Zwei Stimmen – Zeitgenössisches im Keller

Wer in Wien zeitgenössische Musik hören möchte, der kennt sicherlich die Schönlaterngasse. Der Kunstverein „Alte Schmiede“ der dort in der Nummer 9 sein Stammhaus hat, veranstaltet monatlich eine ganze Menge an Live-Konzerten und das ganz zum Nulltarif für das Publikum.

Zwei Stimmen – Zeitgenössisches im Keller

Anna Maria Pammer & Weiping Lin in der “Alten Schmiede” in Wien. (Foto: F. S. Mrkvicka)

 

Am 28. März gab es ein solches unter dem Titel „Zwei Stimmen“ in welchem die aus Taiwan stammende Geigerin Weiping Lin und die Sopranistin Anna Maria Pammer zu hören und zu sehen waren. Mit Werken von György Kurtág – Sz. K. – Erinnerungsgeräusch, Sieben Lieder für Violine und Sopran nach Gedichten von Dezsö Tandori wurde der Abend eröffnet. Die sieben Miniaturen – die auf zweizeiligen Gedichten aufgebaut sind, beeindruckten vor allem durch die Expressivität der Geigenstimme und durch das deutliche Sprachdiktum, das Pammer zum Besten gab. Dabei gelang es ihr, in den noch so minimalistischen Aussagen Emotion hineinzulegen. Mit Xnoybis I – II – III von Giacinto Scelsi kam ein zweiter Klassiker der Moderne zur Aufführung. Das Stück war das Einzige, das an diesem Abend ohne Stimme auskam. Weiping Lin konnte mit ihrem Soloauftritt dabei zeigen, wie sehr sie mit zeitgenössischer Musik vertraut ist und wie scheinbar leicht sie technische Schwierigkeiten meistern kann. Stimmhaftes und Stimmloses reihte sich mit Pizzicato-Griffen aneinander, eine stetig ansteigende Linie mit einem schwingenden Klang und Dissonanzen schuf eine zeitlose Empfindung, die auch eine Sensibilisierung für spätere Stücke darstellte.

Michael Amann, ein Vorarlberger Komponist, der in Wien lebt und arbeitet, präsentierte „Sonett 60“ nach einem Text von William Shakespeare in einer Komposition aus dem Jahr 2013. Darin herrscht zu Beginn eine nervöse Grundstimmung, die nach dem ersten Satz förmlich verhaucht. Das dreisätzige Werk ist durch die zweifache Stimmführung von Violine und Stimme gekennzeichnet, bei welcher sich die Stimmen zwar unabhängig voneinander gerieren, aber dennoch aufeinander beziehen und auf weite Strecken ihre größte Gemeinsamkeit in ihrer Metrik vorweisen. Im Werk „In diesem Dorfe“ nach einem Text von Rainer Maria Rilke, von Amann ebenfalls 2013 geschrieben, verblüfft der Komponist vorrangig mit der außergewöhnlichen Betonung einzelner Worte. Die Straße wird dabei zur Strasssssssse, das Dorf zum Dorfffffff, was Erinnerungen an Gedichte von Ernst Jandl hervorruft, die jedoch ganz im Gegensatz zu Rilkes Gedichte stehen. Eine feine, freie musikalische Interpretation, die hier geboten wurde.

Den Schluss bildeten „Klangfragmente für Violine und Sopran“ von Albert Dambeck. Der auf die reine Stimmung spezialisierte Komponist arbeitet dabei mit einer zusätzlichen elektronischen Einspielung eines Grundtones, der sich – mit Ausnahmen – beinahe über das ganze Stück erstreckt. Er schreibt selbst dazu: „Bei den „Klangfragmenten“ sind die europäischen Vokale die Lautträger. Ungelenk mit einem Stempelsatz über der präzisen Notation angebracht, entschwinden sie einer eindeutigen Ausformulierung und deuten nur an.“ Zu Beginn hat es den Eindruck, als ob sich Weiping Lin und Anna Maria Pammer erst einstimmen müssten – der Übergang zur tatsächlichen Komposition bleibt dabei fließend. Die Melodien der beiden Stimmen lässt Dambeck zu Beginn abwechselnd vorführen, um sie dann teilweise überlappen zu lassen. Die Komposition begreift sich jedoch ständig als eine permanente Bezugnahme auf den Grundton und arbeitet mit dem häufigen Einsatz von Quarten und Quinten, sowie der Erzeugung von Obertönen. Als plötzlich der Grundton für ein kleines Weilchen verstummt, werden die beiden Stimmen voneinander unabhängig, um schließlich doch wieder vom eingespielten Grundton eingefangen zu werden. Die dabei entstehende Kontemplation wird vom Publikum dankbar aufgenommen. Man hat den Eindruck, sich für ein paar Minuten ganz von der Musik tragen lassen zu können, was einer Art Auszeit entspricht, die beinahe jeder und jede von uns dringend benötigt.

Die beiden Interpretinnen boten ein perfekt aufeinander abgestimmtes Duo. Vor allem die klanglich feine Übereinstimmung zwischen dem kräftigen, zugleich aber auch sehr lyrischen Sopran von Pammer und dem ebenfalls kräftigen und sicheren Strich von Weiping Ling, der sich bis ins fast Unhörbare meisterlich auflösen konnte, harmonierten wunderbar.


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