glauben, dass diese überdimensionale Nussschale gleich wirklich über 500 Menschen sicher ins tausende Kilometer entfernte Südafrika bringen sollte! Trotz unserer langjährigen Flugerfahrung war allein der Hinflug für uns schon DAS Ereignis. Der Start verlief mehr als turbulent, sodass wir schon kurz am Überlegen waren, uns in die Brace-Position zu begeben, um auch ja nicht mit dem Kopf gegen den Vordersitz zu knallen. Einmal über den Wolken wurde es jedoch endlich ruhiger. Abgelaufen ist der Flug dann aber letztendlich wie jeder x-beliebige. Nach zweieinhalb Filmen und 32,5 Minuten Schlaf (natürlich jeweils in Sekunden gestückelt auf 11,5 Stunden verteilt), setzte die Maschine zur Landung an. Uns wurde dabei sehr schlecht, was nicht am Sinkflug per se lag, sondern am Geruch von Eiern, verbranntem Speck und Chilibohnen, die im Rahmen des „leckeren“ Full-English-Frühstücks bei British Airways zum Standardprogramm gehören. Doch selbst an meinem veganen Frühstück konnte ich keinen Gefallen finden, da gedünstetes Gemüse und ein Kartoffelrösti nicht unbedingt zu den Dingen gehören, die ich gerne früh um 5 Uhr esse.

Am Flughafen angekommen, machten wir uns gleich auf die Suche nach der Hertz-Mietwagenstation. Ich konnte zwar kaum noch meine Augen offen halten, aber so eine kleine Irrfahrt ohne Navi im Linksverkehr der Metropole Johannesburg ist natürlich immer drin. Erfordert ja auch kaum Konzentration. Nachdem wir unterwegs bei einigen Einheimischen und zum Schluss an einer Tankstelle nach dem Weg zu unserem Hotel gefragt hatten, kamen wir endlich in unserem 5-Sterne-Tempel an. Bevor wir uns durch sämtliche

Busch-Camps des Krüger Parks schlugen, wollten wir uns noch etwas Luxus gönnen.

Wir hatten gleich für den ersten Tag ein umfassendes Sightseeing durch Pretoria geplant, zu dem wir mangels Schlaf nur semi-motiviert waren. Aber unser netter, lustiger Fahrer schaffte es unsere Lebensgeister wieder zu erwecken und spätestens als er uns in ein Café namens “Avocado Deli” brachte, wo wir endlich unsere hungrigen Mägen füllen konnten, waren wir wieder voll da. Nachdem wir uns Pretorias berühmteste Sehenswürdigkeiten, darunter das Voortrekkerdenkmal, die Union Buildings und das Krugerhaus, ansahen, schwanden die Kräfte auch schon wieder. Nach dem Abendessen sind wir totmüde, dafür umso glücklicher ins Bett gefallen und haben uns erstmal 13 Stunden Schlaf gegönnt.

Schon am nächsten Tag brachen wir auf Richtung Mpumalanga und Krüger Nationalpark. Wir legten noch einen Zwischenstopp in Sabie ein - einem kleinen verschlafenen Ort. Von dort aus kann man super die Panorama Route abfahren. Besonders hervorzuheben ist der bis zu 800 Meter tiefe Blyde River Canyon, der einem mit seiner Aussicht den Atem raubte. Er gilt als das Naturwunder Afrikas schlechthin und macht mit seiner Beschaffenheit aus rotem Sandstein echt was her. Mutige Touristen trauten sich bis an den Rand, um ein Erinnerungsfoto zu schießen. Den Abend ließen wir im Jacuzzi unserer Suite ausklingen. Wir hatten nämlich riesen Glück das beste Zimmer im Haus zu bekommen. Es hat doch seine Vorteile, eine “Inforeise” zu machen. ;-)

Beim Frühstück am nächsten Morgen erwartete uns eine „Überraschung“: wir erhielten vom Personal unseres Gästehauses die Info, dass die Kleinstadt Sabie aufgrund einer Bürgerdemo vollständig gesperrt sei und niemand rein oder raus käme. Passierende Autos

wurden von den Demonstranten mit Steinen beworfen und trugen erhebliche Schäden davon. Ein amerikanisches Paar, welches völlig aufgelöst bei uns ankam, hatte leider die Bekanntschaft mit Schlagstöcken machen müssen, die ihren Mietwagen völlig verbeulten. Auf unsere Nachfrage hin, wie lange so eine Demo für gewöhnlich dauerte, entgegnete man uns lässig “Das kann auch mal eine Woche dauern”. Auf einmal rückte unsere heiß ersehnte Safari in weite Ferne. Doch das Glück war auf unserer Seite. Nach weiteren zwei Stunden war die Demo beendet und wir packten alles ins Auto, um die Kurve zu kratzen. Die nächste Panne ließ aber nicht lange auf sich warten. Es handelte sich übrigens im wahrsten Sinne des Wortes um eine Panne. Der rechte Vorderreifen unseres Hyundais hatte sich verabschiedet. Da wir beide absolut keine Ahnung hatten, wie man einen Reifen wechselt, beschloss ich den Manager unserer Unterkunft mit einem netten Augenaufschlag um Hilfe zu bitten. Im Gegensatz zu uns wusste er wie man einen Wagenheber bedient und half uns das Rad zu wechseln (bzw. er wechselte das Rad und wir bekundeten ihm durch eifriges Werkzeug-rüber-reichen unsere Unterstützung). Bevor nun unseren Weg fortsetzen konnten, hielten wir an der nächsten Tankstelle, um den alten Reifen flicken zu lassen. Nicht auszudenken, dass wir mitten im Krüger eine Panne haben, aber kein Rad zum wechseln. Dass dies nicht unser größtes Problem gewesen wäre, in Anbetracht der Tatsache, dass wir uns sowieso in Lebensgefahr

begeben hätten, wenn wir mitten in der Wildnis zum Radwechsel (wir wussten ja nun wie es funktioniert) aus dem Auto begeben hätten, ist uns erst später bewusst geworden. Der Reifen wurde für umgerechnet 4 Euro von einem hilfsbereiten Tankwart repariert. 

Die nächste Nacht in der „Zivilisation“ verbrachten wir in Hazyview, einem Städtchen unweit des Krüger Naionalparks. Da das Wetter an diesem Abend nicht mitspielte, entschieden wir uns, dem guten südafrikanischen Wein zuzusprechen und einmal unserem Business nachzugehen. Leider war jedoch auch die Stromverbindung nicht auf unserer Seite, sodass wir am Ende singend mit einer französischen Reisegruppe, die ihren eigenen Selbstgebrannten im Gepäck hatten, bei Kerzenschein unter einem Wellblechdach

saßen und dem Regen beim Prasseln zuhörten. Es geht doch nichts über ein europäisches Miteinander in Afrika, auch wenn wir dem lallenden Französisch nicht wirklich folgen konnten und uns außer „Sur le pond d’Avignon“ das Repertoire an französischen Nationalsongs fehlte. Wir amüsierten uns so köstlich und ich konnte es nicht unterlassen, Jenny 10 € zu bieten, wenn sie inbrünstig „Frère Jacques“ vor der schon etwas betagteren Reisegruppe schmettert. Das einmalige Angebot hat sie jedoch zu meinem großen Bedauern abgelehnt. . .

...ihr wollt wissen, wie es weiter geht auf unserer spannenden Tour durch Südafrika? Dann freut euch auf unseren nächsten Blogartikel! To be continued!